Trotz Verbot: Geflügelwirtschafts-Chef Schrall quält Hühner in Käfigen zu Tode

Wien (OTS) - Massive Überbelegung, Kannibalismus, stark verweste und sogar mumifizierte Tiere, vermilbte Eier und Kotberge im "Vorzeigebetrieb". Vorsätzlicher Gesetzesbruch: nach VIER PFOTEN-Anzeige sofortige Schließung der illegalen Tierhaltung und Tierhalteverbot gefordert!

Eine illegale, aber trotzdem behördlich geduldete Legebatterie in Diendorf (Bez. Tulln) mit grausigen Zuständen wie in einem Horrorfilm, wurde jetzt von der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN aufgedeckt. Der Betreiber: Franz Schrall, der Obmann der ZAG (Zentrale Arbeitsgemeinschaft der österr. Geflügelwirtschaft) und ÖVP-Gemeinderat höchstpersönlich!

"Immense Überbelegung, Kannibalismus, wochenlang verweste, mumifizierte Tiere - vorsätzliche Tierquälerei an zigtausenden Hühnern im 'Vorzeigebetrieb' Schrall", so Johanna Stadler, Geschäftsführerin von VIER PFOTEN. "Was ich auf den Bildern gesehen habe ist unerträglich und weit grauenhafter als jede Käfigbatterie des vorigen Jahrhunderts. Schon vor der Halle ist der Gestank nach Kot und Verwesung schwer zu ertragen. Eine Schande für Österreichs Geflügelwirtschaft. Herr Schrall sagte mir kürzlich, dass er 'nichts zu verbergen' habe, aber ich seine Ställe trotzdem nicht sehen dürfe. Jetzt wissen wir warum." Auch mit Milben übersähte Eier sind in dem Betrieb zu finden. Zahlreiche tote Tiere liegen auch außerhalb der Halle auf dem Erdboden des Grundstücks und im riesigen Kothaufen der Anlage. Wer will schon solche Eier essen, fragt man sich zu Recht? Und doch findet man sie leider sowohl in der Gastronomie (sogar im 4-Sterne-Hotel Renaissance, Wien am Frühstücksbuffet) als auch auf diversen Märkten, erkennbar am Stempel "3AT4554582".

Franz Schrall ist kein unbeschriebenes Blatt: er hat am 30.10.2003 vor dem Bezirksgericht Wien Liesing zugegeben, dass er im Juni 2002 vorsätzlich über 20% mehr Hühner eingestallt hatte, als es das Gesetz erlaubt. Er hätte wörtlich "mit der Toleranz der Behörden gerechnet. Die Überbelegung von Käfigen bei der Anlieferung ist branchenüblich, die Behörde weiß davon und duldet es." Stadler dazu: "Es ist daher von vorsätzlicher, strafrechtlich relevanter Tierquälerei auszugehen. Würde es sich um Hunde handeln, wäre der Mann schon längst hinter Gittern."

Gemäß Tierschutzgesetz ist die Käfighaltung von Hühnern in Österreich bereits seit 1.1.2009 verboten. Geduldet werden nur noch einzelne bestehende Käfiganlagen, wenn sie spätestens 2005 gesetzeskonform mit Nestern, Sitzstangen und Einstreu "ausgestaltet" in Betrieb waren. "Dies ist jedoch bei Schrall nachweislich bis heute vielfach nicht der Fall", ärgert sich Stadler. "Somit ist dieser Tierqual-Betrieb seit Ende 2008 genau so illegal wie die durch VIER PFOTEN-Anzeigen bereits geschlossenen Käfigbatterien. Jeder einzelne Tag, den die zigtausenden Hühner in dieser gesetzwidrigen Haltung leiden müssen, bedeutet unvorstellbare Qualen."

Die Zustände in der Anlage sind durch Kot, Milben und verwesende Kadaver so katastrophal, dass sich niemand zu wundern braucht, wenn Konsumenten an Salmonellen etc. erkranken. VIER PFOTEN hat gegen Schrall Anzeige erstattet und fordert die sofortige Schließung der illegalen Käfigbatterie sowie eine strafrechtliche Verurteilung wegen Tierquälerei samt Tierhalteverbot. Weiters ist ein ausnahmsloses Käfigverbot in Österreich überfällig. Immer noch leiden Tag für Tag an die 250.000 Hühner in solchen "Alibi-Käfigen", die sogar deren Hersteller längst als nicht praktikabel erkannt hat.

Nachdem VIER PFOTEN den Skandalbetrieb letzten Freitag angezeigt hatte, rief der zuständige Amtstierarzt Dr. Hofer-Kasztler bei Stadler an und erkundigte sich, in welchen Käfigen genau die toten Hühner zu finden wären und wann genau und durch wen diese Aufnahmen gemacht wurden. Er könne sich nämlich nicht vorstellen, dass bei Schrall solche Zustände herrschen, denn er kenne den Betrieb gut. Er vermute, es hätte sich im Stall nur EIN totes Huhn befunden und das wäre von verschiedensten Seiten fotografiert worden. Kurz darauf wurde er dabei beobachtet, wie er mit Schrall und seinen Arbeitern über zwei Stunden in der Legebatterie verbrachte und mehrere Kadavertonnen gefüllt und aus der Halle gebracht wurden, obwohl der Veterinär erst fünf(!) Stunden nachdem ersten Anruf des ORF bei Schrall eintraf und somit bereits viel Zeit zum Aufräumen war. Kurz danach behauptete er gegenüber dem ORF, dass es nur kleine Mängel gab.

Eine Untersuchung zweier Hühnerkadaver aus dem Betrieb durch die Vet.Med.-Uni Wien ergab, dass diese zumindest Wochen in den Käfigen lagen und bereits mumifiziert sind. Es sind keine Organe mehr erkennbar, dafür aber deutliche Spuren, dass die Leidensgenossen an den Kadavern genagt hatten.

"Wer Eier essen will, sollte diese immer aus Freilandhaltung (Stempel "0" oder "1") kaufen, das sind wir den Tieren schuldig", so Stadler abschließend.

Druck-/sendefähiges Bildmaterial aus dem illegalen Betrieb ist honorarfrei erhältlich. Weitere Infos, Bilder und ein Video finden Sie auf www.vier-pfoten.at

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