- 14.06.2010, 15:22:05
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Evangelischer Theologe Kurt Lüthi gestorben
"Öffentliche Theologie im besten Sinne des Wortes"
Wien (OTS/epdÖ) - Der langjährige Ordinarius für Systematische
Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität
Wien, Kurt Lüthi, ist am Freitag, 11. Juni, 86-jährig in Wien
verstorben. "Die Fakultät verliert mit Kurt Lüthi einen anerkannten
Wissenschaftler, engagierten Lehrer und geschätzten Menschen. Als
solchen wird sie ihn stets in ehrender Erinnerung behalten", erklärte
der Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät, James Alfred
Loader, gegenüber epd Ö. Als "profilierter Vertreter des reformierten
Protestantismus" habe Lüthi "weit über die Grenzen der akademischen
Welt hinaus" gewirkt und sich immer wieder an öffentlichen Debatten
zu gesellschaftlichen Fragen beteiligt. Loader: "Seine Theologie, die
durch das Erbe Barths und den Dialogischen Personalismus geprägt war,
war öffentliche Theologie im besten Sinne des Wortes."
Seit seiner Berufung nach Wien (1964) gehörte Lüthi in Österreich
zu den prägenden Persönlichkeiten im ökumenischen Dialog, im Gespräch
zwischen Theologie und Kunst, im christlich-marxistischen sowie im
christlich-jüdischen Dialog. Lüthi, der seit 1972 mit der Wiener
Künstlerin Linda Christanell verheiratet war, engagierte sich auch im
Gespräch zwischen Theologie und Psychoanalyse und unterstützte die
Anliegen der Feministischen Theologie. Auf all diesen Gebieten trat
er durch zahlreiche Veröffentlichungen hervor, darunter seine 2001
erschienene christliche Sexualethik.
Der Wiener Lehrstuhlinhaber für Systematische Theologie, Ulrich
Körtner, unterstrich im Gespräch mit epd Ö Lüthis Verdienst um die
Entwicklung einer Dialektischen Theologie. Lüthi, den Körtner als
"persönliches Vorbild" und "väterlichen Freund" bezeichnete, sei es
gelungen, eine "Befreiungstheologie im europäischen Kontext" zu
formulieren. Neben Wilhelm Dantine habe Lüthi die "Gestalt des
Protestantismus nach außen vertreten" und der Fakultät damit "ein
Gesicht verliehen". Seiner Kirche sei Lüthi immer "in kritischer
Loyalität" verbunden gewesen.
Für den reformierten Landessuperintendenten Thomas Hennefeld war
Kurt Lüthi "über Jahrzehnte eine wichtige Säule unserer Kirche". Als
"überzeugter reformierter Christ" habe er "das Profil unserer Kirche
geschärft und die theologische Argumentation gestärkt". In
vielfältiger Weise habe Lüthi den reformierten Ansatz, dass sich der
Glaube im Leben und in der Gesellschaft niederschlagen muss,
umgesetzt. Hennefeld hob Lüthis gesellschaftspolitisches Engagement
hervor, "durch das er auch unsere Kirche prägte", etwa bei der
Akzeptanz der Fristenlösung oder der Gleichstellung der Frau in der
Evangelischen Kirche. Lüthi habe sich für einen positiven Zugang zur
Homosexualität in Kirche und Gesellschaft oder auch für das
Antirassismusprogramm des Weltkirchenrates eingesetzt. "Er war der
erste Feminist in unserer Kirche", sagte Hennefeld. Lüthi, so der
Landessuperintendent, "war das Gegenteil eines abgehobenen gelehrten
Professors. Er war immer bestrebt, mit seinen Fähigkeiten und seinem
Weitblick als Christ seine Umwelt zum Guten zu verändern, er verband
sein Christsein mit einer tiefen Humanität und entschiedenem Einsatz
für Minderheiten, Randgruppen und Außenseiter der Gesellschaft. Seine
markante, warnende, herzliche und prophetische Stimme wird uns stets
in Erinnerung bleiben."
Der evangelisch-lutherische Bischof Michal Bünker würdigte in
einer ersten Reaktion Lüthis "auf Jesus Christus konzentrierte
Theologie, die auf vielfältige Weise ein gesellschaftliches
Engagement des Glaubens erfordert". Als "starker Befürworter" der
"Leuenberger Konkordie" sei Lüthi für dieses "Zukunftsmodell"
kirchlicher Gemeinschaft eingetreten und habe so das Verhältnis
zwischen lutherischen und reformierten Kirchen in Europa
intensiviert. Persönlich habe er, so Bünker, Kurt Lüthi als
"wunderbaren Universitätslehrer" erlebt, der Studierenden den "Blick
für die Welt geöffnet" habe. Gemeinsam mit Wilhelm Dantine habe er
sich besonders für die öffentliche Kommunikation von theologischen
Anliegen, etwa in ethischen oder auch wirtschaftlichen Fragen,
engagiert und das "dialogische Prinzip gelebt".
Kurt Lüthi wurde am 31. Oktober 1923 als Sohn eines
Volksschullehrers und einer Handarbeitsschullehrerin im Kanton Bern
geboren und wuchs in dem Dorf Rohrbach auf. Er studierte Evangelische
Theologie in Bern und Basel. Zu seinen Lehrern gehörten Karl Barth,
Karl Ludwig Schmidt und Oskar Cullmann. Literarisch wurde er auch
durch Martin Buber und Dietrich Bonhoeffer beeinflusst. Nach
Abschluss seiner Studien im Jahr 1949 wurde er Pfarrer der
evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Bern, zunächst in
Beatenberg und später in Biel. Bei Cullmann promovierte Lüthi 1955 in
Basel mit einer Dissertation über Judas Iskarioth in der Geschichte
der Auslegung. Einige Jahre später habilitierte er sich mit einer
Studie über Gott und das Böse an der Universität Bern. 1964 wurde er
auf den Lehrstuhl für Systematische Theologie H.B. an die
Evangelisch-Theologische Fakultät Wien berufen, wo er bis zu seiner
Emeritierung im Jahr 1990 lehrte. In den Jahren 1966/67, 1971/72 und
von 1979 bis 1981 war Lüthi Dekan der Fakultät.
Rückfragehinweis:
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Dr. Thomas Dasek
Tel.: (01) 712 54 61 DW 12
mailto:[email protected]
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