- 25.05.2010, 13:25:29
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Österreicher wollen mehr Informationen über HIV/AIDS
Studie zeigt großes Wissensdefizit - Bildungsniveau entscheidend
Wien (OTS) - Eine erstmals in Österreich in sämtlichen
Altersgruppen durchgeführte Studie (GfK) über die Wahrnehmung von
HIV/AIDS zeichnet ein ernüchterndes Bild, was Herr und Frau
Österreicher über diese Viruserkrankung denken und wie mit der
Problematik umgegangen wird. Zusätzlich gehen viele beim Schutz gegen
sexuell übertragbare Infektionen sehr fahrlässig um - nur rund 50%
der Befragten schützen sich. Im Erhebungszeitrum (26. April bis 12.
Mai 2010) wurden österreichweit 1.000 Personen rund um das Thema
HIV/AIDS befragt und eines wird nachwievor sehr deutlich: Mit
abnehmendem Bildungsniveau sinkt auch das Wissen über die Thematik.
Sehr deutlich wird die Unwissenheit auch bei Zustimmungen zu
Aussagen wie "Menschen, die normal leben, bekommen kein HIV/AIDS"
oder "AIDS ist eine Krankheit, mit der sich nur Homosexuelle und
Drogensüchtige anstecken". Auf der anderen Seite besteht aber bei
mehr als der Hälfte der Befragten durchaus das Bedürfnis, mehr über
den Virus und die Krankheit zu erfahren. Über ein Drittel gibt sogar
an, dass sie das "Thema HIV/AIDS sehr interessiert". Und hier sind es
wieder Menschen mit hohem Bildungsniveau, die sich deutlich abheben.
Bildung macht den Unterschied
"Das Wissen und das Bewusstsein für HIV/AIDS sind sehr
bildungsabhängig", weiß Dr. Christine Buchebner von GfK Austria. "Die
Ergebnisse der aktuellen Befragung zeigen: Obwohl 98% der
österreichischen Bevölkerung ab 15 Jahren die Begriffe HIV und AIDS
bereits mindestens einmal gehört haben, fühlt sich ein Viertel eher
schlecht bis sehr schlecht informiert. Erst mit steigender
Schulbildung steigt auch deutlich das subjektive Gefühl, gut
informiert zu sein."
6 von 10 Österreicher sind der Ansicht, dass noch immer - oder
wieder - viel zu wenig über HIV/AIDS gesprochen wird, wobei hier
deutlich wird, dass jene Menschen, die sich gut über das Thema
informiert fühlen, noch deutlicher Aufklärung/Information fordern,
als jene, die sich weniger gut informiert fühlen.
Wegschauen und Verdrängen: Vogel Strauß regiert weiter
Irrglauben wie "Menschen, die normal leben, bekommen kein HIV/AIDS"
halten sich weiterhin beharrlich bei rund 40% der Österreicher.
Deutlich bessere Ergebnisse zeigen sich hier in den Gruppen mit hohem
Bildungsniveau, wo das nur mehr 28% glauben oder bei den Schülern
(Studie 2007, 25%).
"Erschreckend ist auch der Umstand, dass noch immer mehr als ein
Viertel der Befragten denkt, AIDS sei eine Krankheit, mit der sich
nur Homosexuelle und Drogensüchtige anstecken können", so Dr.
Buchebner. "Auch hier findet sich ein eindeutiger Hinweis, dass
Aufklärungskampagnen in Schulen Früchte tragen, denn je länger die
Schullaufbahn, desto geringer ist der Anteil derer, die solchen
Vorurteilen Glauben schenken."
Illusion Safe Sex
Problematisch ist nach wie vor, was Herr und Frau Österreicher
aktiv unternehmen, um sich vor HIV zu schützen: Jeder Zweite gibt an,
sich zu schützen, aber nur die Hälfte davon verwendet dazu ein
Kondom. Noch immer gilt bei vielen Menschen die Ehe bzw. Treue in
einer festen Beziehung als "sicherer" Schutz vor einer HIV Infektion.
HIV-Neuinfektionen in Österreich (Quelle: Österreichischer
HIV-Kohortenstudie 2010, Lancet 2008; 372: 293-99; Pszniak
A:THPL0101)
"Die Zahl der jährlich neu diagnostizierten HIV-Infektionen in
Österreich stieg in den letzten zehn Jahren von 313 auf
durchschnittlich 500 pro Jahr an", berichtet OA Dr. Brigitte Schmied,
Präsidentin der Österreichischen AIDS Gesellschaft. Seit 1992 liegt
beim positiven HIV-Test das mediane Alter zwischen 30 und 36 Jahren.
