- 22.04.2010, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Aufgaben für den Aktionär der ersten Stunde - von Esther Mitterstieler
Der Staat hat auch eine Verantwortung als Unternehmer
Wien (OTS) - Vielleicht wird für die abgestellten Beamten in Post
und Telekom Austria ja doch bald alles gut. In so genannten
Jobcentern gefangen, sinkt ihr Produktivitätsgrad täglich. Dass
Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek im Interview mit dem
WirtschaftsBlatt daran festhält, 1000 dieser Beamten in den
öffentlichen Dienst zu holen, ist eine gute Nachricht. Allein: Bisher
sind nicht mehr als 200 Post- und Telekom-Bedienstete vor allem ins
Justizministerium gewechselt. Ob sich das bis Jahresende ausgeht, sei
dahingestellt.
Ein anderer Aspekt scheint so natürlich wie das Amen im Gebet. Da
werden staatsnahe Unternehmen wie eine Weihnachtsgans vom Aktionär
der ersten Stunde ausgenommen. Die Post schüttet eine Dividende aus,
die mit 101 Millionen Euro deutlich über dem erwirtschafteten
Konzerngewinn von 79,7 Millionen Euro liegt. Bei der Telekom Austria
(TA) lag die Ausschüttung wohlgemerkt auch - und leider schon fast
traditionell - über dem Nettogewinn. Auf gut Deutsch: Statt den Free
Cashflow zum Schuldenabbau zu verwenden, musste die TA - sicher nicht
nur aus eigenem Antrieb - die Aktionäre mit einer hohen Ausschüttung
beglücken. Dafür stutzte der Vorstand die Investitionen für das
laufende Jahr um 100 Millionen Euro zurück. Bei der Post gibt es
dickere Polster. Was die Unternehmen eint, ist ihr erster und
wichtigster Aktionär: die staatliche Holding ÖIAG.
Es mag manchen normal erscheinen, dass der Staat angesichts der
prekären Budgetsituation bei seinen Beteiligungen in die Kasse
greift, zumal er ja andere schon früher mächtig unterstützen (AUA)
oder sogar retten musste (Hypo Alpe Adria und Kommunalkredit).
Angesichts dessen mag es auch ungerecht erscheinen, den Staat
zurückzupfeifen, wenn er sich bei eigenen Unternehmen mit zu hohen
Dividenden bedient.
Genau hier liegt das Problem verborgen: Post und TA behalten die
Mitarbeiter, die zur Justiz wechseln, bis Ende Juni 2014 auf den
Gehaltslisten. Warum übernimmt sie der Staat nicht sofort, um seine
Dividendenbringer zu entlasten? So viel Verantwortung sollte der
Aktionär der ersten Stunde haben. Macht er so weiter, könnte Post und
TA ein Schicksal wie der AUA blühen. Es gibt also jede Menge zu tun -
von wegen sanierte AUA (Ex-AUA-Chef Alfred Ötsch Anfang 2008), von
wegen saniertes Budget.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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