• 07.06.2010, 10:29:12
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Ambulanzen dürfen nicht zum Prellbock der vertragsfreien Zeit mit der SVA werden

NÖ Ärztekammer fordert von der Politik endlich Gesamtkonzept zur nachhaltigen Sicherung der Gesundheitsversorgung

Wien (OTS) - Mit großem Unverständnis reagiert Dr. Christoph
Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer, auf die offenbar
selbstverständliche Empfehlung der SVA der Gewerblichen Wirtschaft,
in der vertragsfreien Zeit einfach statt der niedergelassenen
Ärztinnen und Ärzten die Spitalsambulanzen aufzusuchen. "Offenbar
scheint den Verantwortlichen innerhalb der SVA überhaupt nicht klar
zu sein, wie sich die Aufgaben der Spitäler im Vergleich zu den
niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten darstellen. In einem System,
welches sowohl medizinisch als auch ökonomisch vernünftig arbeiten
soll, muss die Primärversorgung im niedergelassenen Bereich erbracht
werden. Und erst die "schweren" Fälle, für welche diese Versorgung
nicht mehr ausreicht, sollen im vergleichsweise teuren Spital
behandelt werden."

Aufruf der SVA ist kontraproduktiv

"Mit dem sehr freizügigen Aufruf unterstützt die SVA die
allgemeine Tendenz des "Patienten im medizinischen
Selbstbedienungsladen", wonach in Österreich freier Zugang zu allen
medizinischen Dienstleistungen herrscht", so der Vertreter der
angestellten Ärzte Niederösterreichs und Vizepräsident der
Ärztekammer, OA Dr. Ronald Gallob. "Wir Ärztinnen und Ärzte in den
Spitälern leiden ohnehin schon seit langem an überlasteten
Spitalsambulanzen, entstanden durch die freie Zugangsmöglichkeit.
Diese Überlastung bindet Personal, welches an anderen Stellen im
Krankenhaus fehlt. Die Bewerbung der Spitalsambulanzen durch die SVA
verschärft dieses Problem noch: Jeder SVA-Patient, der wegen der
vertragsfreien Zeit zusätzlich in die Spitalsambulanz geht, bindet
dort noch mehr Kapazität, die an anderer Stelle dringend gebraucht
wird. Ich habe daher für diesen Aufruf durch die SVA keinerlei
Verständnis, wo man sich doch selbst gerne als Hüter der Interessen
der Versicherten darstellt."

Unzufriedenheit äußert sich in aufkeimender Personalnot

Für Dr. Gallob ist der Vertragsstreit zwischen SVA und Ärztekammer
schon lange kein Streit mehr, bei dem es um Geld geht: "Offenbar
gehen im niedergelassenen Bereich ähnliche Dinge vor wie im
Spitalsbereich. Die generelle Unzufriedenheit der Ärztinnen und Ärzte
mit den Arbeitsbedingungen ist spürbar. Dies wird in beiden Bereichen
immer häufiger in Form von aufkeimender Personalnot sichtbar." Sicher
ist für ihn jedenfalls, dass die Ambulanzen nicht zum Prellbock der
vertragsfreien Zeit der SVA mit den Ärztinnen und Ärzten werden
dürfen: "Man kann Probleme auf einer Baustelle nicht dadurch
kompensieren, in dem man einfach eine andere problematische Baustelle
mit den eigenen Problemen zusätzlich belastet."

Gesamtkonzept zur nachhaltigen Sicherung gefordert

"Der vertragslose Zustand mit der Sozialversicherung der
Gewerblichen Wirtschaft zeigt uns deutlich, dass die Diskussion rund
um ein Gesamtkonzept zur nachhaltigen Sicherung der
Gesundheitsversorgung dringend notwendig zu führen ist", so Präsident
Dr. Reisner weiter. Die NÖ Ärztekammer sieht die medizinische
Versorgung in Niederösterreich mittelfristig gefährdet, wenn sich die
vorherrschenden Arbeitsbedingungen im öffentlichen Gesundheitssystem
nicht ändern. "Wir müssen vor allem dafür sorgen, dass der ärztliche
Nachwuchs noch länger Interesse an der Ausübung des Berufs hat. Diese
Diskussion geht aus meiner Sicht weit über die reine Diskussion über
die Honorierung des ärztlichen Berufs hinaus", fasst Präsident Dr.
Reisner zusammen.

Rückfragehinweis:
Pressestelle der Ärztekammer für Niederösterreich
Michael Dihlmann
Tel.: 0664/144 98 94
mailto:[email protected]
www.arztnoe.at

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