• 24.04.2010, 18:25:37
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Außenseiter Heinz F." (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 25.04.2010

Graz (OTS) - Eine Wahl, bei der der Sieger feststeht, noch ehe
sie geschlagen ist, weil die Asymmetrie der Kandidaten zum Himmel
schreit, ist eine Unwahl. Das ist heute der Fall. Heinz Fischer wird
von der Mehrheit einer mutmaßlichen Minderheit als Bundespräsident
bestätigt werden.

Man wird den Ausgang bei nüchterner Betrachtung gutheißen,
gleichgültig, ob man sich aus Freudlosigkeit über das defizitäre
Angebot der Stimmabgabe entzieht, und gleichgültig, welchem
politischen Lager man sonst zuneigt.

Von den Kandidaten ist der Amtsinhaber jener, der dem Land und seinem
Ansehen am ehesten zumutbar ist. Diese Feststellung leitet sich aus
keiner ideologischen Verortung ab, sondern einzig aus dem
Anforderungsprofil des Amtes und dem Qualifikationsprofil der
Bewerber. Es ist eine banale Schnittmengenrechnung.

Wer Fischer schätzt, wird lustvoll rechnen, wer Vorbehalte hat,
widerstrebend. Das Ergebnis (zweier leerer Schnittmengen) bleibt
stets dasselbe. Im einen Fall ist es das Geschichtsbild, das mit dem
höchsten Amt inkompatibel ist, im anderen Fall das Frauenbild. Über
beide Bilder will man eigentlich nicht mehr reden müssen. Das Land
ist weiter. Das Ergebnis wird es widerspiegeln.

Es wird einen doppelten Boden haben und Fischer in eine wirre
Gemütslage stürzen. Fischer wird klar gewinnen und vermutlich sogar
in die Nähe von Kirchschlägers Wiederwahl-Rekordmarke von 80 Prozent
gelangen, und dennoch wird er in der eigentlichen Konfrontation
ebenso klar unterliegen. Entgegen anderslautenden Meldungen tritt
Fischer nicht gegen Rosenkranz und Gehring an, sondern gegen die
Großpartei der Nicht- und Ungültigwähler. Fischer ist Außenseiter.
Erstmals in der Geschichte der Volkswahl des Präsidenten dürfte die
Zahl der Verweigerer größer sein als die Zahl der Stimmen für den
Sieger. Es verrät einiges über die derzeitige geistige Verfassung der
ÖVP, dass sie diesem Sog durch die parteipolitisch motivierte Adelung
der Verweigerungsfarbe Weiß auch noch Vorschub leistete.

Das Verhalten der Galerie-Partei ist blamabel und kurzsichtig. Man
wird das zu befürchtende massive Fernbleiben der Wähler nicht primär
als Fischer-Verdrossenheit lesen, sondern als neuerlichen Ausdruck
tiefen Unbehagens über die Politik und ihre Handlungsunfähigkeit,
über die Unkultur des Verschleppens und Verschleierns. Die Bürger
empfinden Ohnmacht. Wie sie wählen, hat keinen Lenkungseffekt mehr.
Das ist das Empfinden. Fischer muss dieser Agonie viel entschlossener
entgegenwirken. Er ist der Aufsichtsratschef der Regierung, nicht
deren Schutzpatron.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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