• 23.04.2010, 19:54:28
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Zahltag für Griechenland und für Europa" (Von Stefan Winkler)

Ausgabe vom 24.04.2010

Graz (OTS) - In Ermangelung eines neuen König Midas, der der
Sage nach alles, was er anfasste, in Gold verwandelte, ersucht
Griechenland die EU und den Internationalen Währungsfonds nun also
doch um milliardenschwere Finanzhilfe.

Für Ministerpräsident Giorgios Papandreou, der sein Land aus eigener
Kraft aus dem Schuldenmorast ziehen wollte, war das gewiss keine
leichte Entscheidung, aber es war das einzig Richtige, was er tun
konnte. Die Hiobsbotschaft, dass das Loch in der Staatskasse der
bankrotten Griechen viel größer ist, als von Athen angegeben, hatte
auf den Märkten Verwirrung gestiftet. Das ließ Papandreou keine Wahl.
Er musste die Reißleine ziehen, und das ist gut so - gut für
Griechenland und gut für Europa.

Das griechische Fiasko hat den Euro ins Bodenlose stürzen lassen.
Jeder weitere Tag, den die Regierung in Athen sich mit schwindenden
Kräften weiter über den Abgrund gehangelt hätte, hätte die Bedrohung
für die anderen großen EU-Defizitsünder, für Portugal, Spanien,
Irland und Italien erhöht.

Ob das Rettungspaket wirkt, wird sich noch weisen. Glaubt man den
Ökonomen, stehen die Chancen aber nicht schlecht, dass Athen sich mit
den 45 Milliarden Euro von EU und Währungsfonds bis ins nächste Jahr
retten kann. Damit hätte Papandreou die Zeit, die er für seine
Reformen so sehr benötigt.

Aber welche Lehren soll die EU aus dem Debakel ziehen?

Es ist kein gutes Bild, das die Europäer in der griechischen Tragödie
abgegeben haben. Anstatt sofort zu handeln, schleppten sie sich
zunächst von einer halbherzigen Entscheidung zur nächsten, ehe sie
sich beim letzten Brüsseler Krisengipfel endlich zum Notfallplan
durchrangen. Dieses Zaudern hatte seine guten Gründe. Aber es hat die
Glaubwürdigkeit der EU in der Welt nicht erhöht, ja sogar zur
Verunsicherung der Märkte beigetragen.

Der Preis für die Rettung des ägäischen Patienten ist hoch. Die
strengen Spielregeln für die Euro-Zone wurden gelockert.

Es wirkt daher wie ein Hohn, wenn nun der letzte faule Zahlenzauber
aus Athen ruchbar wird. Solch Dreistigkeit darf nicht länger geduldet
werden. Will Europa einen stabilen Euro, muss es künftig hart
durchgreifen. Griechenland kann, ja muss zum abschreckenden Vorbild
werden. Athen braucht Hilfe. Die kriegt es. Aber der drakonische
Sparkurs, den die EU den Griechen dafür verordnet, muss allen
Defizitsündern die Lust aufs Schuldenmachen vergällen.

Zahltag ist - für Griechenland und für Europa. Aber das Spiel ist
nicht aus. Die Odyssee geht weiter. Nur die Zeit der Milde, die ist
hoffentlich vorbei.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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