- 07.06.2010, 12:49:45
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Ulli Sima und Percy Schmeiser: Gemeinsam gegen Gentechnik auf Feldern und Tellern
Alternativ-Nobelpreisträger Schmeiser warnt in Wien vor dramatischen Folgen der Gentechnik
Wien (OTS) - "Wir wollen unseren Enkeln eine Welt mit sauberen
Lebensmitteln, Wasser, Boden und Luft hinterlassen!", mit diesem Ziel
setzt sich der kanadische Farmer und Saatgutzüchter Percy Schmeiser
seit über 10 Jahren vehement gegen die Gentech-Lobby zur Wehr. Seine
eigenen Felder wurden durch Wind und Pollenflug mit gentechnisch
verändertem Saatgut kontaminiert. Der Gen-Multi Monsanto verklagte
Schmeiser zu 400.000 Can. Dollar Patentlizenzgebühr.
Heute zählt Percy Schmeiser zu den Fürsprechern der Bauern
weltweit, er ist Symbolfigur im Kampf unabhängiger Landwirte und
kämpft gegen den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft. Bei
einem gemeinsamen Pressegespräch mit Wiens Umweltstadträtin Ulli Sima
wies er heute, Montag, einmal mehr auf die Gefahren der Gentechnik
und die dramatischen Abhängigkeiten durch Patente der Gen-Multis hin:
"Uns Bauern wird das uralte Recht genommen, Saatgut selbst zu
vermehren, wir geraten in Abhängigkeiten von Saatgutkonzernen, die
immer mächtiger werden", warnt Schmeiser. Für Umweltstadträtin Ulli
Sima ist Schmeisers Geschichte einmal mehr ein Anlass, sich auf allen
Ebenen gegen den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft stark
zu machen: "Die Risken dieser Technologie tragen wir Konsumenten, die
Auswirkungen auf die Umwelt sind dramatisch, auch wenn die Gen-Lobby
mit noch so viel Geld versucht, zu verharmlosen und zu beruhigen", so
Sima. Die Stadt Wien hat in den letzten Jahren eine Reihe von
Maßnahmen gesetzt - wie etwa das Gentechnikvorsorgegesetz - um Wiens
Landwirtschaft auch künftig gentechnikfrei zu halten. Schmeiser ist
Träger des Alternativen-Nobelpreises und ist unter dem Titel "David
gegen Monsanto" im Rahmen seiner Europatour 2010 am 7. und 8. Juni in
Wien.
Gentech-Patente schaffen Abhängigkeiten
Im Jahr 1997 fand Schmeiser erstmalig die gentechnisch veränderten
"Roundup-Ready"-Rapspflanzen des Agrochemie-Konzerns Monsanto auf
seinem Land. Diese genveränderten Rapspflanzen, für die Monsanto das
Patent besaß, wurden weder von ihm noch seiner Frau ausgesät. Nach
Angaben Schmeisers müssen die Samen durch den Wind vom Feld des
benachbarten Bauern oder von einem vorbeifahrenden LKW dorthin
gelangt sein.
Im Folgejahr nutzte Schmeiser einen Teil der Ernte dieser
gentechnisch veränderten Pflanzen, indem er das daraus gewonnene
Saatgut auf einer Fläche von rund 400 Hektar aussäte. Jedoch
behandelte er diese Fläche nicht mit Roundup. Deswegen wurde er durch
den Herstellerkonzern Monsanto wegen Patentverletzung verklagt.
Der Konzern berief sich darauf, dass laut Patent die Nutzung von
Roundup-Ready-Raps an den Kauf des Unkrautvernichtungsmittels Roundup
gebunden und eine selbständige Vermehrung des daraus gewonnenen
Saatguts durch die Landwirte ohne Zahlung einer vertraglich
festgelegten Summe an Monsanto ausgeschlossen sei. Die Raps-Sorte
wurde genetisch so verändert, dass sie gegen das Mittel resistent
ist, während andere Pflanzen auf einem damit behandelten Feld
absterben. Percy Schmeiser hielt dagegen, dass Landwirte seit jeher
das Recht gehabt hätten, Saatgut auf ihrem eigenen Land selbst zu
vermehren.
Der Rechtsstreit zog sich 10 Jahre. Anfänglich sprachen sich die
Gerichte in verschiedenen Instanzen für den Agro-Konzern Monsanto
aus. Diese Urteile haben weitreichende Konsequenzen, denn
mittlerweile gibt es Genpflanzen überall auf der Welt und nicht nur
auf Versuchsfeldern. Wissenschaftler warnen schon seit langem davor,
dass eine einmal in die Welt gelassene genveränderte Lebensform nicht
mehr zurückgeholt werden könnte. Gemäß der Logik der Gerichtsurteile
würde es bedeuten, dass alle Gen-Pflanzen auf der ganzen Welt, egal
auf welchen Feldern sie wachsen, den Patentinhabern gehören. Es kam
in den Folgejahren zu weiteren Rechtstreitigkeiten, nachdem
Schmeisers Felder erneut kontaminiert wurden, diesmal klagte
Schmeiser Monsanto, es kam aber zu keinem Urteil, sondern zu einem
Vergleich. Monsanto gestand Schmeiser auch zu, öffentlich über den
gesamten Vorgang zu berichten, während bis zu diesem Vergleich
Monsanto die Unterzeichnung von Verschwiegenheitsklauseln verlangte.
