"profil": Schauspieler August Zirner kritisiert den Umgang Österreichs mit der NS-Ära

"Sogar die deutsche Bahn hat sich mehr um Aufklärung bemüht als die Politik in Wien."

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" erzählt der Schauspieler August Zirner von der Enteignung und Flucht seiner Familie aus Wien. Bis 1938 hatte seine Großmutter Ella Zirner neben dem großen Modekaufhaus Zwieback an der Kärntner Straße auch jene Immobilie besessen, in der das Nobelrestaurant "Drei Husaren" untergebracht ist. Ella Zirner wurde im März 1938 von den Nazis enteignet und zur Emigration nach Amerika gezwungen. Der Berliner Otto Horcher, der die "Drei Husaren" in der Wiener Weihburggasse schon knapp zwei Wochen nach dem "Anschluss" Österreichs an Hitler-Deutschland übernommen hatte, galt später als "Gastronom des Dritten Reichs". Horcher suchte in den letzten Kriegsjahren das Weite. Das Kaufhaus wurde als Immobilie 1951 an Ella Zirner restituiert, für die "Drei Husaren" gab es jedoch nie Entschädigung.

Er stelle "keine Restitutionsansprüche", sagt August Zirner, der gegenwärtig an der Wiener Volksoper Mozarts "Die Entführung aus dem Serail" probt. "Mir geht es nur um geschichtliche Korrektheit, um Respekt - um Verantwortung. Ich mag nicht, wenn mit der Geschichte geschludert wird." Es sei "einfach bullshit, immer nur zu sagen, dass man nicht zurückschauen sollte", so Zirner weiter gegenüber profil:
"Und beim Heurigen singt man dann die seligen Lieder der alten Zeit. Ich mag die Oberfläche nicht unbekratzt lassen. Sogar die deutsche Bahn hat sich mehr um Aufklärung bemüht als die Politik hier in Wien."

Auf der Homepage der "Drei Husaren" wird die NS-Geschichte des Lokals mit keinem Wort erwähnt.

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