- 29.04.2010, 11:44:02
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Fekter in Sarajewo: Interkultureller Dialog ist Voraussetzung für innere Sicherheit
Gemeinsame Wertebasis, Sprachkenntnisse, gegenseitiger Respekt und Vertrauen als Schlüssel für sozialen Frieden
Wien (OTS) - "Ich freue mich sehr, dass die heutige Konferenz in
einem Land stattfindet, das in den vergangenen Jahren bereits
eindrucksvoll bewiesen hat, wie Interkultureller Dialog aussehen kann
und welche positive Rolle Religionsgemeinschaften bei der Herstellung
des sozialen Friedens in der Bevölkerung spielen können", erklärte
Innenministerin Dr. Maria Fekter anlässlich der Eröffnung der
Konferenz "Interkultureller Dialog und innere Sicherheit" in
Sarajewo.
"Nicht zuletzt gilt die Brücke von Mostar weltweit als Symbol für die
Verbindung von Christentum und Islam, von Katholiken und Orthodoxen",
so die Ministerin weiter. "Gerade in Hinblick auf die innere
Sicherheit in einem Land ist dieser interkulturelle Dialog als
Beitrag zum sozialen Frieden entscheidend."
An der, von Bosnien und Herzegowina und Österreich gemeinsam
organisierten, Konferenz nahmen Innenminister und Experten der
Westbalkanstaaten und aus dem "Forum Salzburg" sowie hochrangige
Vertreter von UN, EU, OSZE und IOM teil. Im Anschluss an vier
Diskussionspanels wurden die wesentlichen Eckpunkte zum Thema
"Interkultureller Dialog und innere Sicherheit" in einer gemeinsamen
Ministererklärung festgehalten.
Für beide Veranstaltungsländer ist der Interkulturelle Dialog
aufgrund unterschiedlicher Gegebenheiten bereits seit langer Zeit ein
Thema: In Österreich hinsichtlich der sogenannten "Gastarbeiter", die
nach dem 2. WK geholt wurden, und der starken Zuwanderungswellen nach
dem Jugoslawienkrieg, und in Bosnien-Herzegowina in Hinblick auf die
multiethnische Zusammensetzung. Auch andere Staaten, insbesondere mit
kolonialer Vergangenheit wie etwa Frankreich oder Großbritannien,
haben die Bedeutung des interkulturellen Dialogs erkannt und setzen
entsprechende interkulturelle Maßnahmen. Durch die immer stärkere
internationale Vernetzung müssten sich zukünftig aber auch jene
Länder, die bisher aufgrund ihrer geographischen Lage oder Historie
noch keine Notwenigkeit eines vertieften Interkulturellen Dialogs
gesehen haben, dieser Problematik stellen, erklärte Fekter weiter.
"Auch wenn sich nationalen Situationen aufgrund der historisch
gewachsenen Struktur der multiethnischen Zusammensetzung
unterscheiden, gibt es einige gemeinsame Eckpunkte für einen
funktionierenden Interkulturellen Dialog: Ausreichende Kenntnis der
Sprache des Landes für die gegenseitige Verständigung, eine von allen
anerkannte Wertebasis und ähnlich gute Entwicklungsmöglichkeiten für
alle. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, ist der Weg zum sozialen
Frieden geebnet und wesentliche Anreize für Kriminalität,
Extremismus, Radikalisierung und damit letztlich für Terrorismus
fallen weg", so die Innenministerin, die in Österreich für die
Arbeiten zum Interkulturellen Dialog verantwortlich ist.
Gemeinsam mit Vertretern von Religionsgemeinschaften und aus
Wissenschaft und Wirtschaft wurde daher die Bedeutung gemeinsamer
europäischer Werte und des interkulturellen Dialogs im Alltag
diskutiert. "Entscheidend ist, dass sich die Bevölkerung sprachlich
und inhaltlich versteht. Das setzt neben den Sprachkenntnissen eine
gewisse Bildung und regelmäßige interkulturelle Kontakte voraus.
Darüber hinaus muss es verbindende allgemein akzeptierte Werte geben.
Dazu zählt aus meiner Sicht Respekt vor dem Gesetz, Achtung der
Demokratie und Ihrer Institutionen und die Einhaltung der
Menschenrechte sowie insbesondere die Gleichberechtigung von Mann und
Frau", erläuterte die Innenministerin.
Auch den Religionsgemeinschaften käme eine wesentliche Rolle als
Brückenbauer des interkulturellen Dialogs zu. So sollten sich die
Verantwortungsträger vor allem auf den Kern der jeweiligen Lehre
besinnen, der bei allen großen Religionen das Verbindende mit anderen
Religionen suche. Darüber hinaus sollten religiöse
Entscheidungsträger darauf hinwirken, dass Religionen nicht für
politische Zwecke missbraucht würden. Daneben sei aber natürlich auch
der Staat gefragt: Er müsse den Dialog mit den "verbindenden",
moderaten Vertretern aller Religionen suchen und fördern, die
Religionsfreiheit als individuelles Recht schützen und jeglichen
fundamentalen Druck auf die Gesellschaft unterbinden. Es darf keinen
Missbrauch von Religionen auf dem Rücken der Menschenrechte geben.
"Wie sensibel der Umgang mit Religionen - und insbesondere mit dem
Islam - durch den Staat ist, zeigen unter anderem die öffentlichen
Diskussionen etwa über Kopftuch- oder, ganz aktuell, Burkaverbote in
öffentlichen Einrichtungen. Hier geht es um Werte und Würde. Es
bedarf daher einerseits einer sachlich fundierten Debatte auf
europäischer Ebene unter Einbeziehung von Wissenschaft und
Zivilgesellschaft und andererseits vor allem auch eine entsprechend
objektive, untendenziöse Kommunikation aller Beteiligten. Denn eines
darf nicht vergessen werden: Es gibt, etwa in Bosnien-Herzegowina,
starke Elemente eines europäischen Islams, der eine Bereicherung für
unser gemeinsames Europa ist. Diesen gilt es zu fördern", so die
Innenministerin abschließend.
Rückfragehinweis:
Bundesministerium für Inneres
Mag. Gregor Schütze, Pressesprecher der Bundesministerin
Tel.: +43-(0)1 53126 2017
mailto:gregor.schuetze@bmi.gv.at
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