• 31.05.2010, 20:12:45
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Militär beschädigt Israels Image nachhaltig" (von Wolfgang Sotill)

Ausgabe vom 01.06.2010

Graz (OTS) - Das Massaker - man wird nicht umhinkommen, den
israelischen Militäreinsatz gegen die Schiffe der
pro-palästinensischen Solidaritätsaktion "Free Gaza" als solches zu
bezeichnen - ist ausschließlich Israel anzulasten. Da helfen auch
nicht die Hinweise der Jerusalemer Armeeführung, ihre Soldaten seien
beim Betreten eines der Schiffe selbst angegriffen worden. Angesichts
des Kräfteverhältnisses zwischen Zivilisten und bewaffneten Soldaten
klingt es höchst zynisch, wenn man versucht, mehr als ein Dutzend
Tote auf der gegnerischen Seite mit dem Argument der
Selbstverteidigung zu rechtfertigen.

Aber nicht nur die Massivität des Angriffs auf die Gaza-Flottille ist
zu hinterfragen, auch das Faktum des Einschreitens an sich. Hätte es
nicht genügt, die Ladung der Schiffe auf Waffen zu kontrollieren und
diese weiterfahren zu lassen? Das hat man bislang auch schon
gestattet. So wurde im Vorjahr solch ein Hilfsschiff mit Ärzten,
Nobelpreisträgern und der Schwägerin des ehemaligen britischen
Premiers Tony Blair an Bord nach Gaza durchgelassen. Daran erinnert
sich heute kaum mehr jemand. Die Hilfe durch Medikamente ist damals
angekommen, der propagandistische Sieg blieb den Helfern versagt.
Solch eine Generosität kann sich freilich nur leisten, wer vorher
nicht ungeheure Bedrohungsszenarien aufbaut, in denen jeder
Hilfskonvoi zur Kernfrage des eigenen Überlebenskampfes
hochstilisiert wird, wie dies manchmal in Israel der Fall ist.

Der tragische Ausgang der gestrigen Aktion verdeckt freilich andere
Aspekte. Etwa jenen, dass der Schiffskonvoi nicht ausschließlich
humanitäre, sondern sehr wohl auch - einseitig - politische Absichten
hatte. So wird von den "Free Gaza"-Aktivisten etwa Israel allein für
die Gaza-Blockade verantwortlich gemacht. Dabei hat auch Ägypten
seine Grenzen hermetisch abgeriegelt. Ein klares politisches
Bekenntnis ist auch, dass man den ehemaligen Erzbischof Hilarion
Capucci von Jerusalem mit an Bord eines der Schiffe genommen hat. Der
Israel-Hasser wurde schon wegen Waffenschmuggels zu einer
zwölfjährigen Haftstrafe in Israel verurteilt und ist nur auf Drängen
des Vatikans vorzeitig freigelassen worden.

Die unprofessionell agierende Armee Israels hat dem Staat jedenfalls
einen enormen Schaden zugefügt, indem sie das Land weiter in die
Isolation getrieben hat. Und der Hamas wurde ein Mythos geschaffen,
den diese nutzen wird, junge Männer zu motivieren, in den Kampf zu
ziehen. Mit einem Wort: Alles wie gehabt, nur ein Dutzend Tote
mehr.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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