WirtschaftsBlatt-Leitarikel: Alles nur eine Frage des richtigen Timings - von Michaela Lexa

Jetzt wird nach dem Motto agiert: Besser zu früh als zu spät

Wien (OTS) - Es sei unangemessen, die von den Rating-Agenturen vorgenommenen Einstufungen "allzu sehr zu glauben". Das sagt kein Geringerer als Dominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds. Allein, vergangenen Freitag wurde einer Einstufung, oder besser gesagt einer Abstufung, allzu sehr geglaubt. Nämlich jener der Ratingagentur Fitch, die die Kreditwürdigkeit Spaniens um eine Note von "AAA" auf "AA+" senkte - und damit natürlich die Finanzierung der Spanier über den Finanzmarkt verteuert. Jedenfalls schenkten die US-Börsen Fitch Gehör und gaben zu Wochenschluss kräftig ab, auch der Euro verlor gegenüber dem US-Dollar weiter. Prompt folgte Kritik, etwa vom deutschen Ökonom Michael Burda: Die Herabstufung würde die Krise nur verschärfen und das erschweren, was Spanien tun müsse.

Fazit: Egal, was die Rating-Agenturen machen, sie machen es verkehrt. Allerdings hält sich unser Mitleid in Grenzen, haben sie doch ebenfalls ihr Scherflein zur Finanzkrise beigetragen.

Erinnern wir uns zurück. Für äußerst komplexe und auch hochriskante Finanzprodukte - Stichwort Asset Backed Securities und Collateralized Debt Obligations - wurden Bestnoten vergeben. Zudem haben die Rating-Agenturen mit der Bewertung dieser strukturierten Produkte auch prächtig verdient. Zu spät, so die Kritik, sei dann reagiert worden. Die Bewertungen hätten schon viel früher nach unten revidiert werden müssen. Dass hier gewaltige Fehler passiert sind, die die Spirale nach unten noch beschleunigt haben, wurde mittlerweile auch zum Teil zugegeben. Bei der Bewertung dieser "jungen Produkte" habe einerseits die Daten-Historie gefehlt, andererseits auch fähige Analytiker. Gut und schön, für Anleger, die an die vergebenen Bestnoten geglaubt haben und jetzt schmerzlich spürbar - vor allem in der Brieftasche - eines Besseren belehrt wurden, auch kein Trost.

Doch offensichtlich wollen sich die Rating-Agenturen den Vorwurf des zu späten Handelns nicht mehr gefallen lassen und setzen ihre Werkzeuge nun nach dem Motto "Besser zu früh als zu spät" ein. Aber damit schüren sie möglicherweise eine Panik, die so nicht angebracht ist. Denn oben erwähnter Strauss-Kahn sieht Spanien in der Finanzkrise auf dem richtigen Weg, die Konsolidierungsmaßnahmen seien stark. Doch offensichtlich glauben wiederum die Rating-Agenturen Strauss-Kahn nicht allzu sehr. Übrig bleibt wieder einmal der Anleger, der die Börse-Reaktionen in Kauf nehmen muss. Aber immerhin sind diese mittlerweile Kummer gewöhnt.

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