- 21.04.2010, 09:39:07
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Mit angepasstem Gehörschutz Lärmschwerhörigkeit vorbeugen: AUVA unterstützt mit Modellprojekt
Wien (OTS) - Eine halbe Million Österreicherinnen und Österreicher
- rund ein Drittel der bei der AUVA versicherten Beschäftigten -
arbeitet an einem Lärmarbeitsplatz: in Burgenland, Niederösterreich
und Wien leben mehr als 200.000 Betroffene. Sie alle müssten einen
Gehörschutz tragen, um sich vor den tückischen Folgen der
Lärmschwerhörigkeit zu schützen. Dies ist leider nicht immer der
Fall, wie die Besuche der Mitarbeiter des Unfallverhütungsdienstes
und die Berufskrankheiten-Statistik zeigen. Mit der Aktion
"Angepasster Gehörschutz" will der Unfallverhütungsdienst der
AUVA-Landesstelle Wien mit Vorurteilen bei Lärmarbeitern aufräumen
und Firmen bei der Entscheidung zur Anschaffung unterstützen.
Ohne Schutz führt Arbeiten an einem Lärmarbeitsplatz unweigerlich
zu Schädigungen des Gehörs: Der Hörverlust beginnt im Hochtonbereich.
Er tritt weiters in jenen Frequenzen auf, die für die
Sprachverständlichkeit maßgeblich sind. Leider ist der Gehörverlust
irreversibel. Zum Schlecht-Hören kommen parallel oft noch weitere
Schädigungen wie beispielsweise des Zentralnervensystems (z.B.
Schlafstörungen), aber auch psychische Probleme (z.B. Leistungs-,
Konzentrationsschwächen) hinzu.
Die aktuell abgeschlossene Aktion "Angepasster Gehörschutz" bei
der Forster Metallbau GmbH. in Waidhofen an der Ybbs brachte eine
hohe Akzeptanz und Tragequote: Bei einem Besuch des
AUVA-Arbeitsmediziners kam das Thema "Persönlicher Lärmschutz" der
MitarbeiterInnen zur Sprache. Kein Wunder, stellt Forster selbst auch
Lärmschutzsysteme her. AUVA-Projektleiter Ing. Manfred Albich
präsentierte die Aktion der Geschäftsleitung und bekam grünes Licht.
Die Aktion lief rund ein Jahr in Bereichen, in denen es Probleme
mit dem Tragen von Gehörschutz gegeben hatte. Die AUVA übernahm die
Hälfte der Kosten für den angepassten Gehörschutz der elf Teilnehmer
und führte Befragungen in vier Wellen in einem Intervall von ein bis
zwei Monaten durch. Getestet wurden die Produkte von zwei Anbietern.
Die konkrete Lärmbelastung jedes Teilnehmers wurde gemessen, ein
Abdruck des Gehörganges gemacht, die Passform eines Models überprüft
und der Gehörschutz auf den jeweiligen Lärmpegel eingestellt. Wichtig
ist, dass beim angepassten Gehörschutz der Kunststoffabdruck gut,
ohne unangenehmen Druck sitzt, und Stimmen gut verständlich bleiben.
Die Auswertung der Fragebogen ergab, dass das Einsetzen des
angepassten Gehörschutzes als leicht bis sehr leicht sowie der
Tragekomfort als gut bis sehr gut empfunden wurden. In der Mehrzahl
wird der Gehörschutz zwei bis sechs Stunden am Tag getragen. Während
die meisten die Wahrnehmung von Warnsignalen als gut bis sehr gut
einstuften, gab es bei der Sprachverständlichkeit vier Bewertungen
"nicht gut".
Das Ergebnis: nach dem Auslaufen der Aktion kaufte die Forster
GmbH 40 Sets von angepasstem Gehörschutz an. Die Tragequote erhöhte
sich wesentlich.
Die AUVA-Aktion "Angepasster Gehörschutz" läuft seit neun Jahren
in Burgenland, Niederösterreich und Wien. Projektleiter Ing. Manfred
Albich erklärt die Modalitäten: "Lärmschwerhörigkeit zählt neben
Hauterkrankungen zu den häufigsten arbeitsbedingten
Gesundheitsschädigungen. Wir bieten Betrieben mit Lärmarbeitsplätzen
Modellprojekte an, um alle Lärmarbeiter mit einem adäquaten
persönlichen Gehörschutz auszustatten. Unser Projekt soll der
Geschäftsleitung als Entscheidungsgrundlage dienen. Die Hälfte der
Kosten, die bei der Anpassung des Gehörschutzes der ausgewählten
Projektteilnehmer entstehen, übernimmt die AUVA. Derzeit sind weitere
Modellprojekte bei mehreren Betrieben geplant."
