TALIS-Studie zu Arbeitsbedingungen für Lehrer/innen und Lernumfeldern für Schüler/innen

Bundesinstitut BIFIE präsentiert vertiefende Analysen und Expertenberichte zur internationalen Erhebung 2008

Wien (OTS) - An der 2008 erstmals gleichzeitig in 23 OECD-Staaten durchgeführten Fragebogenerhebung waren in Österreich 248 HS/AHS-Schulen mit ihren Schulleiter/innen und 4.300 Lehrer/innen beteiligt. Erste internationale und nationale deskriptive Ergebnisse zu TALIS wurden im Juni 2009 präsentiert (Berichte auf der Homepage der OECD, Quelle (a), und des Bundesinstituts BIFIE, Quelle (b)). Mithilfe dieser Daten und Berichte analysierten, verglichen und bewerteten österreichische Expertinnen und Experten aus Bildungs-bzw. Erziehungswissenschaft umfassend die nationale Situation an den Schulen der 10- bis 14-Jährigen (HS und AHS-Unterstufe).

Diese vertiefenden Expertenanalysen, die in 9 Themenfeldern strukturiert sind, stellt das Bundesinstitut BIFIE nun zusammenfassend in einem BIFIE-Report der Öffentlichkeit vor. Im Hintergrundgespräch am Montag, 17.05. 2010, nehmen einige der beteiligten Expertinnen und Experten zu ihren Analysen und Bewertungen Stellung. Sie ziehen wichtige Schlüsse über den Status Quo der österreichischen Schulen als Lernumfeld für Schüler/innen und als Arbeitsplatz für Lehrer/innen - und sie stehen zur Verfügung für Anfragen und für Diskussionen über mögliche bildungspolitische Konsequenzen.

Für die Präsentation ausgesuchte Themen und Forderungen der Expertinnen und Experten aus dem aktuellen BIFIE-Report zu TALIS 2008:

(1) Der Erfolg einer Schule hängt mit der erfolgreichen Gestaltung des Arbeitsplatzes Schule durch Schulleiter/innen (und Lehrpersonal) zusammen

"Erfolgreiche Schulen zeichnen sich dadurch aus, dass bestimmte, wenige Grundwerte eingehalten werden, und zwar reziprok. Das sind Grundwerte wie Respekt und Höflichkeit im Umgang zwischen Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler (...). Wenn es einem Lehrkörper gelingt, das einheitlich zu signalisieren, dann ändern sich auch die Schülerinnen und Schüler", konstatiert Univ. Prof. Dr. Ferdinand Eder, Erziehungswissenschafter an der Universität Salzburg.

Die Schulleitung sowie die Lehrer/innen fördern diszipliniertes Verhalten von Schüler/innen, wenn sie selbst gut miteinander kooperieren und die Schulleitung sich für die pädagogischen Prozesse in ihrer Schule verantwortlich fühlt.

(2) Fortbildung muss auf den Schulstandort abgestimmt und langfristig konzipiert werden

"Mein Eindruck ist eher, dass die relativ geringe Nutzung von langfristigen Fortbildungsangeboten einfach mit dem damit verbundenen Aufwand zusammenhängt. Und das hat für mich mit der Vorstellung von Arbeitszeit zu tun, die Lehrpersonen haben: Wenn Lehrkräfte immer das Gefühl haben, dass alles, was nicht im Unterricht sei, ihre wertvolle Freizeit belaste", meint Univ. Prof. Dr. Johannes Mayr, Professor für Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung an der Universität Klagenfurt.

Fortbildung ist in vielen Fällen noch wenig auf den einzelnen Schulstandort abgestimmt. Das österreichische Anbietersystem fördert einerseits stärker das individuelle Melden von einzelnen Lehrpersonen zu spezifischen Fortbildungsangeboten, weniger das Erstellen schulinterner Fortbildungspläne. Andererseits werden eher punktuelle und kurze Fortbildungsangebote angenommen als langfristige und damit nachhaltige.

(3) Echte Schulautonomie und eine Qualitätsentwicklung bedarf eines größeren Handlungsspielraums in personeller und budgetärer Hinsicht für die Schulleiter/innen

"Schulleiterinnen und Schulleiter können sich die Lehrerinnen und Lehrer nicht aussuchen, sie bekommen nicht das Budget, das sie eigentlich brauchen für das, was sie leisten sollen. Sie haben einerseits eine hohe Verantwortung, nämlich Schule und Unterricht zu entwickeln, aber wenig, das sie dafür ausstattet", sagt Univ. Prof. Dr. Michael Schratz, Bildungswissenschafter an der Universität Innsbruck.

Österreich gehört im internationalen Vergleich zu den Schlusslichtern, was die Budgetautonomie von Schulen betrifft. Von allen untersuchten Ländern ist nur in Mexiko der finanzielle Spielraum der Direktorinnen und Direktoren kleiner.

Die am BIFIE-Report beteiligten Experteninnen und Experten, die am 17.05. 2010 zu diesen ausgewählten Themen zur Verfügung stehen:

  • Univ. Prof. Dr. Ferdinand Eder, Universität Salzburg (Arbeitsplatz Schule)
  • Prof. Dr. Fritz Kast, Pädagogische Hochschule Burgenland (Fort- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrer)
  • MMag. Martin Hartmann, Universität Innsbruck (Schulmanagement)
  • Univ. Prof. Dr. Johannes Mayr, Universität Klagenfurt (Fort- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern)
  • Mag. Dr. Juliane Schmich, Bundesinstitut BIFIE (Arbeitsplatz Schule, Schulmanagement)

Moderation: Claus Reitan, Die Furche

Quellen im Internet:

(a) Internationaler TALIS-Bericht auf der Homepage der OECD:
http://www.ots.at/redirect/oecd
(b) Nationaler deskriptiver Bericht auf der Homepage des Bundesinstituts BIFIE: http://www.bifie.at/talis

TALIS-Studie zu Arbeitsbedingungen für Lehrer/innen und Lernumfeldern
für Schüler/innen


Wegbeschreibung: http://www.bifie.at/bifie-standort-wien

Datum: 17.5.2010, um 19:00 Uhr

Ort:
BIFIE Wien Rund Vier B, 2.OG (U2, Station Krieau)
Stell-Klein-Löw-Weg 15, 1020 Wien

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Dr. Claudia Schreiner, Leiterin des BIFIE-Zentrum Salzburg
Tel.: +43-662-620088-3010
Mail: c.schreiner@bifie.at
Mag. Dr. Juliane Schmich, Projektleiterin TALIS
Tel.: +43-662-620088-3211
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