Alternativ-Nobelpreis für Schmeiser
Im Oktober 2000 wurde Schmeiser für seinen Einsatz mit dem Mahatma
Gandhi Award geehrt. Am 7. Dezember 2007 erhielten Louise und Percy
Schmeiser den Alternativen Nobelpreis für ihren Mut bei der
Verteidigung der Artenvielfalt und der Rechte der Landwirte und
dafür, dass sie die Perversität der gegenwärtigen Auslegung der
Patent-Gesetzgebung in Bezug auf die Umwelt und die Moral aufzeigen
und anprangern.
Begründung der Jury: "...for their courage in defending
biodiversity and farmers' rights, and challenging the environmental
and moral perversity of current interpretations of patent laws."
GLOBAL 2000 kämpft seit 15 Jahren gegen die Gentechnik in der
Landwirtschaft
1995 startete die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 ihre
Gentechnik-Kampagne. Mit einer großangelegten Informationsoffensive
machten die UmweltschützerInnen die Gentechnik und ihre
Gefahrenquellen zum Thema in Österreich. 15 Jahre später wachsen auf
Österreichs Äckern keine gentechnisch veränderten Pflanzen, in den
heimischen Supermarktregalen finden sich keine
kennzeichnungspflichtigen gentechnisch veränderten Lebensmittel.
"Unsere Ablehnung der Gentechnik in der Landwirtschaft ist richtig
und wichtig und wir freuen uns über solch Tatkräftige Verbündete wie
Percy Schmeiser. Die Auswirkungen von gentechnisch veränderten
Lebensmitteln auf die menschliche Gesundheit sind nach wie vor nicht
geklärt. Der Anbau von Gentech-Pflanzen führt zu einem gewaltigen
Anstieg von Agrargiften und bedroht die Artenvielfalt. Gentechnik
steht für Rationalisierung auf dem Acker, für den Anbau einiger
weniger Pflanzenarten auf immer größeren Flächen und für den Verlust
von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft", kommentiert Werner Müller
von GLOBAL 2000 den Status Quo.
Wien aktiv für gentechnikfreie Landwirtschaft - Lobbying auf EU-Ebene
Wien hat schon vor vielen Jahren die Weichen für eine
gentechnikfreie Landwirtschaft gestellt. "Wien verfolgt mit seinem
strengen Gentechnikvorsorgegesetz und der Plattform "freiwillig ohne
Gentechnik" eine Doppelstrategie, um die heimische Produktion auch
künftig frei von Gentechnik zu halten", erläutert Umweltstadträtin
Ulli Sima.
Das vom Wiener Landtag im September 2005 zur Regelung der
Koexistenz erlassene Gentechnikvorsorgegesetz entspricht EU-Vorgaben
und ist auch mit den Nachbarländern Niederösterreich und dem
Burgendland akkordiert. Neben dieser gesetzlichen Regelung hat Wien
auch mit der Plattform "freiwilig ohne Gentechnik", eine gute Allianz
mit den Wiener Landwirten gebildet. Gemeinsam will man die Produktion
in Wien gentechnikfrei halten. "Die Geschichte von Percy Schmeiser
zeigt einmal mehr, welche drastischen Auswirkungen die Gentechnik in
der Landwirtschaft hat.
Eine Koexistenz zwischen gentechnisch veränderten und nicht
verändertem Saatgut ist nicht möglich, die Auswirkungen auf die
Umwelt fatal und die Wirkungen auf die menschliche Gesundheit nach
wie vor völlig unabsehbar", so Sima. Die Resistenz gegen Antibiotika
durch genveränderte Pflanzen im Bereich der Humanmedizin etwa ist
laut Molekularbiologin Sima ein ernsthaftes Problem: "Wir Konsumenten
haben keinerlei Vorteil von genveränderten Lebensmitteln, tragen aber
das volle Risiko. Für die Landwirte bringt die Gentechnik auch keine
Vorteile, nur Abhängigkeiten. Profiteure der Gentechnik sind einzig
die großen Gen-Multis a la Monsanto", so Sima. Sie setzt sich auch
dafür ein, dass es auf EU-Ebene zu keinen Aufweichungen der
Regelungen kommt. Dort geht die Debatte um die Zulassung gentechnisch
veränderten Saatguts in die nächste Runde: Die Europäische Kommission
will noch vor dem Sommer den versprochenen Vorschlag vorlegen, der es
einzelnen Mitgliedstaaten erlauben soll, "gentechnikfrei" zu bleiben,
auch wenn gentechnisch verändertes Saatgut EU-weit zugelassen wird.
Damit will die Kommission die bisherige Blockade von Zulassungen für
GVO beenden.
rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/pressebilder
Abendveranstaltung
Anmeldung unter www.futurelogics.com - Eintritt frei!
Datum: 8.6.2010, um 19:00 Uhr
Ort: Campus der Universität Wien, Altes AKH, Hörsaal C1 Hof 2
Spitalgasse 2-4, 1090 WienRückfragehinweis:
Mag.a Anita Voraberger
Mediensprecherin
Umweltstadträtin Mag.a Ulli Sima
Tel.: +43 1 4000 81353
Mobil: +43 664 16 58 655
E-Mail: [email protected]
www.natuerlich.wien.at
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