• 11.06.2010, 09:35:11
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Caritas und Diakonie: Armut bekämpfen, statt parteipolitisches Geplänkel

Mindestsicherung: Verbesserungen umsetzen und offene Fragen lösen. Opfer der Krise nicht zu Schuldigen ihres Schicksals stempeln

Wien (OTS) - Angesichts der "sich abzeichnenden sozialen Folgen
der Finanzkrise" fordern Caritas-Direktor Michael Landau und
Diakonie-Direktor Michael Chalupka, "Verbesserungen in der
Sozialhilfe jetzt umzusetzen, damit niemand in den sozialen Abgrund
fällt."

"Wir könnten aber schon viel weiter sein. Denn es gibt noch viele
ungelöste Fragen zu bearbeiten.", so Landau. "Statt parteipolitisches
Geplänkel wäre die Energie viel besser investiert in die Bekämpfung
und Vermeidung von Armut", betont Chalupka.

Keine halben Lösungen für ganze Probleme, wünschen sich Caritas
und Diakonie angesichts wachsender sozialer Notlagen.

Die als Mindestsicherung bezeichnete Reform der Sozialhilfe bringt
Verbesserungen wie auch mögliche Verschlechterungen mit sich. "Je
nach dem wie die Länder jetzt ihre Sozialhilfenovellen gestalten", so
Landau, "Entscheidend wird, ob der der Vollzug der Sozialhilfe auf
den Ämtern der Länder verbessert wird, entscheiden wird, ob die
tatsächlichen Wohnkosten in der Sozialhilfe berücksichtigt werden,
entscheiden wird, ob bei existentiellen Nöten und Kosten wie kaputter
Boiler oder Schulsachen niemand von der Sozialhilfe allein gelassen
wird. Und entscheidend wird, ob es zu einer Reform aktiver
Arbeitsmarktpolitik und des Selbstverständnisses des AMS als soziales
Servicecenter kommt."

Caritas und Diakonie warnen davor, die Opfer der Wirtschaftskrise
zu Schuldigen ihres Schicksals zu machen. Chalupka: "Die Opfer der
Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit selbst für ihr Schicksal
verantwortlich zu machen, ist schäbig. In diesem Jahr wird es auch
darum gehen, die Kosten der Krise so zu verteilen, dass die Ärmsten
nicht unter die Räder kommen."

Denn: Ein Großteil der KlientInnen der Sozialberatungsstellen von
Hilfsorganisationen sind auf Sozialhilfe angewiesen. Nach Abzug der
Fixkosten fürs Wohnen bleiben rund ein Drittel der Menschen, die sich
hilfesuchend an die Caritas Sozialberatungsstellen wenden, weniger
als 4 Euro pro Tag und Person im Haushalt übrig, um alle anderen
Bedürfnisse abzudecken.

Laut den verfügbaren Statistiken waren 43.648
Sozialhilfe-BezieherInnen minderjährige, mitunterstützte Kinder und
Jugendliche. Das sind 29% aller Sozialhilfe- Beziehenden. Wenn nun
darüber gestritten wird, ob die Sozialhilfe innerhalb eines Jahres 12
Mal oder 14 Mal ausbezahlt wird, dann heißt das auch: Es wird derzeit
darüber gestritten, ob Kindern ein monatliches
Sozialhilfe-Existenzminimum in der Höhe von 220 oder aber max. 257
Euro zugestanden werden soll, von dem alle anteiligen Kosten - auch
die Miete - bezahlt werden müssen.

Rückfragehinweis:

Mag. Bettina Klinger
   Leitung Kommunikation Diakonie Österreich
   Tel: 01/409 80 01-14 oder 0664/314 93 95 
   E-Mail: [email protected]
   
   Mag.(FH) Klaus Schwertner
   Pressesprecher Caritas der Erzdiözese Wien
   Tel.: 01/878 12-221 oder 0664/848 26 18
   E-Mail: [email protected]

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