"Kleine Zeitung" Kommentar: "Strache in Not nestelt am Bremsfallschirm" (Von Wolfgang Simonitsch)

Ausgabe vom 12.5.2010

Graz (OTS) - Heinz-Christian Strache ist kein Jörg Haider.
Diese Feststellung erschüttert den FPÖ-Obmann stets zutiefst. Er scheint sie nun trotzdem, wenn auch höchst widerwillig, akzeptiert zu haben. Deshalb tritt der blaue Ex-Strahlemann - hat ihn in letzter Zeit irgendwer lachen gesehen? - die Flucht nach vorne an.

Auslöser dafür, die inhaltlich und personell enge Partei zu verbreitern und auch anderen Gesichtern öffentlich Platz zu machen, waren auch heftige, interne Streitereien nach der Wahlschlappe der blauen Barbara Rosenkranz um die Hofburg.

Die wird parteiintern ziemlich eindeutig interpretiert: Mit zweideutigen, augenzwinkernden Haltungen zur NS-Vergangenheit sei keine Wahl mehr zu gewinnen. Oder, wie es einer der seltenen blauen Feingeister höchst inoffiziell umschreibt: "Diese Kameraden müssen kapieren, dass mit ihren Hoppla-Hopp-Sprüchen längst kein Staat mehr zu machen ist". Deshalb werden jetzt Figuren wie Martin Graf, Rosenkranz, aber auch ein Andreas Mölzer an den Rand gedrängt. Offiziell mit der Begründung, sie hätten ohnehin wichtige Ämter auszufüllen und seien damit präsent.

Die blaue Führungsriege um den intellektuell schmalbrüstigen Parteichef - der uns erst gestern wieder mit abenteuerlichen Volkswirtschaftstheorien erklärt hat, wie die EU und der Euro zu retten seien - steht strategisch vor einem Scherbenhaufen. Sie weiß, dass mit oppositionellem Geifer um die alten Kernthemen Ausländer und Sicherheit jenseits von 15 Prozent kaum neue Protestwähler ansprechbar sind.

Deshalb will sie jetzt etwa den blauen Vize Norbert Hofer und Generalsekretär Herbert Kickl für Sozialthemen in Stellung bringen, den oberösterreichischen Obmann Manfred Haimbuchner zur Sperrspitze "für blauen Angriffsgeist" aufbauen oder mit der angeblichen Wirtschaftskompetenz einer Barbara Kappl in die Wiener Wahlschlacht ziehen.

Strache verkauft diese Herrschaften als die "Glorreichen Sieben", die jetzt neben ihm strahlen dürfen. Sie werden aber auch ihre Köpfe hinhalten müssen, wenn für die Blauen die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Zuletzt hat die FPÖ bei Wahlen - zwar nicht berauschend, aber doch - von statistischen Basiseffekten profitiert.

Sie hat sich redlich gehalten, weil die FPÖ vor fünf Jahren, nach der BZÖ-Abspaltung, praktisch halbiert worden war. Dieser Effekt dürfte sich bei den anstehenden Wahlen im Burgenland, in der Steiermark und in Wien noch bemerkbar machen. Bei Pleiten wird sich Strache ab sofort am neuen Team abputzen.****

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