- 03.06.2010, 13:48:42
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Kardinal Schönborn: "Wir gehen in schwierige Zeiten"
Wiener Erzbischof erinnerte beim "großen Stadtumgang" daran, dass die Kirche ihre Stimme für die Schwächeren erheben muss
Wien (OTS) - Wien, 03.06.10 (PEW) "Wir gehen in schwierige
Zeiten", sagte Kardinal Christoph Schönborn am Fronleichnamstag beim
großen Stadtumgang in seiner Predigt auf dem Wiener Josephsplatz.
Vieles, was heute selbstverständlich ist, wie der Massenwohlstand
oder die Errungenschaften des Sozialstaats, werde möglicherweise in
Zukunft nicht mehr so selbstverständlich sein. In den künftigen
Verteilungskämpfen gehe es vor allem auch um "Gerechtigkeit für die
Schwächeren", die schon jetzt nur das notwendige Minimum haben. Die
Politik müsse hier einen "Weg der gerechten Mitte" finden, sagte der
Wiener Erzbischof. Die Kirche werde jedenfalls ihre Stimme für die
Schwächeren erheben, wobei Kardinal Schönborn insbesondere die
Alleinerziehenden, die kinderreichen Familien, die Ungeborenen und
die Mindestpensionisten nannte. "Wir müssen zusammenstehen", so der
Kardinal. Die "Kreativität der Nächstenliebe" sei eine
Herausforderung für die Christen und für alle Menschen guten Willens.
Es gelte aber auch, die "Anspruchshaltung" zu überdenken und die
"Dienstbereitschaft" in den Vordergrund zu stellen. Schönborn: "Die
Zeiten der Ich-AG sind vorbei".
Angesichts der neuen Krisen müssten die Ressourcen der Gesellschaft
gesammelt werden, betonte der Wiener Erzbischof. Er verwies dabei auf
die Energieressourcen, die durch exzessiven Verbrauch gefährdet
seien, auf die durch die Überschuldung belasteten finanziellen
Ressourcen, aber auch auf die humanen Ressourcen, die "Tugenden des
Alltags" wie Güte, Geduld, Rücksichtnahme, Ehrlichkeit,
Verantwortungsbewusstsein. Eine der wichtigsten Ressourcen für
Sinnfindung und Sinngebung sei auch die Kirche, die derzeit durch die
Kirchenaustritte blute.
Kardinal Schönborn erinnerte daran, dass der Bericht im Evangelium
über die "Speisung der 5.000" ein deutlicher Hinweis auch für heute
sei: Die Jünger hätten das wenige, über das sie verfügten, Jesus in
die Hände gegeben und es habe für alle gereicht. Wo sichtbar wird,
dass Menschen wirklich nach dem Vorbild Jesu leben, "sammeln sich
auch die Leute", betonte der Wiener Erzbischof und verwies auf das
Beispiel von Mutter Teresa. Die Haltung Jesu sei ein Hinweis darauf,
dass die Orientierung an Gott notwendig ist. Diese Haltung könne auch
heute gelingen.
In seiner Kurzpredigt bei der Dreifaltigkeitssäule auf dem Graben
appellierte Kardinal Schönborn eindringlich an alle
Verantwortungsträger, sich dafür einzusetzen, dass das Wort nicht zu
einem "Instrument der Feindschaft, der Trennung und des Hasses" wird.
Mit dem Wort müsse man behutsam umgehen, damit es "Freude bringt und
nicht Verzweiflung oder Zerstörung".
Der Prolog des Johannes-Evangeliums ("Am Anfang war das Wort")
erinnere an das "innerste Geheimnis Gottes", betonte der Wiener
Erzbischof: "Gott ist nicht der Einsame und Ferne, er ist in sich
Gemeinschaft. Deshalb sollen auch die Menschen in Gemeinschaft sein".
Auch am großen Stadtumgang beteiligten sich trotz des kühlen Wetters
mehr Menschen als in den Vorjahren. Eine ähnliche Entwicklung war
heuer bereits bei der Palmweihe und bei den großen Oster- und
Pfingstgottesdiensten zu beobachten. Unter den Teilnehmern des
Stadtumgangs waren auch Repräsentanten des öffentlichen Lebens, so
der Präsident des Verfassungsgerichtshofes, Gerhart Holzinger,
Familien-Staatssekretärin Christine Marek, der frühere Bundeskanzler
Wolfgang Schüssel und der frühere Nationalratspräsident Andreas Khol,
der Wiener VP-Klubobmann Matthias Tschirf, der grüne
Bundesgeschäftsführer Stefan Wallner und der
FP-Nationalratsabgeordnete Andreas Karlsböck. Familienministerin
Gabriele Heinisch-Hosek hatte am Pontifikalamt des Kardinals zum
Fronleichnamsfest im Stephansdom teilgenommen.
An der Spitze der Konzelebranten des Kardinals beim Pontifikalamt
stand der Apostolische Nuntius, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen;
bei der Prozession reihte er sich unter die anderen Priester ein. In
seinen Dankesworten am Schluss der Prozession betonte Kardinal
Schönborn, dass gerade das Fronleichnamsfest ein Anlass sei, zu
zeigen, wie sehr die Kirche in Österreich mit dem Papst "im Gebet, in
Treue und Liebe" verbunden ist. Der "große Stadtumgang" endete mit
dem Gesang des "Te Deums" unter dem Geläut der Pummerin. (ende)
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