- 27.05.2010, 13:35:49
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Gymnasium für alle: ÖVP-Bildungssprecher lobt Vorschlag von Ministerin Karl
AHS-Lehrergewerkschaft stemmt sich weiterhin gegen Gesamt- und Ganztagsschule
Wien (OTS) - Der aktuelle Vorschlag von Wissenschaftsministerin
Beatrix Karl - sie wünscht sich "ein Gymnasium für alle" - wird jetzt
auch von ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon gelobt: "Es ist zunächst
positiv zu bewerten, dass Karl diesen Vorschlag gemacht hat." Und
weiters: "Im Augenblick ist er umstritten, weil er außerhalb der
Beschlüsse ist", so der stellvertretende Klubobmann Mittwochabend in
der ATV-Diskussionssendung "Am Punkt". Zuletzt musste Karl für ihr
alleiniges Vorpreschen auch einen Rüffel von Bundesparteichef Josef
Pröll einstecken.
Widerstand gegen eine Gesamtschule kommt nach wie vor von Eva
Scholik, Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft: "20 Prozent der
Kinder können nach der Pflichtschule nicht lesen, schreiben und
rechnen. Wenn sie das in der Volksschule - was eine Gesamtschule ist
- nicht lernen, brauchen wir auch keine Gesamtschule für 10 bis
14-Jährige." An der Bildungsmisere seien nicht die Lehrer Schuld,
sondern die Arbeitsbedingungen, meint Scholik.
SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas wunderte sich über die
Macht der Lehrer: "Es kann nicht sein, dass nur die Lehrer in diesem
Land die Schulpolitik entscheiden." Kritik gibt es auch für die
enormen Kosten: "Wir haben eines der teuersten Schulsysteme, weil es
zwei unterschiedliche Systeme mit unterschiedlicher Bezahlung gibt.
Das Geld im Bildungsbereich ist falsch eingesetzt."
Bildungsexperte Andreas Salcher bedauerte: "Obwohl wir wissen, wie
es geht, machen wir es nicht." Der Schüleranwalt fordert nicht nur
eine Gesamtschule, sondern auch eine Ganztagsschule: "Jede
Verbesserung des Schulsystems kann nur passieren, wenn die Lehrer von
8 Uhr bis 16 Uhr an der Schule ihre Aufgaben erledigen." Für
Lehrergewerkschafterin Scholik ist das unmöglich: "In unseren
Schulgebäuden kann man keine Kinder von 8 bis 16 Uhr einsperren." Es
fehle an Freizeiträumen, Bibliotheken, Sportstätten und
Arbeitsplätzen für die Lehrer. "Hier müssen wir zuerst die
Infrastruktur ändern, dann können wir über die Anwesenheit reden."
Das Voting-Ergebnis unter den Zuschauern ist eindeutig gegen eine
Gesamtschule für ganz Österreich: 64% wollen sie nicht, 36% stimmten
dafür.
Rückfragehinweis:
ATV Redaktion "Am Punkt": Tel.:01/213 64 115
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