• 17.06.2010, 13:28:58
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Forschungsrat: Positive Bilanz vor Beginn der dritten Funktionsperiode

Ganzheitliche FTI-Politik, Humanressourcen und Geistiges Eigentum weiterhin Schwerpunkte

Wien (OTS) - Kurz vor Ende der zweiten Ratsperiode zieht der Rat
für Forschung und Technologieentwicklung Bilanz. Seit dem Jahr 2000
erfüllt dieses Gremium seinen Gesetzesauftrag, die Bundesregierung
systematisch, unabhängig und fundiert zur Forschungs-, Technologie-
und Innovationspolitik zu beraten. Dabei versteht sich der Rat in
erster Linie als strategischer Vordenker, zentraler Knotenpunkt und
Koordinator sowie Verstärker vielfältiger Aktivitäten - vor allem
jedoch als Akzentsetzer. Nach zehn Jahren stehen acht
Strategiedokumente zur FTI-Politik sowie rund 80 Detailempfehlungen
und programmbezogene Empfehlungen zur Mittelzuteilung zu Buche, die
nach der Bewertung des Rechnungshofs zu über 80 Prozent umgesetzt
wurden.

Viele Herausforderungen warten auf die neuen Ratsmitglieder
Die bislang erreichten Erfolge, die auch eindrucksvoll vom
Rechnungshof bestätigt wurden, fasst der Rats-Vorsitzende DI Dr. Knut
Consemüller wie folgt zusammen: "Aktuell weist Österreich die höchste
Entwicklungsdynamik der EU auf und hat sich an der Spitze der
"Innovation Follower" etabliert. Damit hat Österreich einen sehr
wichtigen Schritt geschafft. Nach politischer Beschlusslage soll
Österreich nun zum "Innovation Leader" und unter die besten drei
EU-Nationen im FTI-Bereich aufsteigen."

Dies bedarf allerdings verstärkter Anstrengungen. Insbesondere
empfiehlt der Rat einen ganzheitlichen Ansatz für Bildung, Forschung
und Innovation. Consemüller: "Diese drei Faktoren bedingen sich. Da
in der Vergangenheit Entscheidungen in den Feldern z.T. unabhängig
von den übrigen getroffen wurden, war es nicht möglich, das in
Österreich verfügbare Potenzial zur Gänze auszuschöpfen. Um
"Innovation Leader" zu werden, ist es aber unerlässlich, Bildung,
Forschung und Innovation aus einer Hand zu planen und zu steuern."

Universitäten im internationalen Wettbewerb

Die österreichischen Universitäten haben sich in den letzten zehn
Jahren sehr dynamisch entwickelt und können in vielen Disziplinen mit
Exzellenz im internationalen Wettbewerb bestehen. Dazu der
stellvertretende Vorsitzende des Rates, Univ.-Prof. Dr. Bonn: "Der
Grundstein ist gelegt. Jetzt müssen wir diesen Weg einer konkreten
Strategieverfolgung und zusätzlicher Geldmittel konsequent
fortsetzen. Die Universitäten in Lehre und Forschung sowie im
Speziellen die Grundlagenforschung sind die Voraussetzungen für die
nachhaltige Entwicklung eines gesunden Innovationssystems." Eine
erhöhte Mobilität im Schul- und Hochschul-bereich durch geförderte
Auslandsaufenthalte sind aus Sicht des Rates weitere ausschlaggebende
Punkte für eine zielgerichtete FTI-Politik.

KMU-Landschaft stärker mit einbeziehen

Großes Potential sieht der Ratsvorsitzende auch bei den heimischen
Klein- und Mittelbetrieben. Dieses soll mit einer differenzierten
Vorgangsweise bei direkter wie indirekter Forschungsförderung
erschlossen werden - etwa der Zusammenführung von
Forschungsfreibetrag und Forschungsprämie zu einer erhöhten
Forschungsprämie von zwölf Prozent. Einen weiteren Schlüssel zu einer
erfolgreichen Forschungslandschaft ortet der Ratsvorsitzende in einer
noch intensiveren Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft.
"Gerade kooperative Programme von Universitäten und Unternehmen waren
in der Vergangenheit ein wichtiger Erfolgsfaktor für den
österreichischen Weg. Dies gilt es auch in Zukunft vorrangig zu
fördern", erklärt Consemüller.

Humanressourcen

Zusätzlich fordert Consemüller eine verstärkte Förderung der
Humanressourcen: "Der einzige 'Rohstoff', den Österreich hat, sind
seine Menschen. Deshalb müssen gerade sie gefördert werden. Um
unseren Wohlstand zu halten bzw. auszubauen, braucht Österreich mehr
und besser qualifizierte, engagierte sowie kreative Arbeitskräfte.
Die Humanressourcen stellen also einen zentralen Bestandteil des
heimischen FTI-Systems dar."

Dienstleistungen

Ähnlich ist die Situation bei innovativen Dienstleistungen: Zwar
liegt der Anteil der Wertschöpfung des Dienstleistungssektors bei
sehr hohen 68 Prozent der Gesamtleistung und bei 70 Prozent der
Beschäftigten, jedoch entfielen davon 2004 nur 38 Prozent auf
wissensintensive, unternehmens-nahe Dienstleistungen. Damit lag
Österreich deutlich hinter dem europäischen Durchschnitt von 45
Prozent. Consemüller: "Österreich muss einen Strukturwandel zu
Gunsten moderner Dienstleistungen vollziehen."

Bessere Verwertung von Geistigem Eigentum
als Wettbewerbsvorteil

Darüber hinaus sieht Consemüller Handlungsbedarf für die kommende
Periode. Neben einer Verlagerung von Input- auf Output-Fokussierung
der heimischen Forschungsförderung sieht er vor allem beim Management
des geistigen Eigentums Aufholbedarf: "Es müssen Rahmenbedingungen
für eine wissensbasierte Ökonomie geschaffen werden, die einen
reibungslosen Transfer von Forschungsergebnissen in innovative
Produkte und Dienstleistungen am Markt ermöglichen. Das Ziel kann nur
sein, die Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Praxis zu
optimieren, um daraus einen nationalen Wettbewerbsvorteil zu
erzielen."

Consemüller erachtet eine weitreichende Analyse der Ist-Situation
im Bereich Wissens- und Technologieverwertung mit einem starken Fokus
auf Geistiges Eigentum als erforderlich. Vor diesem Hintergrund ist
der Rat für Forschung und Technologieentwicklung Anfang des Jahres
eine Kooperation mit der Oxford University eingegangen, um ein
Grund-lagenpapier zur Bedeutung des Geistigen Eigentums für das
österreichische Innovationssystem zu erarbeiten.

Die Ratsversammlung

Rückfragehinweis:
DI Dr. Ludovit Garzik - Geschäftsstelle des Rates
Tel.: 01 - 7131414

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