- 21.04.2010, 12:40:23
- /
- OTS0193 OTW0193
Studie belegt: Hausapotheken bei jedem Arzt würden jährlich mehr als 62 Millionen Kilometer Einsparen
Ein Zusperren aller Hausapotheken würde eine Zusatzbelastung von über 100 Mio. km bewirken. Der dadurch entstehende CO2 Ausstoß würde um 14.000 Tonnen steigen.
Wien (OTS) - Erstmals wurde der ökologische Aspekt ärztlicher
Hausapotheken untersucht. Wissenschafter des unabhängigen
Energieinstitutes an der Johannes Kepler Universität Linz haben sich
dafür drei Szenarien genauer angesehen:
- Die Auswirkungen der aktuellen Ausweitung der Apothekenschutzzone
von vier auf sechs Kilometer,
- ein fiktives Zusperren aller Hausapotheken und
- das von der NÖ Ärztekammer seit längerem geforderte allgemeine
Dispensierrecht für HausärztInnen.
Für diese drei Szenarien wurden einerseits die sich verändernde
Kilometerleistung als auch die Emissionen der Luftschadstoffe und der
Treibhausgase berechnet. Der Präsident der NÖ Ärztekammer, OA Dr.
Christoph Reisner, zeigt sich in der heutigen Pressekonferenz vom
Ergebnis beeindruckt: "Die Zahlen belegen eindrucksvoll die
Notwendigkeit einer zeitgemäßen Medikamentendistribution mit Hilfe
ärztlicher Hausapotheken in Österreich. Durch den fiktiven Wegfall
aller ärztlichen Hausapotheken in Österreich würde rein ökologisch
betrachtet ein zusätzlicher Fahrtaufwand für die Bevölkerung von 103
Millionen Kilometern pro Jahr entstehen. Alleine die Emission an CO2
würde in diesem Fall um 14.000 Tonnen pro Jahr steigen."
Der Geschäftsführer des Energieinstitutes, DI Dr. Horst
Steinmüller, erklärt zum Kontext der Studie: "Die Reduktion des
Endenergieverbrauchs sowie die Steigerung der Energieeffizienz und
die damit korrelierende Reduktion der Treibhausgasemissionen ist
grundsätzlich als zentrales energie-, umwelt- und
wirtschaftspolitisches Ziel der Europäischen Union, Österreichs und
seiner Gebietskörperschaften zu bezeichnen. In diesem Kontext ist
auch diese Studie zu betrachten."
Aktuelles Apothekengesetz führt in den nächsten Jahren zu starken
ökologischen Belastungen
Können Medikamente künftig nicht wie bisher direkt vom Arzt aus
der Hausapotheke bezogen werden, weil die Hausapotheke in der
Apothekenschutzzone von sechs Kilometer liegt, wird sich das
zusätzliche Verkehrsaufkommen in Folge eines Arztbesuchs oder einer
Visite jährlich um 12,3 Millionen Kilometer erhöhen. Und das, obwohl
die reduzierten Kilometer im Logistikprozess bereits berücksichtigt
wurden. Der zusätzliche CO2 Ausstoß wird sich um 1.700 Tonnen
erhöhen. "Das wahre Ausmaß dieser Analyse wird erst deutlich, wenn
man das Szenario, bei dem alle Ärztinnen und Ärzte ihre Hausapotheke
verlieren, mit dem Szenario, bei dem alle Ärztinnen und Ärzte für
Allgemeinmedizin eine Hausapotheke bekommen, vermengt und den Aufwand
für die Bevölkerung umrechnet: Zwischen diesen beiden
Extremsituationen liegen fast 170 Millionen Kilometer. Wenn man das
mit dem amtlichen Kilometergeld sowie dem für diese Fahrten
notwendigen Zeitaufwand in Relation setzt, errechnet sich die
unglaubliche Summe von 200 Millionen Euro pro Jahr als Aufwand
beziehungsweise Ersparnis für die betroffene Bevölkerung", fasst
Präsident Dr. Reisner zusammen.
Studienergebnisse bestätigen die Forderung von Präsident Dr. Reisner
nach einem Dispensierrecht für ÄrztInnen
Ein uneingeschränktes Dispensierrecht für alle HausärztInnen
liefert aus ökologischer Sicht die besten Ergebnisse. Dazu Präsident
Dr. Reisner: "Hätte jeder Hausarzt ein Dispensierrecht, hätte dies
eine Reduktion des Mobilitätsbedarfs und somit auch eine Reduktion
der Luftschadstoff- und Treibhausgasemissionen zur Folge. In diesem
Szenario sinken die zurückgelegten Kilometer der
Medikamentenbeschaffung in Folge eines Praxisbesuchs und in Folge
einer Visite nach Berücksichtigung der höheren Kilometerleistung im
Logistikprozess in ganz Österreich jährlich um 62,35 Millionen
Kilometer." Als Konsequenz bedeutet dies, dass jährlich in Österreich
durch ein uneingeschränktes Dispensierrecht für alle HausärztInnen
der Verbrauch an Benzin um 877.000 Liter, der Verbrauch an Diesel um
1,14 Millionen Liter und der Verbrauch an Strom um 57.000 kWh
reduziert wird. Somit werden jährlich in Österreich 5.188 Tonnen
weniger an Kohlendioxid durch den verminderten Verkehrsbedarf
emittiert.
"Unsere Forderung nach einem Dispensierrecht für Ärztinnen wird
durch die Studienergebnisse in jedem Punkt bestätigt. Diese Studie
reiht sich somit nahtlos in bestehende Fakten rund um die
Themenbereiche ärztliche Hausapotheken und ärztliches Dispensierrecht
ein. Es gibt nach wie vor kein einziges Argument gegen ärztliche
Hausapotheken, mit dem gravierenden Umweltaspekt jedoch nun ein
Argument mehr für ärztliche Hausapotheken. Ich appelliere daher zum
wiederholten Mal an den Gesetzgeber, bei solchen
gesundheitspolitischen Fragestellungen nicht ausschließlich der Lobby
einzelner Berufsgruppen zu folgen. Eine Entscheidung in dieser
Sachfrage darf nur unter Berücksichtigung der medizinischen Sachlage,
der volkswirtschaftlichen Komponenten, der ökologischen Aspekte sowie
vor allem der Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten getroffen
werden. Die Institution ärztliche Hausapotheke stellt ein enorm
wichtiges Glied in der Kette der Gesundheitsversorger dar, vor allem
in den weiten ländlichen Regionen Niederösterreichs. Nur durch die
Direktabgabemöglichkeit von Medikamenten durch Ärztinnen und Ärzte
ist gewährleistet, dass leidende Menschen eine schnelle und sichere
Versorgung mit den benötigten rezeptpflichtigen Medikamenten bei
ihren Ärztinnen und Ärzten rund um die Uhr erhalten. Und das wird bei
der immer älter werdenden Bevölkerung auch immer wichtiger", meint
Präsident Dr. Reisner abschließend.
Die gesamte Studie "Energetische und ökologische Effekte der
Änderung gesetzlicher Vorgaben zur Bewilligung einer ärztlichen
Hausapotheke" sowie weitere Stellungnahmen finden Sie unter
www.arztnoe.at.
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Ärztekammer für Niederösterreich Michael Dihlmann Tel.: 0664/144 98 94 Mag. Birgit Jung 01/53 751-623 mailto:presse@arztnoe.at www.arztnoe.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AEN