- 25.05.2010, 12:18:35
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Gemeinsame Schule: Österreich ist EU-Schlusslicht
Frais: "Dringender Nachholbedarf, um Bildungschancen der Kinder zu verbessern!"
Linz (OTS) - Schon im Alter von zehn Jahren endet in Österreich
und Deutschland der gemeinsame Unterricht für alle Kinder. "Das ist
ein Kardinalfehler unseres Bildungssystems", bringt es SP-Klubobmann
Dr. Karl Frais auf den Punkt. "Viele Kinder, deren Fähigkeiten im
Alter von 10 Jahren noch nicht ausreichend entwickelt sind, werden
durch diesen Zwang zur frühen Entscheidung benachteiligt."
Vergleichsweise dauert der gemeinsame Unterricht etwa in Ländern wie
Schweden, Finnland, Großbritannien oder Spanien bis ins Alter von 16
Jahren.
Sämtliche namhaften Bildungsexperten, angefangen bei der OECD,
sprechen sich klar gegen eine zu frühe Selektion im Bildungssystem
aus, weil gerade im Alter von 12 und 13 noch sehr viele Kinder große
Entwicklungssprünge machen. Muss jedoch die Entscheidung über den
Bildungsweg bereits im Alter von 10 oder 11 gefällt werden, bleiben
viele dieser Talente unberücksichtigt. "Wenn man sich erst einmal für
einen Weg im Bildungssystem entschieden hat, dann fällt es schwer
diese Entscheidung im Nachhinein zu korrigieren. Die gemeinsame
Schule ist deshalb eine wesentliche Hilfe für Kinder und Eltern, weil
mehr Zeit zur Entwicklung der Fähigkeiten bleibt, bevor eine
Entscheidung zu treffen ist", argumentiert Frais.
Ähnlich früh wie in Österreich teilen sich für Kinder in Ungarn, in
der Slowakei und in Tschechien die Ausbildungswege schon mit 11
Jahren. In den Niederlanden und in Belgien gibt es die gemeinsame
Schule bis 12 Jahre, in Luxemburg bis 13 Jahre. Italien, Litauen,
Malta und Bulgarien haben gemeinsamen Unterricht bis 14. In
Frankreich, Portugal, Irland, Rumänien und Griechenland werden die
Kinder bis 15 Jahre gemeinsam unterrichtet. Estland, Lettland und
Polen haben ebenso wie Schweden, Finnland, Großbritannien und Spanien
eine gemeinsame Schule bis zum Alter von 16 Jahren.
"Der Europa-Vergleich zeigt eindrucksvoll, wie groß der Nachholbedarf
in Österreich ist, wenn es um die gemeinsame Schule geht. Es ist
daher dringend notwendig, die ideologische Versteinerung zu beenden
und dieses sachlich dringend erforderliche Projekt, mit dem Ziel
bestmögliche Schulen für unsere Kinder zu errichten, endlich offensiv
anzugehen", richtet der SP-Klubchef einen Appell an die
Bundesregierung. "Der Zeitpunkt für einen gemeinsamen, modernen Weg
ist günstig, da sich zuletzt auch die konstruktiven Kräfte in
Wirtschaftskammer und Industrieellenvereinigung formiert und den
Druck auf die Reformverweigerer erhöht haben".
Rückfragehinweis:
SPÖ-Landtagsklub
Mag. Andreas Ortner
Tel.: 0732/7720-11313
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