Der prozentuelle Anteil an Frauen liegt dabei bei 30,7%, mit
Höchstraten von 38,2% in Oberösterreich und Vorarlberg. Betrachtet
man nur jene Gruppe die durch heterosexuelles Risikoverhalten die
HIV-Infektion akquiriert hat, so sind Frauen zu 54,4% betroffen.
Seit dem Jahr 2000 haben sich insgesamt 45,1 % auf heterosexuellem
Weg mit dem HI-Virus infiziert. Die Infektion erfolgte bei 43,3% über
heterosexuelle, bei 35,3% über homosexuelle Kontakte (MSM) und bei
15,8% über Drogenkonsum (IDU).
Das durchschnittliche Alter der PatientInnen beträgt 43,7 Jahre und
weicht in den verschiedenen Bundesländern nur geringfügig voneinander
ab. 7,6 % der Betroffenen sind älter als 60 Jahre, 23,3% älter als 50
Jahre. Der Großteil der in Österreich in Behandlung stehenden
Betroffenen, nämlich 77,7%, sind Österreicher. 10,2% stammen aus
Hochprävalenz-Ländern und 10,4% aus Ländern mit niedriger
HIV-Prävalenz ("Prävalenz": Krankheitshäufigkeit).
Lebenserwartung von HIV-Infizierten
Die Mortalität ist seit der Einführung der Kombinationstherapie
drastisch rückläufig. Im Jahr 1995 betrug die Todesrate für
AIDS-Patienten 25,5 pro 100 Personenjahre. Derzeit liegt die
Todesrate unter 10 pro 100 Personenjahre für Männer und unter 5 für
Frauen.
Heutzutage darf ein HIV-infizierter 20-jähriger Mensch mit einer
Lebenserwartung von zusätzlichen 49,4 Jahren, ein im Alter von 35
Jahren HIV-infizierter mit einer Lebenserwartung von zusätzlichen
37,3 Jahren rechnen.
Mutter-Kind-Übertragung
Durch die antiretrovirale Kombinationstherapie konnte auch das
Risiko der Mutter-zu-Kind-Übertragung effizient reduziert werden. In
Kombination mit einer Kaiserschnittentbindung und Stillverzicht,
liegt das Infektionsrisiko für das Kind bei unter 1%.
Kombinationstherapie: Risiko und Erfolg
Die komplette Suppression der Virusreplikation ist das Ziel einer
antiretroviralen Kombinationstherapie. Dies ist bei spezifischer
sowie engagierter Betreuung in 80-90% der PatientInnen zu erreichen.
Mit einer so effektiv wirksamen antiretroviralen
Kombinationstherapie, wird auch die Infektiosität der HIV-positiven
Menschen auf ein Mindestmaß reduziert, d.h. das Risiko, die
HIV-Infektion weiterzugeben, entspricht dem Risiko "des täglichen
Lebens".
"Diesen absolut positiven Erfolgen stehen aber nach wie vor große
Herausforderungen gegenüber", so Dr. Schmied. "Das Risiko weitere
chronische Erkrankungen zu akquirieren, erhöht sich maßgeblich auch
aufgrund der Tatsache, dass die PatientInnen immer älter werden und
damit auch die Wahrscheinlichkeit ansteigt, zusätzlich eine
Blutzucker- oder kardiovaskuläre Erkrankung zu bekommen. Die
HIV-Infektion per se und auch die antiretroviralen Medikamente
scheinen dieses Risiko zu verstärken." Osteoporose, Depressionen,
Blutfetterhöhungen sind weitere Beispiele für Komorbiditäten.
Todesursachen bei AIDS
Daraus ergeben sich auch die aktuellen Todesursachen. In 11% der
Fälle sind kardiovaskuläre Erkrankungen, in 12% maligne Erkrankungen
und in 14% Lebererkrankungen die Ursache. In 32% stellt AIDS die
Ursache dar. Grund dafür ist vorwiegend die Tatsache, dass 25-30% der
Patienten erst zum Zeitpunkt des weit fortgeschrittenen
Immunmangelsyndroms, mit Auftreten der ersten AIDS definierenden
Erkrankung, als HIV-positiv diagnostiziert werden.
Diagnose AIDS
Eine späte Diagnose wird so definiert, dass AIDS weniger als 3
Monate nach der HIV-Diagnose ausbricht. Ein höheres Risiko für eine
späte Diagnose haben Ältere, Männer, Patienten und -innen, die sich
auf heterosexuellem Weg infiziert haben, sowie Personen, die aus
Endemieländern stammen.
Dr. Schmied: "Generell kann angemerkt werden, dass die häufige
späte Diagnose ein europäisches/weltweites Problem darstellt und
Strategien für eine effizientere Testung entwickelt werden müssen."
