Getaway fragt: Will man die Drogenkranken langsam umbringen?

Wien (OTS) - Ab 1. Juni 2010 ist es soweit, die Drogenszene am Karlsplatz wird - nach langem politischen Hin und Her - vertrieben oder auch "bereinigt", wie Innenministerin Fekter zu sagen pflegt. Mehrere Millionen werden von der Stadt Wien in das Projekt "Karlsplatzpassage Neu" gesteckt. Vorherrschendes Ziel ist, die Szene vom Karlsplatz zu vertreiben und in die Gegend des Ganslwirt`s zu verlegen, wo auch gleichzeitig das "TaBeNo" (Tageszentrum, Betreuung, Notschlafstelle) gegründet wird, um die Kapazität des Ganslwirtes verdoppeln zu können.

Die Idee zur Gründung einer neuen niederschwelligen Beratungsstelle ist an sich nicht schlecht und immer als positiv zu betrachten. In diesem Fall allerdings will man durch die neue Anlaufstelle eine alte ersetzen - und zwar die Streetworker am Karlsplatz.

Etliche gebrauchte Spritzen werden täglich bei den Streetworkern am Karlsplatz getauscht. Die Abhängigen bekommen dafür neues, sauberes Spritzbesteck. In der Theorie unserer Politiker wird sich Wiens Drogenszene nun beim Ganslwirt ausbreiten und dort den Spritzentausch vornehmen. Und wie wird es in der Praxis aussehen?

Getaway Wien stellt folgende Prognose auf:

Die Abhängigen werden sich nicht so einfach vertreiben lassen. Die Szene hat sich am Karlsplatz gebildet und wird wohl auch dort bleiben. Für viele Suchtkranke ist der Wiener Karlsplatz ein zweites Zuhause - und von Zuhause lässt man sich nicht einfach "wegverfrachten".

Jene Abhängigen die dann dort bleiben wo sie auch jetzt schon sind, können weder ihre Spritzen tauschen, noch Beratung in nächster Nähe in Anspruch nehmen. Es gibt schließlich einen guten Grund, warum die Streetworker direkt am Karlsplatz ihre Zelte aufgeschlagen haben. Die Nähe zur "Zielgruppe".

Getaway bleibt leider nur zu hoffen, dass die Drogenkranken den nun weiteren Weg auf sich nehmen werden, um ihre Spritzen zu tauschen und somit Krankheiten, Keimen etc - kurzum dem Tod - vorzubeugen. Des weiteren wäre es interessant, wenn auch einmal Leute zu solchen Themen befragt werden würden, die die Szene am eigenen Leib erlebt haben, oder die täglich mit den Medikamentenabhängigen zu tun haben.

Zu guter Letzt sollte noch gesagt werden, dass das Wort "bereinigen" wie es Innenministerin Fekter so schön gebraucht, nicht im Zusammenhang mit Menschen verwendet werden sollte.

Rückfragen & Kontakt:

Melanie Mollnar
Getaway - Verein zur Suchtprävention durch ehemalige Drogensüchtige
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