• 10.05.2010, 10:45:12
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  • OTS0077 OTW0077

Wiener Linien: Sofortmaßnahmen nach dem Unfall

Weitere Erkenntnisse soll Sachverständigen-Gutachten bringen

Wien (OTS) - Die Wiener Linien haben seit einem Unfall in der
U3-Station Enkplatz, bei der am Freitagnachmittag ein 5-jähriger Bub
von einer U-Bahn-Garnitur erfasst und über den Bahnsteig gezogen
worden ist, Untersuchungen zur Ursache dieses tragischen Vorfalls
durchgeführt. Nach den wichtigsten Prüfungen zeigt sich, dass
offensichtlich die Kombination mehrerer Faktoren zu dem Unfall
geführt hat. Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse setzen die Wiener
Linien mit dem heutigen Tag ein ganzes Bündel an Maßnahmen. Eine
dieser Maßnahmen ist, einen unabhängigen, gerichtlich beeideten
Sachverständigen für Eisenbahnwesen einzusetzen, um das System der
Sicherheitseinrichtungen in der U-Bahn grundsätzlich und umfassend zu
überprüfen. Auf Grundlage seines Gutachtens werden dann
weiterführende Maßnahmen zu setzen sein.

Die Erkenntnisse der Untersuchungen zeichnen zum gegenwärtigen
Zeitpunkt folgendes Bild:

1) Die Station Enkplatz: In der Nacht von Freitag auf Samstag
überprüfte ein Team von Technikern und Experten der Wiener Linien die
Sicherheitseinrichtungen in der Station Enkplatz. Sowohl der
Überwachungsspiegel, mit dem U-Bahn-Fahrer das Abfertigen des Zuges
überwachen, als auch Lautsprecher, Beleuchtung und Noteinrichtungen
wurden kontrolliert. Dabei wurden keine Mängel an den
sicherheitsrelevanten Einrichtungen der U-Bahn-Station festgestellt.

2) Der Fahrer des U-Bahn-Zuges: Der Fahrer dürfte das Kind und die
Mutter übersehen haben. Möglicherweise hat er unmittelbar vor der
Abfahrt nicht mehr in den Rückspiegel geblickt, um den Bahnsteig zu
kontrollieren. Obwohl Mutter und Kind zum Zug gelaufen sind und erst
während des Prozesses der Abfertigung im Türbereich waren, hätte der
Fahrer unmittelbar vor dem Losfahren im Rückspiegel sehen müssen,
dass hier zwei Personen im Gefahrenbereich sind.

3) Der U-Bahn-Zug: Bei der peniblen technischen Prüfung des
U-Bahn-Zuges durch Experten der Wiener Linien konnten keine Mängel an
Türen oder Lautsprecheranlage festgestellt werden. Darum wird der
betroffene Waggon nun zusätzlich von einem Team externer
Ziviltechniker geprüft. Darüber hinaus werden alle anderen Türen von
allen anderen U-Bahn-Zügen in den nächsten vier Wochen einer
gesonderten technischen Kontrolle unterzogen.

4) Die Notbremse: Was in hunderten anderen Situationen hilfreich und
für die Sicherheit der Fahrgäste unumgänglich ist, war in diesem Fall
fatal. Wenn im Zug oder am Bahnsteig die Notbremse betätigt wird, der
Zug jedoch bereits zum Großteil die Station verlassen hat, wie es
hier der Fall war, wird der Zug erst in der nächsten Station durch
die Notbremsung zum Stehen gebracht. Dadurch soll verhindert werden,
dass mögliche Rettungs- oder Evakuierungswege durch den Tunnel
verlaufen, sondern Hilfsmaßnahmen unter guten Bedingungen in einer
Station erfolgen können. Diese so genannte "Notbremsüberbrückung" ist
seit der Katastrophe von Kaprun bei allen Bahn-Tunnels in Österreich
Standard und von den Sicherheitsbehörden vorgeschrieben.

Maßnahmen, die von Seiten der Wiener Linien nun unmittelbar ergriffen
werden:

1) Einsetzung eines Sachverständigen für Eisenbahnwesen, um das
System der Sicherheitseinrichtungen in der U-Bahn zu überprüfen.

2) Nach der Kontrolle durch Experten der Wiener Linien wird der
betroffene Waggon nun auch von externen Ziviltechnikern überprüft.
Der ganze Zug bleibt abgestellt.

3) Alle rund 4.400 Türen der insgesamt über 100 U-Bahn-Züge werden in
den nächsten vier Wochen auf ihre korrekte Schließweise hin
überprüft.

4) Der Fahrer des U-Bahn-Zuges bleibt vom Fahrdienst abgezogen.

5) In der Ausbildung und den Wiederholungsschulungen der FahrerInnen
wird der schon bisher schwerpunktmäßig gestaltete Lehrinhalt der
korrekten Abfertigung des Zuges noch einmal verstärkt.

6) Die routinemäßige Betriebsaufsicht der Wiener Linien wird im
Rahmen ihrer täglichen Arbeit einen Schwerpunkt in der Überprüfung
der Zugsabfertigung setzen.

7) Die Fahrgastinformation bezüglich der Sicherheit beim Ein- und
Aussteigen in die U-Bahn-Züge wird verstärkt.

8) Die bereits seit über zehn Jahren durchgeführten Führungen und
Sicherheitsschulungen mit Kinder- und Jugendgruppen werden
intensiviert.

Rückfragehinweis:
Wiener Linien GmbH & Co KG
Kommunikation
Tel.: (01) 7909-14203
mailto:[email protected]
www.wienerlinien.at

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