Lueger-Denkmal soll gekippt werden

Gewinner der Ausschreibung zur Umgestaltung des Lueger-Denkmals in Mahnmal gegen Antisemitismus und Rassismus schlägt vor, es in dauerhafte Schieflage zu versetzen

Wien (OTS) - Im Dezember 2009 gründeten Studierende an der Universität für angewandte Kunst Wien und Martin Krenn (Lehrbeauftragter) einen Arbeitskreis zur "Umgestaltung des Lueger-Denkmals", der einen "Open Call" für einen internationalen Wettbewerb zur "Umgestaltung des Lueger-Denkmals in ein Mahnmal gegen Antisemitismus und Rassismus in Österreich" ausschrieb.

Das Feedback war mit 220 internationalen Einreichungen sehr positiv - die Wahrnehmung über die Grenzen Österreichs hinaus bestätigt insofern auch die Relevanz der gesellschaftskritischen Stoßrichtung des Wettbewerbs. Ca. 75 % aller Einreichungen stammen aus Österreich, die restlichen 25 % aus europäischen Ländern, drei Vorschläge stammen aus den USA, einer aus China.

Nun hat die Jury einen Vorschlag ausgewählt. Die Entscheidung fiel auf den Entwurf des Wiener Künstlers Klemens Wihlidal. Er sieht vor, die Statue und einen Teil des Sockels um 3,5 Grad nach rechts zu neigen. Die Jury begründet ihre Entscheidung damit, dass der Entwurf die Unsicherheit der Stadt Wien im Umgang mit Karl Lueger verdeutliche und den aktuellen Stand der Diskussion zeige. Sowohl die Person Karl Luegers als auch ihre Rezeption befänden sich in einer Schieflage. Durch den Eingriff werde der vertikale Charakter des Monuments gebrochen und der Mythos Luegers als Vaterfigur Wiens hinterfragt. Die Schieflage verweise auf den problematischen Umgang der Stadt Wien mit ihrer antisemitischen Vergangenheit.

Die Umgestaltung, so Wihlidal selbst, "führt eine Irritation bei den BetrachterInnen herbei, das Monument gerät in Unruhe, es soll die Frage evoziert werden: Wie geht es jetzt mit dem Denkmal weiter? Entgegen eines Denkmalsturzes, wird in dem Moment, wo die Statue nur gekippt wird, das Denkmal zum Mahnmal."

Der Arbeitskreis und seine UnterstützerInnen fordern nun die Umsetzung. In den nächsten Wochen wird der Entwurf der Stadt Wien im Wiener Rathaus übergeben. Der diesbezügliche Antrag im Wiener Gemeinderat kann von den Verantwortlichen noch vor dem Sommer eingebracht werden.

Alle anderen eingereichten Entwürfe werden in den kommenden Wochen in Absprache mit den KünstlerInnen für eine Präsentation auf der Website (www.luegerplatz.com) aufbereitet.

Zur Person Klemens Wihlidal:

Klemens Wihlidal wurde 1982 in Wien geboren, studierte von 2001 bis 2002 Gitarre am Konservatorium Wien und von 2003 bis 2010 Medienübergreifende Kunst an der Universität für angewandte Kunst Wien.

Der Jury gehörten folgende Personen an:

  • Aleida Assmann, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Universität Konstanz
  • Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien
  • Eva Blimlinger, Historikerin, Universität für angewandte Kunst Wien
  • Felicitas Heimann-Jelinek, Chef-Kuratorin Jüdisches Museum Wien
  • Johanna Kandl, Künstlerin, Universität für Angewandte Kunst Wien
  • Lisl Ponger, Künstlerin
  • Doron Rabinovici, Schriftsteller, Essayist und Historiker
  • Martin Krenn und VertreterInnen des Arbeitskreises (eine Stimme)

Weitere Informationen: www.luegerplatz.com

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