• 25.05.2010, 10:52:34
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Die Ärzteausbildung verbessern, aber mit den richtigen Mitteln

Die geforderte Abschaffung des Turnus ist aus Sicht der NÖ Ärztekammer kein guter Weg

Wien (OTS) - Mit Befremden reagiert der NÖ Ärztekammerpräsident OA
Dr. Christoph Reisner auf die Vorstöße in Bezug auf die
Ärzteausbildung in Österreich vom vergangenen Wochenende. Die
Wissenschaftsministerin Dr. Beatrix Karl ließ wissen, dass sie sich
einen Umbau der Ärzteausbildung in Österreich vorstellen könne, wobei
der Kernpunkt die Abschaffung des so genannten Turnus sei. Der
Österreichische Ärztekammerpräsident Dr. Walter Dorner begrüßte
diesen Ansatz, wobei er betonte, dass die fachärztliche Ausbildung
bereits unmittelbar nach dem Studium beginnen können müsste. "Die
Facharztausbildung unmittelbar nach dem Studium ist jetzt schon
möglich. Dass dieser Weg nicht immer eingeschlagen wird hat
verschiedene Gründe", so Präsident Dr. Reisner. "Einerseits wollen
viele Ärztinnen und Ärzte vor der Facharztausbildung den Turnus
machen, viele Abteilungsleiter unterstützen das auch. Das ist
sicherlich kein Fehler, da sich durch eine breitere Ausbildung immer
eine qualitative Verbesserung ergibt. Und schließlich profitieren wir
alle davon, da sich genau dadurch eine wesentlich unfangreichere
Einsatzmöglichkeit für die ausgebildeten Ärztinnen und Ärzte im
öffentlichen Gesundheitssystem ergibt." Diesbezüglich gibt es also
laut Präsident Dr. Reisner keinen Handlungsbedarf bei der
Gesetzgebung.

Es gibt Defizite, aber nicht wegen der Gesetzeslage

"Bei der ärztlichen Ausbildung gibt es tatsächlich einige
Defizite, was wir unter anderem aus sehr aktuellen internen
Abteilungsbewertungen der Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung wissen",
so der Kurienobmann-Stellvertreter der Angestellten Ärzte und
Vertreter der Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung in Niederösterreich
Dr. Stefan Halper. Diese Defizite sind jedoch aus seiner Sicht nicht
aufgrund der angeblich verbesserungsbedürftigen
Ausbildungsmodalitäten vorhanden, sondern obliegen der
Ausbildungsbereitschaft der handelnden Personen in der lokal
vorhandenen Struktur. "Immer noch viel zu oft werden Ärztinnen und
Ärzte in Ausbildung als billige "Hilfsarbeitskräfte" missbraucht, was
die Vermittlung des Ausbildungsinhalts schwierig macht. In vielen
Fächern ist es außerdem aufgrund der Anzahl der Ausbildungsstellen
schwierig, gleich einen Platz zu bekommen. Was liegt näher, als
vorher den Turnus zu machen, wenn man ohnehin warten muss und mit
abgeschlossenem Turnus eine bessere Bewerbungschance für eine
Facharztausbildung hat? An diesen Rahmenbedingungen wird sich auch
nichts ändern, wenn man die Optimierung der ärztlichen Ausbildung
darauf reduziert, den Turnus abzuschaffen", so Dr. Halper.

Wer Abwerben verhindern will, muss Arbeitsbedingungen verbessern

Der Kurienobmann der Angestellten Ärzte in Niederösterreich und
Vizepräsident der NÖ Ärztekammer OA Dr. Ronald Gallob verweist auf
die aktuelle Beschlusslage der Österreichischen Ärztekammer, wonach
die geltende Regelung der Ärzteausbildung samt Turnus unterstützt
wird und man sich vehement gegen die von der Wissenschaftsministerin
nunmehr geforderte so genannte Teilapprobation ausspricht:
"Teilapprobierte Ärztinnen und Ärzte, die im Österreichischen
Gesundheitssystem nur beschränkt einsetzbar sind, sind ein deutlicher
Rückschritt im Sinne der Ausbildungsqualität und in weiterer Folge
auch im Sinne der medizinischen Qualität. Denn man kann durchaus
damit rechnen, dass im Falle so einer Regelung die
Krankenanstaltenträger versuchen könnten, in Form von approbierten
Ärztinnen und Ärzten billige, schlecht ausgebildete ärztliche
Arbeitskräfte zu erhalten", so Vizepräsident Dr. Gallob. "Der Verweis
auf "Chancengleichheit" für Medizinabsolventen in Österreich im
Vergleich zu ihren ausländischen Kollegen erübrigt sich ebenfalls.
Wenn angehende Ärztinnen und Ärzte aus Österreich von deutschen
Kliniken gezielt abgeworben werden, dann liegt es sicherlich nicht
daran, dass es den Turnus im Ausland nicht gibt. Die verantwortlichen
Politikerinnen und Politiker sollten sich einmal ernsthaft mit den
Arbeitsbedingungen in Österreich im Vergleich zum Ausland
auseinandersetzen.

Die Haltung der Österreichischen Ärztekammer ist ganz klar für den
Turnus

Präsident Dr. Reisner bekräftigt, dass er die Abschaffung des
Turnus in der derzeit gültigen Variante für keine gute Idee hält, um
die ärztliche Ausbildung in Österreich einerseits hochwertiger und
andererseits attraktiver zu machen. "Die Rahmenbedingungen wären
heute schon vorhanden, es mangelt aber offenbar noch an zweckmäßigen
Anreizen. Insbesondere für ärztliche Leiter und Abteilungsleiter der
Krankenhäuser. Die Krankenhäuser sind nach derzeitiger Rechtslage
verpflichtet, die Ärzteausbildung sicherzustellen und kommen diesem
Auftrag aber nicht immer mit der notwendigen Sorgfalt nach. Gegen ein
praktisches Jahr im Studium ist selbstverständlich überhaupt nichts
einzuwenden und dieser Vorschlag wird von mir auch begrüßt. Aber zum
Thema Approbation gibt es eine ganz klare, ablehnende Beschlusslage
der Österreichischen Ärztekammer", so Präsident Dr. Reisner zum
Abschluss.

Rückfragehinweis:
Pressestelle der Ärztekammer für Niederösterreich
Michael Dihlmann
Tel.: 0664/144 98 94
mailto:[email protected]
www.arztnoe.at

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