- 08.06.2010, 18:30:13
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Abenteuer am Weißwurst-Äquator - von Günter Fritz
Der Hypo- Sumpf ist noch für einige Überraschungen gut
Wien (OTS) - Je länger die Ermittlungen rund um den Kauf der Hypo
Alpe Adria Bank durch die BayernLB dauern, desto abenteuerlichere
Details kommen ans Licht: Bei den Einvernahmen durch die
Staatsanwaltschaft musste Ex-BayernLB-Chef Werner Schmidt etwa
scheibchenweise zugeben, dass das, was er zuvor gesagt hatte, so
nicht ganz den Tatsachen entsprochen haben dürfte - beispielsweise,
wann zum ersten Mal über den möglichen Kauf der Kärntner Hypo
zwischen ihm, dem damaligen Landeshauptmann Jörg Haider und Investor
Tilo Berlin gesprochen wurde. Nämlich viel früher als ursprünglich
zugegeben.
In dem WirtschaftsBlatt exklusiv vorliegenden Vorstandsprotokollen
der BayernLB und E-Mails wird nun noch klarer, wie eng und
eigenständig der Deal zwischen den genannten Protagonisten offenbar
abgewickelt wurde. Da agierte Schmidt so, als ob er den Kauf um jeden
Preis durchdrücken wollte - auch gegen Warnungen aus dem eigenen Haus
und mit Aktionen, die durchaus als fahrlässige Beeinträchtigung der
Interessen der BayernLB interpretiert werden könnten. Warum Schmidt,
für den die Unschuldsvermutung gilt, dies getan hat, bleibt
dahingestellt. Waren es politischer Druck seitens des Eigentümers,
Selbstüberschätzung und eigene Machtinteressen, waren persönliche
finanzielle Motive mit im Spiel - was wohl gleich schlimm wie dumm
wäre - oder hat er sich einfach nur vom schlauen Fuchs und
politischen Strategen Haider über den Tisch ziehen lassen?
Tatsache ist, dass Schmidt für das an Jörg Haider mit
"Persönlich/Vertraulich" adressierte Kaufangebot aus dem Textentwurf
Passagen hat streichen lassen, die die Position und Möglichkeiten der
Bayern gestärkt hätten: Beispielsweise wurde ausdrücklich auf die
Mehrheit im Aufsichtsrat der Hypo Alpe Adria Bank und den
Aufsichtsratsvorsitzenden verzichtet. Ganz blöd sind auch die
handschriftlichen Streichungen betreffend die Richtigkeit der Angaben
seitens der Kärntner Verkäufer: Denn statt bei deren Nichtzutreffen,
nicht mehr an das Angebot gebunden zu sein, war plötzlich nur noch
von Auswirkungen bis zu 100 Millionen Euro auf den Kaufpreis die
Rede. Das passt dazu, dass Schmidt einen aktuellen Statusbericht in
einer wichtigen Vorstandssitzung nicht behandeln ließ - just zum
Zeitpunkt, als Wirtschaftsprüfer Ernst&Young neue Risikopotenziale
für den Deal ortete.
Doch damit sind die Ungereimtheiten in der Causa längst nicht zu
Ende: Der Hypo-Sumpf ist noch für einige Überraschungen gut, über die
Sie im WirtschaftsBlatt auf dem Laufenden gehalten werden.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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