Auszeichnung für Biogas-Netzeinspeisung in Bruck an der Leitha

Bruck/Leitha (OTS) - - Infrastrukturministerin Doris Bures zeichnet das Pilotprojekt "Biogas-Netzeinspeisung" als richtungsweisend für die Zukunft aus. Erstmals ist es durch die Zusammenarbeit von BMVIT, Klima- und Energiefonds, Land Niederösterreich, Energiepionieren, Erdgasindustrie, Wissenschaft und Wirtschaft gelungen, alle technischen und wirtschaftlichen Hindernisse für Biogas-Netzeinspeisung zu beseitigen.

- Für Umweltminister Niki Berlakovich ist das Projekt ein Schritt zu mehr Erneuerbarer Energie in Österreich.

- Biogas wird in Bruck an der Leitha auf die hohe Qualität von Erdgas gereinigt und in das Netz der EVN eingespeist. Gleichzeitig arbeitet die Fahrzeugindustrie an attraktiven Erdgasfahrzeugen. Biogas wird damit zu einem erneuerbaren Heizstoff aus dem Erdgasnetz und zu einem Biotreibstoff für umweltfreundliche Erdgasfahrzeuge.

In einem Festakt heute, Mittwoch den 02. Juni, hat DI Michael Paula vom BMVIT die Urkunde von Infrastrukturministerin Doris Bures, deren Ministerium das richtungsweisende Projekt zu einem wesentlichen Teil finanziert hatte, an das Projektkonsortium überreicht. Niki Berlakovich: "Die Biogastechnologie leistet einen Beitrag zum Ausbau der Erneuerbaren Energie, zur Schaffung von green jobs und ist Bestandteil der Energiestrategie für Österreich."

"Biogas ist ein heimischer erneuerbarer Energieträger, der wesentlich höhere Energieerträge pro Hektar Ackerfläche erlaubt als andere nachwachsende Energierohstoffe. Bisher bestand das Problem des Transports von Biogas zum Kunden. Wegen seiner Zusammensetzung konnte es nicht direkt ins Erdgasnetz eingespeist werden. Deshalb wurde in Österreich hergestelltes Biogas fast immer verstromt und als Ökostrom in das Netz eingespeist", so Berlakovich.

Schon 2005 haben sich zwölf Projektpartner zusammengeschlossen, um Biogas fit für das Erdgasnetz zu machen und Fahrzeuge zu entwickeln, die damit CO2-neutral und extrem schadstoffarm fahren. In Bruck an der Leitha wird in einer Pilotanlage mit innovativer, in Österreich entwickelter Membrantechnologie Biogas im Ausmaß von bis zu 800.000 m3/Jahr auf Erdgasqualität gereinigt.

Das aufbereitete Gas wird in das Erdgasnetz der EVN eingespeist und zum Großteil im Ortsnetz von Bruck an der Leitha verbraucht. Im Sommer allerdings ist der Verbrauch so gering, dass ein Teil des aufbereiteten Biogases über das übergeordnete Verteilnetz auch zu anderen Orten geleitet werden muss. Im Projekt wurden die Mess- und regeltechnischen Voraussetzungen geschaffen, um diesen nicht ganz einfachen Vorgang einwandfrei zu beherrschen. Außerdem wurden erstmals die Vertragsgrundlagen geschaffen, um gereinigtes Biogas rechtlich einwandfrei einspeisen zu können. Letztlich wurde die eingespeiste Menge TÜV-zertifiziert, sodass sichergestellt ist, dass Kunden 100% Biogas geliefert bekommen, wenn sie dies wünschen. Weiters kann das auf Erdgasqualität gereinigte Biogas virtuell an Tankstellen als Bio-CNG zur Betankung von Erdgasautos eingesetzt werden, und so einen wesentlichen Beitrag zur CO2 Reduktion im Verkehr leisten.

Die Ergebnisse des mehrjährigen Versuchsbetriebes zeigen, dass die Produktion und die Veredelung von Biogas auf Erdgasqualität technisch machbar und energieeffizient sind. Auch die Kosten wurden so weit reduziert, dass eine wirtschaftliche Umsetzung in greifbarer Nähe ist. Die Wirtschaftlichkeit der Einspeisung von gereinigtem Biogas hängt von einem Anstieg der Energiepreise ab.

Ein wichtiges Kriterium bei der Gewinnung von Biogas ist die Verwendung nachwachsender Rohstoffe, welche in keinem Konkurrenzverhältnis zur Lebensmittelproduktion stehen. Die Anlage in Bruck an der Leitha setzt daher größtenteils auf organische Abfälle, landwirtschaftliche Nebenprodukte und Zwischenfrüchte. In einem Nachfolgeprojekt wird das Potenzial von Zwischenfrüchten, die der Bauer erst nach der Ernte der Nahrungs- oder Futtermittel pflanzt, für die Produktion von Biogas ermittelt. Dazu werden Zwischenfrüchte an drei Standorten in Österreich über drei Jahre hinweg angebaut.

Die Gesamtprojektkosten für das Pilotprojekt in Bruck an der Leitha belaufen sich auf rund 4 Millionen Euro. Projektpartner sind Universität für Bodenkultur, Universität Wien, Technische Universität Wien, Energiepark Bruck an der Leitha, Biogas Bruck an der Leitha, Axiom, EVN, OMV Gas & Power, OMV Aktiengesellschaft, Wien Energie, AVL LIST, Grazer Energieagentur und LuPower. Finanziert wurde das Projekt neben Eigenmitteln der Projektpartner durch das Infrastrukturministerium BMVIT über sein Programm "Energiesysteme der Zukunft" und über den Klima- und Energiefonds KLIEN und die Forschungsförderungsgesellschaft FFG sowie durch Mittel des Landes Niederösterreich und des OMV Future Energy Fund.

