Schönborn: Aufarbeitung der NS-Zeit ist bleibende Aufgabe der Kirche

Wiener Kardinal vor Österreichischen Freunden von Yad Vashem: "Wer Christ sein will, muss sich der jüdischen Wurzeln seines Glaubens bewusst sein, sie lieben und hochschätzen"

Linz, 09.06.10 (KAP) Die bleibende Verantwortung, die Verbrechen des Nationalsozialismus aufzuarbeiten - gerade auch für die Kirche - hat Kardinal Christoph Schönborn betont. Er hielt am Dienstagabend in den Linzer Redoutensälen bei der Generalversammlung der Österreichischen Freunde von Yad Vashem einen Vortrag über den Umgang der katholischen Kirche mit der Zeit des Nationalsozialismus und der Shoah.

Schönborn hob die tiefe Verbundenheit der Christen mit dem Judentum hervor und sagte wörtlich: "Wer Christ sein will, muss sich der jüdischen Wurzeln seines Glaubens bewusst sein, muss sie lieben und hochschätzen." Vor dem Hintergrund des christlichen Antijudaismus und der schuldbehafteten Geschichte wolle er das Wort "Versöhnung" nicht einseitig in den Mund nehmen, denn Versöhnung sei immer den Opfern vorbehalten. Erinnerungsarbeit, Gespräche und Vertrauensbildung stünden aber an. Schönborn: "Davon kann es nie genug geben".

Immer wieder werde deutlich, "dass die Verirrungen des Denkens, die damals in die Dunkelheit geführt haben, noch immer nicht überwunden sind", warnte der Kardinal. Es genüge ein kurzer Blick in die Welt des Internets, "um mit Orgien des Hasses konfrontiert zu werden, die nicht überschätzt, aber um Gotteswillen auch nicht verniedlicht werden dürfen".

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