Studie belegt: Hausapotheken bei jedem Arzt würden jährlich mehr als 62 Millionen Kilometer Einsparen

Ein Zusperren aller Hausapotheken würde eine Zusatzbelastung von über 100 Mio. km bewirken. Der dadurch entstehende CO2 Ausstoß würde um 14.000 Tonnen steigen.

Wien (OTS) - Erstmals wurde der ökologische Aspekt ärztlicher Hausapotheken untersucht. Wissenschafter des unabhängigen Energieinstitutes an der Johannes Kepler Universität Linz haben sich dafür drei Szenarien genauer angesehen:

  • Die Auswirkungen der aktuellen Ausweitung der Apothekenschutzzone von vier auf sechs Kilometer,
  • ein fiktives Zusperren aller Hausapotheken und
  • das von der NÖ Ärztekammer seit längerem geforderte allgemeine Dispensierrecht für HausärztInnen.

Für diese drei Szenarien wurden einerseits die sich verändernde Kilometerleistung als auch die Emissionen der Luftschadstoffe und der Treibhausgase berechnet. Der Präsident der NÖ Ärztekammer, OA Dr. Christoph Reisner, zeigt sich in der heutigen Pressekonferenz vom Ergebnis beeindruckt: "Die Zahlen belegen eindrucksvoll die Notwendigkeit einer zeitgemäßen Medikamentendistribution mit Hilfe ärztlicher Hausapotheken in Österreich. Durch den fiktiven Wegfall aller ärztlichen Hausapotheken in Österreich würde rein ökologisch betrachtet ein zusätzlicher Fahrtaufwand für die Bevölkerung von 103 Millionen Kilometern pro Jahr entstehen. Alleine die Emission an CO2 würde in diesem Fall um 14.000 Tonnen pro Jahr steigen."

Der Geschäftsführer des Energieinstitutes, DI Dr. Horst Steinmüller, erklärt zum Kontext der Studie: "Die Reduktion des Endenergieverbrauchs sowie die Steigerung der Energieeffizienz und die damit korrelierende Reduktion der Treibhausgasemissionen ist grundsätzlich als zentrales energie-, umwelt- und wirtschaftspolitisches Ziel der Europäischen Union, Österreichs und seiner Gebietskörperschaften zu bezeichnen. In diesem Kontext ist auch diese Studie zu betrachten."

Aktuelles Apothekengesetz führt in den nächsten Jahren zu starken ökologischen Belastungen

Können Medikamente künftig nicht wie bisher direkt vom Arzt aus der Hausapotheke bezogen werden, weil die Hausapotheke in der Apothekenschutzzone von sechs Kilometer liegt, wird sich das zusätzliche Verkehrsaufkommen in Folge eines Arztbesuchs oder einer Visite jährlich um 12,3 Millionen Kilometer erhöhen. Und das, obwohl die reduzierten Kilometer im Logistikprozess bereits berücksichtigt wurden. Der zusätzliche CO2 Ausstoß wird sich um 1.700 Tonnen erhöhen. "Das wahre Ausmaß dieser Analyse wird erst deutlich, wenn man das Szenario, bei dem alle Ärztinnen und Ärzte ihre Hausapotheke verlieren, mit dem Szenario, bei dem alle Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin eine Hausapotheke bekommen, vermengt und den Aufwand für die Bevölkerung umrechnet: Zwischen diesen beiden Extremsituationen liegen fast 170 Millionen Kilometer. Wenn man das mit dem amtlichen Kilometergeld sowie dem für diese Fahrten notwendigen Zeitaufwand in Relation setzt, errechnet sich die unglaubliche Summe von 200 Millionen Euro pro Jahr als Aufwand beziehungsweise Ersparnis für die betroffene Bevölkerung", fasst Präsident Dr. Reisner zusammen.

Studienergebnisse bestätigen die Forderung von Präsident Dr. Reisner nach einem Dispensierrecht für ÄrztInnen

Ein uneingeschränktes Dispensierrecht für alle HausärztInnen liefert aus ökologischer Sicht die besten Ergebnisse. Dazu Präsident Dr. Reisner: "Hätte jeder Hausarzt ein Dispensierrecht, hätte dies eine Reduktion des Mobilitätsbedarfs und somit auch eine Reduktion der Luftschadstoff- und Treibhausgasemissionen zur Folge. In diesem Szenario sinken die zurückgelegten Kilometer der Medikamentenbeschaffung in Folge eines Praxisbesuchs und in Folge einer Visite nach Berücksichtigung der höheren Kilometerleistung im Logistikprozess in ganz Österreich jährlich um 62,35 Millionen Kilometer." Als Konsequenz bedeutet dies, dass jährlich in Österreich durch ein uneingeschränktes Dispensierrecht für alle HausärztInnen der Verbrauch an Benzin um 877.000 Liter, der Verbrauch an Diesel um 1,14 Millionen Liter und der Verbrauch an Strom um 57.000 kWh reduziert wird. Somit werden jährlich in Österreich 5.188 Tonnen weniger an Kohlendioxid durch den verminderten Verkehrsbedarf emittiert.

"Unsere Forderung nach einem Dispensierrecht für Ärztinnen wird durch die Studienergebnisse in jedem Punkt bestätigt. Diese Studie reiht sich somit nahtlos in bestehende Fakten rund um die Themenbereiche ärztliche Hausapotheken und ärztliches Dispensierrecht ein. Es gibt nach wie vor kein einziges Argument gegen ärztliche Hausapotheken, mit dem gravierenden Umweltaspekt jedoch nun ein Argument mehr für ärztliche Hausapotheken. Ich appelliere daher zum wiederholten Mal an den Gesetzgeber, bei solchen gesundheitspolitischen Fragestellungen nicht ausschließlich der Lobby einzelner Berufsgruppen zu folgen. Eine Entscheidung in dieser Sachfrage darf nur unter Berücksichtigung der medizinischen Sachlage, der volkswirtschaftlichen Komponenten, der ökologischen Aspekte sowie vor allem der Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten getroffen werden. Die Institution ärztliche Hausapotheke stellt ein enorm wichtiges Glied in der Kette der Gesundheitsversorger dar, vor allem in den weiten ländlichen Regionen Niederösterreichs. Nur durch die Direktabgabemöglichkeit von Medikamenten durch Ärztinnen und Ärzte ist gewährleistet, dass leidende Menschen eine schnelle und sichere Versorgung mit den benötigten rezeptpflichtigen Medikamenten bei ihren Ärztinnen und Ärzten rund um die Uhr erhalten. Und das wird bei der immer älter werdenden Bevölkerung auch immer wichtiger", meint Präsident Dr. Reisner abschließend.

Die gesamte Studie "Energetische und ökologische Effekte der Änderung gesetzlicher Vorgaben zur Bewilligung einer ärztlichen Hausapotheke" sowie weitere Stellungnahmen finden Sie unter www.arztnoe.at.

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