- 12.05.2010, 11:36:27
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Eröffnung der Ausstellung "Die Türken in Wien" im Jüdischen Museum Wien
Wien (OTS) - "Die wichtigsten Zeugnisse der sefardischer
Lebenswelten in Wien wurden durch das NS-Regime im Zuge der Ermordung
und Vertreibung der Mitglieder der sefardischen Gemeinde Wiens
vernichtet. In der Nacht des Novemberpogroms 1938 stand der große
Türkische Tempel in Flammen und wurde samt dem Gemeindearchiv
vollständig zerstört. Damit ging ein wesentlicher Teil jüdischen
Lebens in Wien mit einem Schlag zu Ende", sagte Direktor Karl
Albrecht-Weinberger in seiner Eröffnungsrede zur Ausstellung "Die
Türken in Wien. Geschichte einer Jüdischen Gemeinde", bei der
zahlreiche Vertreter des diplomatischen Korps - allen voran der
Botschafter des Staates Israel, Aviv Shir-On - anwesend waren. Er
dankte auch der Vertreterin der Botschaft der Republik Türkei und
Çinar Sözer, dem Obmann des St. Georgs-Absolventenvereins Wien, für
die Unterstützung des Ausstellungsprojekts.
Weinberger verwies auf eine der ersten Ausstellungen des Museums, die
sich kurz nach der Gründung des Museums ebenfalls mit dem Thema
auseinandersetzte und erinnerte an den Aufbau des Museums in den
letzten zwei Jahrzehnten. Die damalige Kuratorin Felicitas
Heimann-Jelinek, heute Chefkuratorin des Museums und Leiterin des
Arbeitsteams der Ausstellung, erläuterte die vielfältigen
Zusammenhänge der sefardischen Diaspora in Europa und unterstrich die
historische Bedeutung der Entwicklung der sefardischen Gemeinden im
europäischen Gesamtzusammenhang.
Eine Ausstellung zur Bedeutung der Sefarden in Zentraleuropa
und in Wien
"Die Türken in Wien. Geschichte einer jüdischen Gemeinde" ist eine
umfassende Dokumentation, die sich mit den Auswirkungen der
Vertreibung der Juden aus Spanien im 15. Jahrhundert beschäftigt.
Diese fanden in Nordafrika, in einigen italienischen Städten, vor
allem aber im Osmanischen Reich Asyl. Mit den osmanischen Eroberungen
konnten die Juden spanischer Herkunft, die sogenannten Sefarden,
kulturell und wirtschaftlich wichtige Gemeinden auf dem Balkan
gründen. Die sefardischen Juden, die sich in Wien niederließen, waren
in vielfacher Weise - wirtschaftlich, kulturell und religiös -
Vermittler zwischen Ost und West, zwischen Orient und Okzident,
zwischen Asien und Europa. Wesentliche Impulse zur Weiterentwicklung
der rabbinischen Tradition gingen von sefardischen Juden aus. Die
reiche, mittelalterliche spanisch-jüdische Poesie wurde weiter
tradiert und übersetzt, und es waren die Sefarden, die die
Entwicklung der jüdischen Mystik vorantrieben. Sie waren es auch, die
die arabische Philosophie und Medizin für die westliche Welt
erfahrbar machten. Sefardische Publizisten veröffentlichten ihre
Schriften in der ganzen Ladino-sprachigen Welt und sie brachten
Schriftsteller vom Range eines Elias Canetti hervor.
Die Ausstellung orientiert sich an den für die Wiener Gemeinde
relevantesten geografischen Räumen der sefardischen Diaspora und
setzt sich in sechs Stationen mit dem Beitrag der türkisch-jüdischen
Gemeinde für das Wirtschafts-, Kultur- und Geistesleben der
jeweiligen Regionen auseinander. Dabei wird - ausgehend von der
Vertreibung aus Spanien über die Stationen Nordwesteuropa, Italien,
Osmanisches Reich und Balkan bis nach Wien - anhand von Dokumenten,
Kultgegenständen, Fotos, Erinnerungsstücken und weiteren Objekten die
Geschichte der sefardischen Gemeinden in diesen Regionen dokumentiert
und deren Bedeutung für die Geschichte der Wiener jüdischen Gemeinde
und des Wiener Wirtschafts-, Kultur- und Geisteslebens aufgezeigt.
"Die Türken in Wien. Geschichte einer jüdischen Gemeinde" ist von 12.
Mai bis 31. Oktober 2010 im Jüdischen Museum Wien (1., Dorotheergasse
11) zu sehen. Das zu den Kulturbetrieben der Wien Holding zählende
Jüdische Museum ist von Sonntag bis Freitag von 10.00 bis 18.00 Uhr
geöffnet. Der Eintritt beträgt 6,50/4,- Euro ermäßigt. Schulklassen
haben freien Eintritt, Führungen und pädagogische Programme: Tel.:
+43-1-535 04 31-130, 131 bzw. [email protected]. Weitere
Informationen unter www.jmw.at.
o Pressebilder: www.wien.gv.at/gallery2/rk/run.php?g2_itemId=248 www.wien.gv.at/gallery2/rk/run.php?g2_itemId=252
Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz:
www.wien.gv.at/rk/
Dr. Alfred Stalzer
Mediensprecher des Jüdischen Museums
Mobil: 0664 506 49 00
E-Mail: [email protected]
Fotos zum kostenfreien Download finden Sie unter ftp://ftp.jmw.at/press
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