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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Selbstverhöhnung per Eigenfaustwatsche" (Von Frido Hütter)

Ausgabe vom 23.4.2010

Graz (OTS) - Der ORF-Stiftungsrat hat eine neue Vorsitzende und
diese hat einen neuen Stellvertreter (siehe TV-Seiten). Und die
Parteien SPÖ und ÖVP haben eine neue Disziplin erfunden: die
Selbstverhöhnung.

Nicht einmal der bissigste Leitartikel könnte die beiden Altparteien
dermaßen bis zur Kenntlichkeit entstellen, wie sie es selbst und
freiwillig getan haben. - Hier die ganze Story: Jahrelang war der
Vorsitz in den Händen des liberal-konservativen, sehr besonnenen
Klaus Pekarek gelegen. Er war eigentlich von Jörg Haider entsandt
worden und unter der schwarzblauen Regierung zum Vorsitzenden
aufgerückt.

Als juristisch gebildeter Banker vermittelte er besonders in
ökonomischen ORF-Fragen einiges an Kompetenz, zudem war er allseitig
zugänglich und offenkundig um Wohl und Zukunft des Unternehmens
bemüht. Neun Jahre lang.

Da sich die realen Machtverhältnisse mittlerweile geändert hatten und
neun Jahre Vorsitz auch genug sind, einigten sich SPÖ und ÖVP darauf,
die Stiftungsratsspitze neu zu besetzen. Ein "Unabhängiger" sollte es
sein. Ganze vier Räte sind dieser raren Spezies zurechenbar. Da zwei
von ihnen auch ORF-Betriebsräte sind, verblieben eben noch zwei.
Immerhin genug, um daran zu scheitern.

Die ÖVP hatte sich auf den extrem konservativen Industriemanager
Alexander Hartig eingeschworen, dessen Nahverhältnis zum politischen
Muskelmann Erwin Pröll und zur Kronen Zeitung aktenkundig ist. Die
SPÖ wiederum bot den Langzeit-Rat Franz Küberl, Caritas-Präsident und
als Vertreter der Kirchen in diesem Gremium, an.

Der SPÖ schmeckte, aus welchen Gründen immer auch, Hartig nicht.
Obgleich man hört, Kanzler Werner Faymann hätte nichts gegen ihn
gehabt.

Für die ÖVP lehnte Klubobmann Karlheinz Kopf Küberl ab. Dessen Makel:
Er hatte in einigen Stiftungsratsabstimmungen seiner Vernunft den
Vorzug vor den Wünschen der ÖVP gegeben. Ein Unverlässlicher also
oder schlimmer noch, ein wirklich Unabhängiger.

Also kürte man per Kampfabstimmung die rote Arbeiterkämmerin Brigitte
Kulovits-Rupp zur Vorsitzenden und den schwarzen
Urheberrechtskaufmann Franz Medwenitsch zu ihrem Stellvertreter. Eine
klassische Proporzlösung, die noch dazu deutlich zeigt, dass
Fachkompetenz nicht die vorrangige Eigenschaft eines
ORF-Stiftungsrates sein muss.

Aus dem Fußball kennt man das Eigentor, nun muss wohl auch die
Eigenfaustwatsche in unseren Sprachschatz aufgenommen werden.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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