• 31.05.2010, 18:30:12
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WirtschaftsBlatt-Leitarikel: Alles nur eine Frage des richtigen Timings - von Michaela Lexa

Jetzt wird nach dem Motto agiert: Besser zu früh als zu spät

Wien (OTS) - Es sei unangemessen, die von den Rating-Agenturen
vorgenommenen Einstufungen "allzu sehr zu glauben". Das sagt kein
Geringerer als Dominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen
Währungsfonds. Allein, vergangenen Freitag wurde einer Einstufung,
oder besser gesagt einer Abstufung, allzu sehr geglaubt. Nämlich
jener der Ratingagentur Fitch, die die Kreditwürdigkeit Spaniens um
eine Note von "AAA" auf "AA+" senkte - und damit natürlich die
Finanzierung der Spanier über den Finanzmarkt verteuert. Jedenfalls
schenkten die US-Börsen Fitch Gehör und gaben zu Wochenschluss
kräftig ab, auch der Euro verlor gegenüber dem US-Dollar weiter.
Prompt folgte Kritik, etwa vom deutschen Ökonom Michael Burda: Die
Herabstufung würde die Krise nur verschärfen und das erschweren, was
Spanien tun müsse.

Fazit: Egal, was die Rating-Agenturen machen, sie machen es verkehrt.
Allerdings hält sich unser Mitleid in Grenzen, haben sie doch
ebenfalls ihr Scherflein zur Finanzkrise beigetragen.

Erinnern wir uns zurück. Für äußerst komplexe und auch hochriskante
Finanzprodukte - Stichwort Asset Backed Securities und Collateralized
Debt Obligations - wurden Bestnoten vergeben. Zudem haben die
Rating-Agenturen mit der Bewertung dieser strukturierten Produkte
auch prächtig verdient. Zu spät, so die Kritik, sei dann reagiert
worden. Die Bewertungen hätten schon viel früher nach unten revidiert
werden müssen. Dass hier gewaltige Fehler passiert sind, die die
Spirale nach unten noch beschleunigt haben, wurde mittlerweile auch
zum Teil zugegeben. Bei der Bewertung dieser "jungen Produkte" habe
einerseits die Daten-Historie gefehlt, andererseits auch fähige
Analytiker. Gut und schön, für Anleger, die an die vergebenen
Bestnoten geglaubt haben und jetzt schmerzlich spürbar - vor allem in
der Brieftasche - eines Besseren belehrt wurden, auch kein Trost.

Doch offensichtlich wollen sich die Rating-Agenturen den Vorwurf des
zu späten Handelns nicht mehr gefallen lassen und setzen ihre
Werkzeuge nun nach dem Motto "Besser zu früh als zu spät" ein. Aber
damit schüren sie möglicherweise eine Panik, die so nicht angebracht
ist. Denn oben erwähnter Strauss-Kahn sieht Spanien in der
Finanzkrise auf dem richtigen Weg, die Konsolidierungsmaßnahmen seien
stark. Doch offensichtlich glauben wiederum die Rating-Agenturen
Strauss-Kahn nicht allzu sehr. Übrig bleibt wieder einmal der
Anleger, der die Börse-Reaktionen in Kauf nehmen muss. Aber immerhin
sind diese mittlerweile Kummer gewöhnt.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:redaktion@wirtschaftsblatt.at

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