Eine Aktion beim Baustoffhersteller Saint Gobain Isover Austria
mit 20 Teilnehmern in Stockerau im Jahr 2009 verlief ebenfalls
erfolgreich. Hier wurden Einsetzen, Tragen und Spürbarkeit sogar
überwiegend mit sehr gut eingestuft. Drei Mitarbeiter hatten Probleme
Gesprochenes und Geräusche im Umfeld zu verstehen. Auch Saint Gobain
Isover Austria hat für alle Mitarbeiter angepassten Gehörschutz
angekauft.
Angepasster Gehörschutz kostet rund 100 Euro pro Mitarbeiter und
kann zirka fünf Jahre verwendet werden. Zum Vergleich: Werden pro
Arbeitstag zwei Paar Dehn-Schaumstöpsel zu je 15 Cent benötigt,
ergibt das pro Jahr eine Summe von rund 60 Euro. Nach rund eineinhalb
Jahren kommt ein angepasster Gehörschutz somit billiger.
Die Unfallverhütungsexperten der Landesstelle Wien - Telefon (01)
33133-252 - stehen gerne für Beratung und Lärmmessungen in
Unternehmen zur Verfügung.
Im Internet sind folgende Merkblätter unter
http://www.auva.at > Service > Publikationen zu finden:
M 019: Auszug aus den gesetzlichen Bestimmungen für Lärmbetriebe,
M 069: Grundlagen der Lärmbekämpfung,
M 700: Gehörschützer.
Über die AUVA: Soziale Unfallversicherung für rund 4,5 Millionen
Versicherte
Bei der AUVA sind rund 4,5 Mio. Personen gesetzlich gegen
Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten versichert: 1,2 Mio. Arbeiter,
1,6 Mio. Angestellte, rund 400.000 Selbständige sowie 1,3 Mio.
Schüler und Studenten. Die AUVA Landesstelle Wien betreut mit zwei
Außenstellen in St. Pölten und Oberwart 42 Prozent aller Versicherten
der AUVA. Jährlich werden rund 170 Millionen Euro an finanziellen
Leistungen ausbezahlt. Die Wiener AUVA Unfallkrankenhäuser Meidling
und Lorenz Böhler versorgen pro Jahr rund 130.000 Verletzte und mehr
als 50 Prozent aller Unfallpatienten in Wien mit modernsten
medizinischen, technischen und pflegerischen Methoden.
Die AUVA finanziert ihre Aufgaben als soziale Unfallversicherung
überwiegend aus Pflichtbeiträgen der Dienstgeber. Diese zahlen 1,4
Prozent der monatlichen Bruttolohnsumme jedes Dienstnehmers (bis zur
Höchstbeitragsgrundlage von 4.110 Euro) als
Unfallversicherungsbeitrag ein.
Prävention ist die vorrangige Kernaufgabe der AUVA, weil sich
damit das Schadensgeschehen ursächlich beeinflussen lässt. Prävention
- also die Verhütung von Unfällen und die Vorbeugung von
Berufskrankheiten - senkt die Kosten für die weiteren Kernbereiche
Heilbehandlung, Rehabilitation und finanzielle Entschädigung von
Unfallopfern am wirksamsten. Die AUVA hat sich daher nie als
"Verwalter" von Arbeitsunfällen betrachtet oder sich darauf
beschränkt, "nur" die Haftung der Arbeitgeber im Falle von
Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten zu übernehmen. Die AUVA hat es
immer als ihre vorrangige Aufgabe angesehen, aktiv und offensiv
Arbeitsunfälle zu verhüten: etwa durch intensive Aufklärung über
Gefahren am Arbeitsplatz, Information oder Motivation der Arbeitgeber
und Arbeitnehmer, durch Forschung oder durch vorbeugende Betreuung
von besonders bedrohten Versicherten.
Rückfragehinweis:
Gabriela Würth, GWK, Tel.: 02242-38300, 0676-33 24 879 E-Mail: [email protected] Link zu Fotos Firma Forster: http://83.164.133.17/ims/mainview.do?showImageCollection=80 Link zu Fotos Firma Isover: http://83.164.133.17/ims/mainview.do?showImageCollection=81
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