Heinisch-Hosek in ORF-Pressestunde (1): Frauenpolitik ist Politik der kleinen Schritte

Mit Einkommenstransparenz in Richtung Gleichstellung am Arbeitsmarkt

Wien (OTS/SK) - "Frauenpolitik ist eine Politik der kleinen Schritte. Es braucht einen langen Atem, um etwas zu verändern", erklärte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek am Sonntag in der ORF-Pressestunde. Der kürzlich veröffentliche Frauenbericht zeige, dass sich viele Dinge bereits zum Positiven verändert haben, doch der wunde Punkt sei noch immer der enorme Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen, so Heinisch-Hosek, die betonte: "Mit der Verankerung der Einkommenstransparenz im Gleichbehandlungsgesetz werden Betriebe verpflichtet, die durchschnittlichen Einkommen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anonym zu veröffentlichen. Bei Ungerechtigkeiten können die verpflichtenden Einkommensberichte von den Gerichten als Beweismittel angefordert werden." Die Frauenministerin stellte klar, dass es wichtig sei, in diesem Bereich mit den Sozialpartnern an einem Strang zu ziehen. ****

Der Kritik, die Betriebe würden sich weigern, die Einkommen offenzulegen, da keine Sanktionen drohen, entgegnete Heinisch-Hosek:
"Diejenigen Betriebe, die nicht mitmachen, haben offenbar etwas zu verbergen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es sich ein Betrieb leisten will, nicht mitzumachen." Die Frauenministerin könnte sich vorstellen, eine 'schwarze' Liste mit jenen Betrieben zu veröffentlichen, die sich der Verpflichtung der Einkommensoffenlegung entziehen.

30 Prozent weniger Stundenlohn bei Teilzeit- als bei Vollzeitarbeit

Der Frauenbericht zeige ebenfalls, dass heutzutage zwar mehr Frauen erwerbstätig seien, dennoch arbeite jede zweite Frau Teilzeit. Die Frauenministerin verdeutlichte: "Es geht nicht darum, ob Teilzeit gut oder böse ist, sondern darum, dass Frauen, die teilzeitbeschäftigt sind, nicht in der Teilzeitfalle hängen bleiben und ihnen Jahre für Pensionsansprüche fehlen." Die verpflichtenden Einkommensberichte würden auch einen Beitrag zur Verbesserung der ungerechten Entlohnung für Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigte leisten, so Heinisch-Hosek, die unterstrich: "Es ist irgendetwas faul daran, wenn Frauen in Teilzeitarbeit für die gleiche Tätigkeit 30 Prozent weniger Stundenlohn erhalten, als in Vollzeitarbeit."

Handlungsbedarf bei Kinderbetreuungsplätzen

Heinisch-Hosek machte weiters darauf aufmerksam, dass, obwohl in den letzten drei Jahren schon viel zum Positiven verändert wurde, bei den Kinderbetreuungsplätzen in Österreich auch weiterhin akuter Handlungsbedarf bestehe. Denn ein Kindergarten in Vorarlberg sei 11 Wochen im Jahr, ein Kindergarten in Wien nur zwei Wochen geschlossen. Wohin mit den Kindern, wenn Eltern nur fünf Wochen Urlaub pro Jahr zusteht. "Deshalb müssen mir auch weiterhin Geld in die Kinderbetreuung investieren", bekräftigte die Frauenministerin.

Bei Scheidungen fordert Heinisch-Hosek schnellere gerichtliche Entscheidungen

Auch das Thema Scheidung und Sorgerecht war in der ORF-Pressestunde präsent. Die Frauenministerin forderte in diesem Zusammenhang schnellere Entscheidungen der Gerichte, um das Wohl des Kindes zu wahren und klare Verhältnisse für die Eltern und Kinder zu schaffen. Skeptisch zeigte sich Heinisch-Hosek jedoch bei nicht einvernehmlichen Scheidungen: "In zehn Prozent der Scheidungsfälle streiten sich die Eltern bis aufs Blut. Ob eine automatische Obsorge in diesen Fällen im Sinne des Kindes ist, wage ich zu bezweifeln."

Heinisch-Hosek: Laufe nicht gegen Mauern, sondern durch offene Fenster

"Dort, wo Frauen mitmischen, gibt es bessere Ergebnisse. Daher wird auch in der SPÖ eine verpflichtende 40 Prozent-Quote umgesetzt werden", betonte Heinisch-Hosek und verwies auf den diesbezüglich bevorstehen Beschluss am kommenden Parteitag. "Mit meiner Frauenpolitik laufe ich nicht gegen Mauern, sondern durch offene Fenster. In Österreich muss einmal kräftig durchgelüftet werden. Denn das Potential der Frauen muss endlich genutzt werden", bekräftigte Heinisch-Hosek und unterstrich: "Es ist ein Faktum, dass Österreich 30 Prozent mehr Wirtschaftswachstum haben könnte, wenn Frauen und Männer am Arbeitsmarkt gleichgestellt wären." (Schluss) ab

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