Forschungsrat: Positive Bilanz vor Beginn der dritten Funktionsperiode

Ganzheitliche FTI-Politik, Humanressourcen und Geistiges Eigentum weiterhin Schwerpunkte

Wien (OTS) - Kurz vor Ende der zweiten Ratsperiode zieht der Rat für Forschung und Technologieentwicklung Bilanz. Seit dem Jahr 2000 erfüllt dieses Gremium seinen Gesetzesauftrag, die Bundesregierung systematisch, unabhängig und fundiert zur Forschungs-, Technologie-und Innovationspolitik zu beraten. Dabei versteht sich der Rat in erster Linie als strategischer Vordenker, zentraler Knotenpunkt und Koordinator sowie Verstärker vielfältiger Aktivitäten - vor allem jedoch als Akzentsetzer. Nach zehn Jahren stehen acht Strategiedokumente zur FTI-Politik sowie rund 80 Detailempfehlungen und programmbezogene Empfehlungen zur Mittelzuteilung zu Buche, die nach der Bewertung des Rechnungshofs zu über 80 Prozent umgesetzt wurden.

Viele Herausforderungen warten auf die neuen Ratsmitglieder
Die bislang erreichten Erfolge, die auch eindrucksvoll vom Rechnungshof bestätigt wurden, fasst der Rats-Vorsitzende DI Dr. Knut Consemüller wie folgt zusammen: "Aktuell weist Österreich die höchste Entwicklungsdynamik der EU auf und hat sich an der Spitze der "Innovation Follower" etabliert. Damit hat Österreich einen sehr wichtigen Schritt geschafft. Nach politischer Beschlusslage soll Österreich nun zum "Innovation Leader" und unter die besten drei EU-Nationen im FTI-Bereich aufsteigen."

Dies bedarf allerdings verstärkter Anstrengungen. Insbesondere empfiehlt der Rat einen ganzheitlichen Ansatz für Bildung, Forschung und Innovation. Consemüller: "Diese drei Faktoren bedingen sich. Da in der Vergangenheit Entscheidungen in den Feldern z.T. unabhängig von den übrigen getroffen wurden, war es nicht möglich, das in Österreich verfügbare Potenzial zur Gänze auszuschöpfen. Um "Innovation Leader" zu werden, ist es aber unerlässlich, Bildung, Forschung und Innovation aus einer Hand zu planen und zu steuern."

Universitäten im internationalen Wettbewerb

Die österreichischen Universitäten haben sich in den letzten zehn Jahren sehr dynamisch entwickelt und können in vielen Disziplinen mit Exzellenz im internationalen Wettbewerb bestehen. Dazu der stellvertretende Vorsitzende des Rates, Univ.-Prof. Dr. Bonn: "Der Grundstein ist gelegt. Jetzt müssen wir diesen Weg einer konkreten Strategieverfolgung und zusätzlicher Geldmittel konsequent fortsetzen. Die Universitäten in Lehre und Forschung sowie im Speziellen die Grundlagenforschung sind die Voraussetzungen für die nachhaltige Entwicklung eines gesunden Innovationssystems." Eine erhöhte Mobilität im Schul- und Hochschul-bereich durch geförderte Auslandsaufenthalte sind aus Sicht des Rates weitere ausschlaggebende Punkte für eine zielgerichtete FTI-Politik.

KMU-Landschaft stärker mit einbeziehen

Großes Potential sieht der Ratsvorsitzende auch bei den heimischen Klein- und Mittelbetrieben. Dieses soll mit einer differenzierten Vorgangsweise bei direkter wie indirekter Forschungsförderung erschlossen werden - etwa der Zusammenführung von Forschungsfreibetrag und Forschungsprämie zu einer erhöhten Forschungsprämie von zwölf Prozent. Einen weiteren Schlüssel zu einer erfolgreichen Forschungslandschaft ortet der Ratsvorsitzende in einer noch intensiveren Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft. "Gerade kooperative Programme von Universitäten und Unternehmen waren in der Vergangenheit ein wichtiger Erfolgsfaktor für den österreichischen Weg. Dies gilt es auch in Zukunft vorrangig zu fördern", erklärt Consemüller.

Humanressourcen

Zusätzlich fordert Consemüller eine verstärkte Förderung der Humanressourcen: "Der einzige 'Rohstoff', den Österreich hat, sind seine Menschen. Deshalb müssen gerade sie gefördert werden. Um unseren Wohlstand zu halten bzw. auszubauen, braucht Österreich mehr und besser qualifizierte, engagierte sowie kreative Arbeitskräfte. Die Humanressourcen stellen also einen zentralen Bestandteil des heimischen FTI-Systems dar."

Dienstleistungen

Ähnlich ist die Situation bei innovativen Dienstleistungen: Zwar liegt der Anteil der Wertschöpfung des Dienstleistungssektors bei sehr hohen 68 Prozent der Gesamtleistung und bei 70 Prozent der Beschäftigten, jedoch entfielen davon 2004 nur 38 Prozent auf wissensintensive, unternehmens-nahe Dienstleistungen. Damit lag Österreich deutlich hinter dem europäischen Durchschnitt von 45 Prozent. Consemüller: "Österreich muss einen Strukturwandel zu Gunsten moderner Dienstleistungen vollziehen."

Bessere Verwertung von Geistigem Eigentum
als Wettbewerbsvorteil

Darüber hinaus sieht Consemüller Handlungsbedarf für die kommende Periode. Neben einer Verlagerung von Input- auf Output-Fokussierung der heimischen Forschungsförderung sieht er vor allem beim Management des geistigen Eigentums Aufholbedarf: "Es müssen Rahmenbedingungen für eine wissensbasierte Ökonomie geschaffen werden, die einen reibungslosen Transfer von Forschungsergebnissen in innovative Produkte und Dienstleistungen am Markt ermöglichen. Das Ziel kann nur sein, die Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Praxis zu optimieren, um daraus einen nationalen Wettbewerbsvorteil zu erzielen."

Consemüller erachtet eine weitreichende Analyse der Ist-Situation im Bereich Wissens- und Technologieverwertung mit einem starken Fokus auf Geistiges Eigentum als erforderlich. Vor diesem Hintergrund ist der Rat für Forschung und Technologieentwicklung Anfang des Jahres eine Kooperation mit der Oxford University eingegangen, um ein Grund-lagenpapier zur Bedeutung des Geistigen Eigentums für das österreichische Innovationssystem zu erarbeiten.

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