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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Journalist und Eigentümer"
Ausgabe vom 18. Juni 2010
Wien (OTS) - Was Hans Dichand am stärksten von anderen Wiener
Medien-Managern (mit Ausnahme von Oscar Bronner) unterschieden hat,
war: Er war der bestimmende Eigentümer. Auf ihm, dem Journalisten,
ruhten der Aufbau und spätere Erfolg der "Kronen Zeitung". Wenn es
immer heißt, er hatte ein Gespür für "Volkes Stimme", so könnte es
genauso gut heißen: Dichand lebte davon. Seine verlegerischen
Entscheidungen fanden sich hundertprozentig in der Gewinn- und
Verlust-Rechnung der "Krone". Das mag mit ein Grund gewesen sein,
dass er bis zuletzt die Zügel in der Hand hielt. Er war es so
gewohnt, und er ist mit seinen Entscheidungen großteils gut gefahren
- wie die Reichweite der "Krone" von 40 Prozent mühelos beweist.
Dass er ziemlich rücksichtslos sein konnte, wenn es gegen "seine
Krone" ging, ist ebenso legendär. Die deutsche WAZ als
"Finanzinvestor" hat er wohl hingenommen, als Verlagspartner mit 50
Prozent Anteil konnte er sie nie akzeptieren.
Da er eben nicht nur Journalist, sondern auch Eigentümer der Zeitung
war, wusste er um die Bedeutung einer motivierten Mannschaft. Die
"Kronen Zeitung" zahlte ihre Redakteure immer gut bis sehr gut. Daran
kiefeln die WAZ-Manager bis heute, die nicht verstehen können, warum
man aus einer Zeitung mit dieser überragenden Marktstellung nicht
mehr Gewinn herausholt. Nun, die Familie Dichand nährten sie
ausreichend . . .
Mit der "Verlagsfabrik" Mediaprint war Hans Dichand selbst
unzufrieden. Er, der Eigentümer, musste sich in der Mediaprint mit
Verlagsmanagern auseinandersetzen, die selbst nie einen Cent in die
Zeitungen investiert hatten. Ein Teil seines Grolls. Wenn er nicht
wollte, dann ging dort auch nichts. Das wird sich nun ändern. Nach
einer Schamfrist wird ein Gefeilsche um Macht und Kontrolle bei der
größten Zeitung des Landes einsetzen. Der Gründer und Eigentümer ist
gegangen., Jetzt kommen jene, die eine gut funktionierende Redaktion
nicht als Betriebsvermögen, sondern als Kostenfaktor einstufen.
Bisher machte Hans Dichand Politik, wenn er glaubte, dies würde der
Zeitung nutzen (was er freilich oft glaubte, auch in abstoßender
Weise - siehe Jörg Haider). Nun aber wird ein Machtkampf eröffnet,
der den Journalismus im Lande eher nicht besser machen wird.
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