Hintergrundinformationen:

Erdgasbetriebene Fahrzeuge

Weltweit gibt es bereits mehr als zehn Millionen Erdgas-Autos, in Österreich mehr als 5.000. Die europäische Verkehrspolitik strebt für 2020 an, mit Erdgas-Autos einen Erdgasanteil von 10 Prozent am gesamten Kraftstoffverbrauch zu erreichen. Allein in Österreich soll die Anzahl der gasbetriebenen Fahrzeuge in den nächsten Jahren auf 50.000 ansteigen. Das Besondere am Erdgas ist dessen saubere Verbrennung. Es verbrennt nahezu rückstandsfrei und verursacht deutlich weniger CO2-Emissionen als andere Brennstoffe. Darüber hinaus reduziert Erdgas auch die klassischen Schadstoffemissionen und verursacht praktisch keinen Feinstaub.

Erd- und Biogas können als Kraftstoff einen bedeutenden Beitrag zur Reduktion der Treibhausgas-, Stickoxid- und Feinstaubemissionen leisten. Sie dienen somit der Luftreinhaltung in Österreich. Ein Anteil von 5% Biogas am Kraftstoffmarkt würde die CO2-Emissionen um 1 Mio. t/Jahr reduzieren. In Österreich gibt es derzeit insgesamt bereits knapp 170 öffentliche Erdgastankstellen, demnächst sollen es ca. 200 sein.

Biogas/Biomethan

Biogas ist ein Gemisch aus den Hauptkomponenten Methan und Kohlendioxid. Es entsteht bei der anaeroben (sauerstofffreien) Vergärung von organischem Material. Der wertgebende Anteil, der energetisch genutzt wird, ist das Methan. Daneben enthält es je nach Ausgangsbedingungen geringe Mengen an Wasserdampf, Schwefelwasserstoff, Ammoniak, Wasserstoff und Spuren von niederen Fettsäuren und Alkoholen. Diese werden ebenso wie das Kohlendioxid bei der Aufbereitung entfernt und es verbleibt weitgehend reines Biomethan (in Erdgasqualität).

Als Ausgangsstoffe für die technische Produktion von Biogas eignen sich:
- gezielt angebaute Energiepflanzen (nachwachsende Rohstoffe)
- vergärbare, organische Reststoffe aus der Lebens- und Futtermittelindustrie oder Speisereste
- Wirtschaftsdünger (Gülle, Mist,...)

Das beschriebene Projekt zielt auf die Nutzung von landwirtschaftlichen Nebenprodukten ab. Eine Verbesserung der Erträge aus Energiepflanzen, die insbesondere als Zwischenfrucht vor und nach der Marktfrucht angebaut werden, ist eines der Ziele im Projekt. Durch geeignete Fruchtfolgen kann der Bauer primär Nahrungsmittel in ungeschmälerter Menge und in der Zwischenzeit zusätzlich Energiepflanzen zur Produktion von Biogas anbauen. Mit dem Jahresertrag an gereinigtem Biogas aus einem Hektar landwirtschaftlicher Fläche kann ein durchschnittlicher PKW mehr als 70.000 km fahren.

PROJEKTPARTNER

Universität für Bodenkultur, Department für Nachhaltige Agrarsysteme Institut für Landtechnik:
Ao.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.agr. Thomas Amon thomas.amon@boku.ac.at

Technische Universität Wien, Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Technische Biowissenschaften:
Ass.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Michael Harasek mharasek@mail.zserv.tuwien.ac.at

Universität Wien, Institut für Physikalische Chemie:
Univ.-Prof. Dr. Peter Rogl, peter.franz.rogl@univie.ac.at

Energiepark Bruck an der Leitha:
Dipl.-Ing. Michael Hannesschläger, m.hannesschlaeger@energiepark.at

Biogas Bruck an der Leitha GmbH :
Dipl.-Ing. Gerhard Danzinger, g.danzinger@energiepark.at

Axiom Angewandte Prozesstechnik GmbH:
Ing. Mag. Johannes Szivacz, j.szivacz@axiom.at

EVN AG:
DI Gerald Rücker, Gerald.Ruecker@evn.at

OMV Gas & Power GmbH:
Mag. Roland Wolk, Roland.Wolk@omv.com

OMV Aktiengesellschaft:
Mag. Roland Wolk, Roland.Wolk@omv.com

Wien Energie GmbH:
Mag. Christian Ammer, christian.ammer@wienenergie.at

AVL LIST GmbH:
Dr. Peter Prenninger, peter.prenninger@avl.com

Grazer Energieagentur GmbH:
DI (FH) Daniel Schinnerl,mailto:schinnerl@grazer-ea.at

LuPower GmbH & Co KG:
Sepp Essl, essl@lupower.at

Die Projektfinanzierung erfolgt aus Eigenmitteln der Projektpartner sowie durch Fördermittel folgender Institutionen und Organisationen: FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft) Basisprogramme; BMVIT - Programm "Energiesysteme der Zukunft"; Klimafonds KLIEN - Programm "Energie der Zukunft", Land Niederösterreich; OMV Future Energy Fund.

Weitere Bilder unter:
http://pressefotos.at/m.php?g=1&u=43&dir=201006&e=20100602_b&a=event

Rückfragen & Kontakt:

DI Michael Hannesschläger
Energiepark Bruck an der Leitha
Fischamender Straße 12, 2460 Bruck/L.
Tel. +43 (2162) 68100-12
m.hannesschlaeger@energiepark.at
www.energiepark.at

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