- 28.04.2010, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die hohe Kunst, alles falsch zu machen - von Michael Laczynski
In der Causa Griechenland hat es Angela Merkel versemmelt
Wien (OTS) - Es fällt nicht leicht, diese Bewertung abzugeben,
doch was wir in den vergangenen Wochen und Monaten im Zuge der
griechischen Schuldenkrise miterleben mussten, lässt sich nicht
anders beschreiben als ein politisches Versagen der Sonderklasse. Der
Frontalzusammenstoß von Egos, Machtkalkül und ökonomischen Tatsachen
und die daraus resultierende Blockade haben dazu geführt, dass aus
einer zugegebenermaßen ernsten Situation ein Horrortrip der
Sonderklasse wurde, an dessen Ende es nur Verlierer geben wird.
Die erste Sünde in der Causa Griechenland, die den Stein ins Rollen
gebracht hatte, war der Hochmut. Um nicht als Weicheier dazustehen,
haben sich die Mächtigen der EU lange Zeit geweigert, den in
Krisenfällen erprobten Internationalen Währungsfonds (IWF) zu Hilfe
zu rufen: Wo kämen wir denn hin, wenn uns irgendwelche Milchbubis aus
Washington ins Handwerk pfuschen! Und so kam es, dass Nicolas
Sarkozy, Angela Merkel und Konsorten den Pfusch selbst erledigten.
Zwischen Paris, Brüssel und Berlin wurde so lange rumgeeiert, bis
Finanzmärkte die Beteiligung des IWF erzwangen - und bis sich der
Eindruck verfestigt hat, die Union sei nicht in der Lage, mit ihren
eigenen Problemen fertigzuwerden. Eine deutlichere Einladung zu
Wetten gegen Athen hätte es nicht geben können.
Zweitens Angela Merkel: Angesichts ihrer beeindruckenden
innenpolitischen Performance ist es schwer zu glauben, doch bei
Griechenland hat es Deutschlands starke Frau gründlich versemmelt.
Ihr durchaus verständlicher Wunsch, auf Zeit zu spielen und die
Entscheidung auf einen Zeitpunkt nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen
am 9. Mai zu vertagen, ging nach hinten los. Je prekärer die Lage
wurde, desto klarer lehnte die deutsche Bevölkerung Hilfsgelder für
die "Schummel-Griechen" ((C) "Bild") ab. Jetzt ist die Stimmung so
aufgeheizt, dass eine ausgewogene Debatte kaum noch möglich scheint.
Diese Debatte muss aber geführt werden - nicht zuletzt deshalb, weil
sich die Einsätze durch das Zuwarten erhöht haben. Noch im Februar
hätte ein Hilfspaket von 45 Milliarden Euro die Wogen geglättet. Doch
mittlerweile reden wir von dreistelligen Milliardenbeträgen,
griechische Obligationen werden wie Ramsch gehandelt und mit Portugal
steht das nächste Mitglied der Eurozone in der Schusslinie.
Und an den Märkten wird nicht mehr darüber spekuliert, ob Athen in
die Zahlungsunfähigkeit rutscht oder nicht, sondern lediglich über
Zeitpunkt und Umfang des Defaults. Hut ab, Frau Merkel! Chapeau,
Monsieur Sarkozy!
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