Gymnasium für alle: ÖVP-Bildungssprecher lobt Vorschlag von Ministerin Karl

AHS-Lehrergewerkschaft stemmt sich weiterhin gegen Gesamt- und Ganztagsschule

Wien (OTS) - Der aktuelle Vorschlag von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl - sie wünscht sich "ein Gymnasium für alle" - wird jetzt auch von ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon gelobt: "Es ist zunächst positiv zu bewerten, dass Karl diesen Vorschlag gemacht hat." Und weiters: "Im Augenblick ist er umstritten, weil er außerhalb der Beschlüsse ist", so der stellvertretende Klubobmann Mittwochabend in der ATV-Diskussionssendung "Am Punkt". Zuletzt musste Karl für ihr alleiniges Vorpreschen auch einen Rüffel von Bundesparteichef Josef Pröll einstecken.

Widerstand gegen eine Gesamtschule kommt nach wie vor von Eva Scholik, Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft: "20 Prozent der Kinder können nach der Pflichtschule nicht lesen, schreiben und rechnen. Wenn sie das in der Volksschule - was eine Gesamtschule ist - nicht lernen, brauchen wir auch keine Gesamtschule für 10 bis 14-Jährige." An der Bildungsmisere seien nicht die Lehrer Schuld, sondern die Arbeitsbedingungen, meint Scholik.

SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas wunderte sich über die Macht der Lehrer: "Es kann nicht sein, dass nur die Lehrer in diesem Land die Schulpolitik entscheiden." Kritik gibt es auch für die enormen Kosten: "Wir haben eines der teuersten Schulsysteme, weil es zwei unterschiedliche Systeme mit unterschiedlicher Bezahlung gibt. Das Geld im Bildungsbereich ist falsch eingesetzt."

Bildungsexperte Andreas Salcher bedauerte: "Obwohl wir wissen, wie es geht, machen wir es nicht." Der Schüleranwalt fordert nicht nur eine Gesamtschule, sondern auch eine Ganztagsschule: "Jede Verbesserung des Schulsystems kann nur passieren, wenn die Lehrer von 8 Uhr bis 16 Uhr an der Schule ihre Aufgaben erledigen." Für Lehrergewerkschafterin Scholik ist das unmöglich: "In unseren Schulgebäuden kann man keine Kinder von 8 bis 16 Uhr einsperren." Es fehle an Freizeiträumen, Bibliotheken, Sportstätten und Arbeitsplätzen für die Lehrer. "Hier müssen wir zuerst die Infrastruktur ändern, dann können wir über die Anwesenheit reden."

Das Voting-Ergebnis unter den Zuschauern ist eindeutig gegen eine Gesamtschule für ganz Österreich: 64% wollen sie nicht, 36% stimmten dafür.

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