• 07.05.2010, 09:00:58
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"Alter in Kulturen: Verehrt oder verachtet?" - BILD

http://pressefotos.at/m.php?g=1&u=43&dir=201005&e=20100505_h&a=event
V.l.n.r.: Prof. Georg Markus (Autor und Zeitungskolumnist), Mag. Patricia Pawlicki (Moderation), Carla Amina Baghajati (Islamische Glaubensgemeinschaft Österreich), FH-Prof. Mag. Johannes Pflegerl (Sozialwissenschafter, FH St. Pölten), Univ.-Prof. Dr. Christoph Gisinger (Haus der Barmherzigkeit) und Dr. Mag. Emeka Emeakaroha (Kaplan, Obergrafendorf)

Wien (OTS) - Ist man wirklich so alt wie man sich fühlt? Oder legt
die Gesellschaft das Alter fest? Welchen Stellenwert hat der
hilfsbedürftige Mensch in anderen Kulturkreisen? Darüber diskutierten
Carla Amina Baghajati (Islamische Glaubensgemeinschaft Österreich),
Dr. Mag. Emeka Emeakaroha (Kaplan, Obergrafendorf), Prof. Georg
Markus (Autor und Zeitungskolumnist), FH-Prof. Mag. Johannes Pflegerl
(Sozialwissenschafter, FH St. Pölten). Es moderierte Mag. Patricia
Pawlicki. Pfizer Austria und die Österreichischen Lotterien
unterstützten das achte DiskussionsFORUM der gemeinnützigen
Pflegeeinrichtung "Haus der Barmherzigkeit".

"Es gab noch nie so viele über 70jährige - und laut einer
Altersstudie fühlen sie sich alle im Schnitt 13 Jahre jünger. Wird
aber heute das `Siechtum` des alten Menschen verlängert oder viel
mehr der Alterungsprozess nach hinten verschoben? War die Stellung
der Alten in unserem Kulturkreis früher besser?" - Das waren Fragen,
die Univ.-Prof. Dr. Christoph Gisinger (Institutsdirektor und
Ärztlicher Leiter des Haus der Barmherzigkeit) zu Beginn der
Podiumsdiskussion stellte. Es existieren viele Arten von Alter: das
biologische, soziale, kalendarische oder auch das subjektive Alter.
Laut wissenschaftlicher Erkenntnis sind die Menschen von heute,
biologisch gesehen, um fünf Jahre jünger als ihre Eltern.

"Alte Menschen dürfen nicht wie Schachfiguren herumgeschoben werden"

Noch vor hundert Jahren war es schwerer, ein hohes Alter zu
erreichen. Im Jahr 2050 werden bereits über eine Million Menschen
über 80 Jahre alt sein. Christoph Gisinger: "Ein Wertewandel findet
statt, der auf Lebenssituation und Familienstruktur der Menschen
basiert: Alt wird man immer öfter in einer Pflegeeinrichtung. Wir,
das Haus der Barmherzigkeit, bieten geriatrische Langzeitbetreuung in
einer möglichst attraktiven Lebenswelt. Alte Menschen dürfen nicht
wie Schachfiguren herumgeschoben werden!" Um den Dialog der
Generationen zu fördern, hat das Haus der Barmherzigkeit das Konzept
des Generationen-Campus entwickelt. "Wir wollen
Betreuungseinrichtungen mit Bildungseinrichtungen inklusive einer
Pflege-FH in Wien-Währing vereinen", berichtete Institutsdirektor
Christoph Gisinger: "Wir setzen auf die Wiener Stadtregierung, dass
sie uns bei der Umsetzung des Generationen-Campus unterstützt, so wie
bei bisherigen Projekten auch."

"Alte Menschen werden geehrt"

Für Carla Amina Baghajati (Islamische Glaubensgemeinschaft
Österreich) stand nach einem Besuch im Haus der Barmherzigkeit
Seeböckgasse fest, dass das Haus "eher einer Geburtenstation ähnelt,
als einer Einrichtung, in der Menschen Abschied nehmen". Im
islamischen Verständnis sind Alte und Junge gleichwertig; es besteht
aber ein `Generationenvertrag`, der Kinder gegenüber ihren Eltern
verpflichtet, berichtete Carla Amina Baghajati. Sie gab ebenfalls zu
bedenken, dass wir alle länger arbeiten müssen. Es sei daher der
falsche Weg, älteren MitarbeiterInnen zu verstehen zu geben: "Ihr
gehört zum Alten Eisen." Denn sogar ein bettlägriger, alter Mensch
habe durch seine Ausstrahlung sehr viel zu geben. Auch Dr. Mag. Emeka
Emeakaroha, der Kaplan von Obergrafendorf, berichtete von der
wichtigen Rolle älterer Menschen in seiner Gemeinde: "Die vielen
Stunden freiwilliger Arbeit, die Menschen in der Pension leisten,
sind unbezahlbar." Emeka Emeakaroha stammt aus Nigeria und berichtete
auch von der afrikanischen Einstellung zum Alter: "Alte Menschen
werden geehrt, sie sind Respektspersonen und gelten als weise. Die
Dorfältesten werden oft um Rat gefragt und schlichten Streit."

"Wir brauchen neue Konzepte für ein Zusammenleben"

"Früher war es auch in unserem Kulturkreis üblich, ältere
Verwandte stark zu respektieren", ergänzte Prof. Georg Markus (Autor
und Kolumnist im KURIER): "Ich habe den Bruch miterlebt. Es ist
nötig, wieder mehr die Vorteile des Alters herausstreichen." Positive
Beispiele sind Menschen wie Johannes Heesters, die noch bis ins hohe
Alter auftreten und Lebensfreude ausstrahlen. Gleichzeitig gab Markus
zu bedenken, dass "wir dem Alter durch Missachtung großen Schaden
zugefügt haben". FH-Prof. Mag. Johannes Pflegerl
(Sozialwissenschafter, FH St. Pölten) erläuterte die Sehnsucht der
ÖsterreicherInnen nach der Pension, die trotz Jugendkult existiert:
"Die Großelternschaft wird gerne aktiv gelebt. Aber wie gehen
Menschen damit um, wenn sie das aufgrund ihrer Berufstätigkeit nicht
können?" Laut Johannes Pflegerl brauchen wir neue Konzepte für ein
positives Zusammenleben, denn die Kleinfamilie ist überfordert. Der
Wissenschafter selbst wünscht sich "im Alter nicht allein zu sein".

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Rückfragehinweis:

Haus der Barmherzigkeit
   Sabine Schmid, Kommunikation
   Seeböckgasse 30a, 1160 Wien
   Tel. 01/40199-1320 oder mobil: 0664/610 12 96
   E-Mail: sabine.schmid@hausderbarmherzigkeit.at 
   Internet: www.hausderbarmherzigkeit.at

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