AKW Belarus - von der Abhängigkeit zur Abhängigkeit

Anhörung zum AKW-Projekt in Weißrussland zeigte: Atomkraft ist gefährlich!

St. Pölten (OTS) - Die grüne Bundesrätin, Elisabeth Kerschbaum, war bei der gestrigen Anhöhrung zum geplanten Atomkraftwerk in Belarus /Weißrussland und fasst nun zusammen:
1) Weißrussland will dieses AKW, um die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen zu verringern. Doch der Reaktor kommt aus Russland, die Brennstoffe sollen in Russland entsorgt werden - und wie gestern auch auffällig bemerkbar wurde - auch das nötige Know How muss aus Russland importiert werden. "Weißrussland driftet als von der Abhängigkeit zu noch mehr Abhängigkeit. Obwohl die Beziehungen Weißrusslands zum russischen Nachbarn ganz offensichtlich nicht die Besten sind", so Kerschbaum.
2)Weißrussland will dieses AKW, weil sie sich daraus billigen Strom (4,5 ct / kWh) erwarten. "Über die Kostenkalkulation konnten wir nicht allzu viel erfahren - lediglich, dass die Baukosten mit 7 Mrd US$ nur halb so hoch kalkuliert wurden, als z.B. beim finnischen AKW-Projekt in Olkiluoto. Gäbe es auch in Weißrussland eine unabhängige Atomaufsicht, würden die Kosten sehr schnell realistischer geschätzt werden müssen - aber die Unabhängigkeit eines Departments des Wirtschaftsministeriums kann wohl bezweifelt werden. Die Finanzierung des Projekts ist noch offen", erklärt die Bundesrätin der Grünen.
3) Weißrussland ist geprägt vom AKW-Unfall in Tschernobyl - rund 25 Prozent der Fläche sind nach wie vor betroffen, sodass die AKW-Betreiber behaupten, die dortige Biomasse kann aufgrund der radioaktiven Verseuchung nicht verbrannt werden. "Gleichzeitig wird in der Umweltverträglichkeitserklärung ein Unfall mit Auswirkungen, die über einen Radius von 2 bis 3 km hinausgehen, völlig ausgeschlossen. Ein Flugzeugabsturz wird ausgeschlossen, weil keine Flugroute über den AKW-Standort führt - und Terroranschläge auf Weißrussland ebenfalls, weil sie ja keine Probleme mit der"islamischen Welt" haben. Eine lächerliche Argumentation", attestiert Kerschbaum.
4)Die anstehenden Verfahren wegen Verletzung der ESPOO- und Aarhus-Konvention aufgrund der Einsprüche gegen das UVP-Verfahren in Litauen und der Ukraine ignorieren die Projektbetreiber ebenso wie die zahlreichen fundierten Einsprüche aus dem eigenen Land.

"Wenn die Projektwerber wirklich so naiv sind, wie sie sich gestern dargestellt haben, ist das zum Fürchten - immerhin geht es um ein Projekt, bei dem Fehler verheerende Wirkungen haben können! Dass hinter der naiv-freundlichen Maske auch noch anderes steckt, zeigt sich im Umgang mit den AKW-GegnerInnen im eigenen Land: Beim UVP-Verfahren in Minsk wurden busweise Bauarbeiter hingekarrt - und AktivistInnen ,aus Platzmangel' ausgeschlossen. Österreich muss jetzt alle Mittel ergreifen, um dieses Problem auch auf europäischer Ebene zu thematisieren. Atomkraft ist gefährlich - Atomkraft in einem Land ohne gefestigte Demokratie ist brandgefährlich", warnt Grün-Bundesrätin Elisabeth Kerschbaum.

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