Wiener Linien: Sofortmaßnahmen nach dem Unfall

Weitere Erkenntnisse soll Sachverständigen-Gutachten bringen

Wien (OTS) - Die Wiener Linien haben seit einem Unfall in der U3-Station Enkplatz, bei der am Freitagnachmittag ein 5-jähriger Bub von einer U-Bahn-Garnitur erfasst und über den Bahnsteig gezogen worden ist, Untersuchungen zur Ursache dieses tragischen Vorfalls durchgeführt. Nach den wichtigsten Prüfungen zeigt sich, dass offensichtlich die Kombination mehrerer Faktoren zu dem Unfall geführt hat. Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse setzen die Wiener Linien mit dem heutigen Tag ein ganzes Bündel an Maßnahmen. Eine dieser Maßnahmen ist, einen unabhängigen, gerichtlich beeideten Sachverständigen für Eisenbahnwesen einzusetzen, um das System der Sicherheitseinrichtungen in der U-Bahn grundsätzlich und umfassend zu überprüfen. Auf Grundlage seines Gutachtens werden dann weiterführende Maßnahmen zu setzen sein.

Die Erkenntnisse der Untersuchungen zeichnen zum gegenwärtigen Zeitpunkt folgendes Bild:

1) Die Station Enkplatz: In der Nacht von Freitag auf Samstag überprüfte ein Team von Technikern und Experten der Wiener Linien die Sicherheitseinrichtungen in der Station Enkplatz. Sowohl der Überwachungsspiegel, mit dem U-Bahn-Fahrer das Abfertigen des Zuges überwachen, als auch Lautsprecher, Beleuchtung und Noteinrichtungen wurden kontrolliert. Dabei wurden keine Mängel an den sicherheitsrelevanten Einrichtungen der U-Bahn-Station festgestellt.

2) Der Fahrer des U-Bahn-Zuges: Der Fahrer dürfte das Kind und die Mutter übersehen haben. Möglicherweise hat er unmittelbar vor der Abfahrt nicht mehr in den Rückspiegel geblickt, um den Bahnsteig zu kontrollieren. Obwohl Mutter und Kind zum Zug gelaufen sind und erst während des Prozesses der Abfertigung im Türbereich waren, hätte der Fahrer unmittelbar vor dem Losfahren im Rückspiegel sehen müssen, dass hier zwei Personen im Gefahrenbereich sind.

3) Der U-Bahn-Zug: Bei der peniblen technischen Prüfung des U-Bahn-Zuges durch Experten der Wiener Linien konnten keine Mängel an Türen oder Lautsprecheranlage festgestellt werden. Darum wird der betroffene Waggon nun zusätzlich von einem Team externer Ziviltechniker geprüft. Darüber hinaus werden alle anderen Türen von allen anderen U-Bahn-Zügen in den nächsten vier Wochen einer gesonderten technischen Kontrolle unterzogen.

4) Die Notbremse: Was in hunderten anderen Situationen hilfreich und für die Sicherheit der Fahrgäste unumgänglich ist, war in diesem Fall fatal. Wenn im Zug oder am Bahnsteig die Notbremse betätigt wird, der Zug jedoch bereits zum Großteil die Station verlassen hat, wie es hier der Fall war, wird der Zug erst in der nächsten Station durch die Notbremsung zum Stehen gebracht. Dadurch soll verhindert werden, dass mögliche Rettungs- oder Evakuierungswege durch den Tunnel verlaufen, sondern Hilfsmaßnahmen unter guten Bedingungen in einer Station erfolgen können. Diese so genannte "Notbremsüberbrückung" ist seit der Katastrophe von Kaprun bei allen Bahn-Tunnels in Österreich Standard und von den Sicherheitsbehörden vorgeschrieben.

Maßnahmen, die von Seiten der Wiener Linien nun unmittelbar ergriffen werden:

1) Einsetzung eines Sachverständigen für Eisenbahnwesen, um das System der Sicherheitseinrichtungen in der U-Bahn zu überprüfen.

2) Nach der Kontrolle durch Experten der Wiener Linien wird der betroffene Waggon nun auch von externen Ziviltechnikern überprüft. Der ganze Zug bleibt abgestellt.

3) Alle rund 4.400 Türen der insgesamt über 100 U-Bahn-Züge werden in den nächsten vier Wochen auf ihre korrekte Schließweise hin überprüft.

4) Der Fahrer des U-Bahn-Zuges bleibt vom Fahrdienst abgezogen.

5) In der Ausbildung und den Wiederholungsschulungen der FahrerInnen wird der schon bisher schwerpunktmäßig gestaltete Lehrinhalt der korrekten Abfertigung des Zuges noch einmal verstärkt.

6) Die routinemäßige Betriebsaufsicht der Wiener Linien wird im Rahmen ihrer täglichen Arbeit einen Schwerpunkt in der Überprüfung der Zugsabfertigung setzen.

7) Die Fahrgastinformation bezüglich der Sicherheit beim Ein- und Aussteigen in die U-Bahn-Züge wird verstärkt.

8) Die bereits seit über zehn Jahren durchgeführten Führungen und Sicherheitsschulungen mit Kinder- und Jugendgruppen werden intensiviert.

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