• 29.04.2010, 11:54:00
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Erfolgreiche 1. Zwischenbilanz für Diabetes Programm "Therapie aktiv"

Nach nunmehr knapp drei Jahren seit dem Beginn der Umsetzung des DMP (Disease Management Programm) Typ 2 Diabetes "Therapie aktiv" zeigen Studienauswertungen die ersten Erfolge.

Nach nunmehr knapp drei Jahren seit dem Beginn der Umsetzung des DMP (Disease Management Programm) Typ 2 Diabetes "Therapie aktiv" zeigen Studienauswertungen die ersten Erfolge.

Wien (OTS) - Die Erfolge des Programms, das von den
Sozialversicherungen gemeinsam mit der Österreichischen Diabetes
Gesellschaft und dem Gesundheitsministerium konzipiert wurde,
sprechen für sich: Eine in Salzburg durchgeführte DMP-Studie zeigt
eine deutliche Zunahme der Häufigkeit an diabetes-spezifischen
Vorsorgeuntersuchungen (Augen- und Fußuntersuchungen) nach nur einem
Jahr. Weiters bewirkte das Programm nach dieser kurzen Zeit eine
bereits signifikante Senkung von HbA1c und Blutdruck sowie eine
Verbesserung des Fettstoffwechsels. Ähnliche Befunde wurden in der
Steiermark erhoben.

Von ca. 400.000 mit Diabetes diagnostizierten Patienten in
Österreich sind derzeit nur etwa 17.000 im DMP eingeschrieben. Ein
noch geringer Prozentsatz. Auch wenn man davon absieht, dass das
Programm in Vorarlberg und Tirol gerade erst anläuft und in Kärnten
offenbar noch keine Finanzierung für eine Umsetzung geschafft wurde.
Der Streit um eine Fortsetzung des Programms in Niederösterreich hat
sich erfreulicherweise beilegen lassen.

Bessere Versorgung mit Kostenreduktion

Wir befinden uns damit eindeutig am Weg zu einer besseren
Versorgung von Patienten mit Typ 2 Diabetes in Österreich. Auf lange
Sicht ist so eine hohe Lebensqualität mit einer Reduktion
diabetischer Folgeerkrankungen erreichbar. Dies wird sich zudem, wie
ein Pilotprojekt und die DMP-Daten in der Steiermark bestätigen, in
einer deutlichen Kostenreduktion auswirken: weniger
Krankenhausaufenthalte, weniger medikamentöse Maßnahmen bei gut
informierten und motivierten Patienten, und damit letztlich weniger
teure Behandlungen wie Gefäßoperationen oder Dialysen.

Schulungen zur selbstbefähigten Steuerung des Krankheitsverlaufes

Ein wesentlicher Bestandteil dieses Programms stellt die
Diabetesschulung dar, die über die letzten 20 Jahre flächendeckend in
Österreich etabliert werden konnte. Der logische nächste Schritt
liegt in der aktiven Teilnahme am DMP. Der Patient geht bei
Einschreibung in dieses Programm einen speziellen Behandlungsvertrag
ein und verpflichtet sich mit seinem betreuenden Arzt zu gemeinsamen
Zielvereinbarungen. Diese individuellen Ziele, die bei jeder
vierteljährlichen Untersuchung und gemeinsamen Bewertung festgelegt
werden, dienen als motivierende Basis. Trotzdem schreitet die
Aufnahme von Patienten in das DMP noch schleppend voran. Als mögliche
Ursache wird der zusätzliche Administrationsaufwand in der Arztpraxis
genannt. Dem soll durch eine spezielle Fortbildung der
Ordinationshilfen begegnet werden, die einen Großteil dieser Aufgabe
erledigen können.

Damit kann eine fachliche Verbesserung der Betreuung nach dem
aktuellen Stand der Wissenschaft gewährleistet sowie die
Qualitätszirkel der niedergelassenen Hausärzte gesichert werden.

Ablauf des Programms

"Therapie Aktiv ist ein Diabetes Langzeitbetreuungsprogramm, in
dessen Mittelpunkt der Patient und der Diabetes-Arzt stehen.
Regelmäßige Betreuung und Behandlung auf hohem Niveau sichern das
bestmögliche Therapieergebnis für den Patienten und verhindern bzw.
verzögern Spätfolgen", beschreibt Prim. Dr. Gert Klima von der
Steiermärkische Gebietskrankenkasse das Programm.

1. Stufe

Wie läuft das DMP derzeit ab? Der Arzt (Allgemeinmediziner oder
Internist) erhält eine spezielle Ausbildung in einem von der
Ärztekammer organisierten DMP-Seminar. Damit erwirbt er die
Berechtigung, Patienten entsprechend des DMP zu betreuen. Nun können
sich Patienten beim Hausarzt zum DMP einschreiben. Es folgt eine
Erstuntersuchung, in der ein Risikoprofil erstellt, eine
Diabetesschulung eingeleitet und zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen
geplant werden (z.B. eine Augenfundus-Untersuchung). Nach
individuellen Zielvereinbarungen bezüglich Gewicht, Blutzucker,
Blutdruck und Blutfetten werden Wege zur Lebensstil- und, wenn nötig,
zusätzlich medikamentösen Therapie festgelegt. Grundlage für diese
Maßnahmen sind die Leitlinien der Österreichischen Diabetes
Gesellschaft. Die weiteren Untersuchungen im DMP erfolgen dann
vierteljährlich.

2. Stufe

Können Zielwerte trotz aller Anstrengungen in der Praxis nicht
erreicht werden, kommt die "2. Stufe" des DMP zum Tragen und die
Patienten werden an Fachärzte für Innere Medizin mit dem Zusatzdiplom
Endokrinologie und Stoffwechsel oder an eine Diabetesambulanz zur
(zumindest vorübergehenden) Betreuung überwiesen. Zukünftig sollen
auch Ärzte für Innere Medizin mit einer Zusatzausbildung in
Diabetologie (Curriculum derzeit in Ausarbeitung), in diese 2. Stufe
eingegliedert werden. Bestandteil des Ausbaus dieser Stufe ist eine
flächendeckende Installation diabetischer Fußambulanzen. Hier besteht
noch ein hoher Aufholbedarf in Österreich.

3. Stufe

Die 3. Stufe in der Betreuung stellen dann die spezialisierten
Krankenhausabteilungen und Rehab-Zentren dar, die diabetologische
Schwerpunkte anbieten. Auch hier ist noch Bedarf zur Verbesserung
gegeben. Insbesondere die Ausbildung zum Zusatzdiplom 'Endokrinologie
und Stoffwechsel' muss in einem höheren Ausmaß, als dies derzeit der
Fall ist, gewährleistet sein. Dies gelingt nur durch die Besetzung
leitender Positionen mit Ärzten (Oberärzte, Primarärzte), die diese
Zusatzqualifikation besitzen.

Teilnahmeappell an Patienten und Ärzte

Insgesamt ist das Programm gut entwickelt und im weiteren Ausbau
begriffen. Die Übernahme in die Regelfinanzierung durch die
Sozialversicherungen scheint gesichert. "Es liegt nun an den
Patienten dieses Angebot zu nutzen und an den betreuenden Ärzten
dieses Programm mitzutragen!" unterstreicht Univ. Doz. Dr. Raimund
Weitgasser, Präsident der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, die
Verantwortlichkeiten. "Wir fordern seitens der ÖDG dazu deutlich
höhere Einschreibungsraten in das DMP - von beiden Seiten",
appelliert Weitgasser.

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