"Kleine Zeitung" Kommentar: "Militär beschädigt Israels Image nachhaltig" (von Wolfgang Sotill)

Ausgabe vom 01.06.2010

Graz (OTS) - Das Massaker - man wird nicht umhinkommen, den israelischen Militäreinsatz gegen die Schiffe der pro-palästinensischen Solidaritätsaktion "Free Gaza" als solches zu bezeichnen - ist ausschließlich Israel anzulasten. Da helfen auch nicht die Hinweise der Jerusalemer Armeeführung, ihre Soldaten seien beim Betreten eines der Schiffe selbst angegriffen worden. Angesichts des Kräfteverhältnisses zwischen Zivilisten und bewaffneten Soldaten klingt es höchst zynisch, wenn man versucht, mehr als ein Dutzend Tote auf der gegnerischen Seite mit dem Argument der Selbstverteidigung zu rechtfertigen.

Aber nicht nur die Massivität des Angriffs auf die Gaza-Flottille ist zu hinterfragen, auch das Faktum des Einschreitens an sich. Hätte es nicht genügt, die Ladung der Schiffe auf Waffen zu kontrollieren und diese weiterfahren zu lassen? Das hat man bislang auch schon gestattet. So wurde im Vorjahr solch ein Hilfsschiff mit Ärzten, Nobelpreisträgern und der Schwägerin des ehemaligen britischen Premiers Tony Blair an Bord nach Gaza durchgelassen. Daran erinnert sich heute kaum mehr jemand. Die Hilfe durch Medikamente ist damals angekommen, der propagandistische Sieg blieb den Helfern versagt. Solch eine Generosität kann sich freilich nur leisten, wer vorher nicht ungeheure Bedrohungsszenarien aufbaut, in denen jeder Hilfskonvoi zur Kernfrage des eigenen Überlebenskampfes hochstilisiert wird, wie dies manchmal in Israel der Fall ist.

Der tragische Ausgang der gestrigen Aktion verdeckt freilich andere Aspekte. Etwa jenen, dass der Schiffskonvoi nicht ausschließlich humanitäre, sondern sehr wohl auch - einseitig - politische Absichten hatte. So wird von den "Free Gaza"-Aktivisten etwa Israel allein für die Gaza-Blockade verantwortlich gemacht. Dabei hat auch Ägypten seine Grenzen hermetisch abgeriegelt. Ein klares politisches Bekenntnis ist auch, dass man den ehemaligen Erzbischof Hilarion Capucci von Jerusalem mit an Bord eines der Schiffe genommen hat. Der Israel-Hasser wurde schon wegen Waffenschmuggels zu einer zwölfjährigen Haftstrafe in Israel verurteilt und ist nur auf Drängen des Vatikans vorzeitig freigelassen worden.

Die unprofessionell agierende Armee Israels hat dem Staat jedenfalls einen enormen Schaden zugefügt, indem sie das Land weiter in die Isolation getrieben hat. Und der Hamas wurde ein Mythos geschaffen, den diese nutzen wird, junge Männer zu motivieren, in den Kampf zu ziehen. Mit einem Wort: Alles wie gehabt, nur ein Dutzend Tote mehr.****

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