Die unkomplizierte Durchführung und Möglichkeit zur Testung sind
dabei ein essentieller Faktor (Schnelltest). Beratung und Information
dürfen allerdings nicht außer Acht gelassen werden. Das Gespräch mit
den PatientInnen ist auch im Hinblick auf die Evaluierung eines
möglichen Risikoverhaltens wichtig und Voraussetzung, um den Menschen
anzuraten, einen HIV-Test zu machen. Die Angst vor Diskriminierung
und Stigmatisierung sind gewichtige Gründe für eine gewisse "Scheu"
einen Test machen zu lassen.
Treatment is Prevention
Dabei gilt allerdings heute: Treatment is Prevention - eine
HIV-Infektion muss heutzutage nicht mehr zwingend zum Ausbruch von
AIDS führen. Aufgrund der guten Behandlungsmöglichkeiten bei uns
haben Infizierte eine nahezu 'normale/durchschnittliche'
Lebenserwartung. Deshalb ist es notwendig zum Test zu gehen, um
frühzeitig eine HIV-Infektion zu erkennen und zu behandeln (weitere
Informationen: www.aidsgesellschaft.org).
Medien, Eltern und das Schulsystem sind gefragt
"Junge Menschen sind der Schlüssel im Kampf gegen die Epidemie. In
Österreich infizieren sich heute noch bis zu zwei Menschen täglich.
Jede dieser Infektionen könnte verhindert werden. Prävention ist
sowohl kostengünstig als auch machbar! Ich appelliere nicht nur an
die Medien, die Information und Aufklärung über HIV auch abseits des
Life Ball zu thematisieren, sondern auch an die Eltern und an das
österreichische Schulsystem: Werden Sie aktiv, reden Sie mit Kindern
über die Ansteckungsgefahr durch AIDS - zeitgerecht!", sagt Gery
Keszler, Obmann AIDS LIFE und Life Ball-Organisator. Seit 1993 kämpft
Keszler und sein Team unermüdlich um Aufmerksamkeit für das Thema
HIV/AIDS, um Solidarität mit den Betroffenen, offenen Zugang zur
Sexualität und Gleichstellung aller Formen des Zusammenlebens - nicht
nur an einem einzigen Tag, sondern im täglichen Leben. Der Life Ball
am 17. Juli bildet den Auftakt zur Internationalen Aids-Konferenz,
die am nächsten Tag in Wien beginnt. In 2009 konnte der Life Ball
einen Reinerlös von 1,640.181,66 Euro erwirtschaften, der nationalen
wie internationalen HIV/AIDS Projekten zu Gute kommt.
Detaillierte Informationen zur Geldvergabe: www.lifeball.org
T-Mobile will Menschen informieren
Die Studienergebnisse haben eines sehr deutlich gezeigt: "Viele
Menschen in Österreich wissen nachwievor viel zu wenig über HIV und
AIDS. Hier sieht T-Mobile eine große Chance, mit den eigenen
Produkten und Dienstleistungen im Bereich der mobilen Kommunikation
Menschen aufzuklären und auch zu mobilisieren", ist Mag. Maria Zesch,
Geschäftsführerin Marketing von T-Mobile Austria, überzeugt. T-Mobile
tritt heuer nicht nur erstmals als Partner des Life Ball auf, sondern
engagiert sich auch zusätzlich zum Event rund um das Thema HIV/AIDS.
Ein zentrales Element ist dabei Philippes Projekt "Jeder Schritt
zählt", das Menschen an die Gefahren des Virus und der Krankheit
erinnern aber auch Perspektiven aufzeigen soll.
Die Entstehungsgeschichte des Projekts: Gemeinsam mit T-Mobile hat
sich der 20-jährige Philippe Gedanken gemacht, wie man sein Anliegen
am besten kommunizieren kann. Herausgekommen ist dabei "Jeder Schritt
zählt" - eine Tour zu Fuß quer durch Österreich - von Bregenz bis
nach Wien. Das von 30. Mai bis 4. Juli laufende Projekt ist Philippes
HIV-Awareness-Kampagne mit Unterstützung von T-Mobile. "Die
Bevölkerung Österreichs soll auf diesem Weg daran erinnert werden,
dass HIV und AIDS noch immer ein ernstes Thema sind. Neben dem
Aufklärungsgedanken werden parallel auch Spenden für AIDS LIFE
gesammelt, um HIV-Betroffenen in Not schnell und unbürokratisch zu
helfen", so Zesch.
Fotos unter
http://pressefotos.at/m.php?g=1&dir=201005&u=84&a=event&e=20100525_a
Rückfragehinweis:
Life Ball Press & PR
Doris Pommerening
E-mail: [email protected]
Tel.: +43 664 - 266 07 12
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