- 16.04.2010, 22:34:40
- /
- OTS0314 OTW0314
Kardinal Schönborn zelebrierte Gedenkgottesdienst für die Opfer von Smolensk
Tausende Wiener Polen beteten im Stephansdom - Dank an das polnische Volk für sein Zeugnis für "Glauben, Freiheit, Würde" - Wiener Erzbischof erinnert an die Bedeutung von Katyn
=
Wien (OTS) - Wien, 16.04.10 (KAP) Im bis auf den letzten Platz
gefüllten Wiener Stephansdom zelebrierte Kardinal Christoph Schönborn
am Freitagabend einen Gedenkgottesdienst für die Opfer der
Flugzeugkatastrophe von Smolensk, bei der mit dem polnischen
Staatspräsidenten Lech Kaczynski weitere 95 Personen den Tod fanden.
Am Beginn des großteils in polnischer Sprache abgehaltenen
Gottesdienstes erinnerte der Wiener Erzbischof daran, dass Kaczynski
und die anderen Opfer auf dem Weg waren, um einer anderen Tragödie
des polnischen Volkes zu gedenken, des Massakers von Katyn. Der Name
Katyn stehe für die Ermordung von mehr als 20.000 polnischen
Soldaten, Polizisten, Lehrern, Universitätsprofessoren durch die
Schergen Stalins im Frühjahr 1940. Ein ausdrücklicher Beschluss der
engsten Mitarbeiter Stalins am 5. März 1940 habe den Massenmord
angeordnet. "Die Blutbäder fanden an verschiedenen Orten statt. Aber
der Wald von Katyn in der Nähe von Smolensk, wo rund 4.400 polnische
Gefangene ermordet wurden, ist bis heute im Bewusstsein der
polnischen Nation und der ganzen Welt Symbolort der Bluttat
geblieben", sagte Kardinal Schönborn wörtlich.
Das polnische Volk habe im 20. Jahrhundert noch mehr als andere
Völker unter den Untaten der totalitären Ideologien des
Nationalsozialismus und des Kommunismus leiden müssen, betonte der
Wiener Erzbischof und fügte hinzu: "Die Polen hatten gleichsam eine
Saison in der Hölle zu durchleiden, aber sie sind auch in den
härtesten Prüfungen Gott treu geblieben". Heute habe Polen seine
Freiheit wiedererrungen, auf die freilich durch die Katastrophe von
Smolensk ein dunkler Schatten gefallen sei.
In dieser traurigen Stunde sei es notwendig, einmal mehr daran zu
erinnern, was Europa Polen und dem polnischen Volk verdankt. Im
Bewusstsein des polnischen Volkes habe das Menschenbild des
Evangeliums, das von der unverlierbaren Würde des nach dem Bild
Gottes geschaffenen Menschen ausgeht, immer eine zentrale Rolle
gespielt, unterstrich Kardinal Schönborn. Dieses Menschenbild habe
letztlich auch die große "Solidarnosc"-Bewegung ausgelöst, die 1989
zur "Wende", zum Ende des Kommunismus und zur Überwindung der in
Jalta festgelegten Zweiteilung Europas geführt habe.
Wörtlich sagte der Wiener Erzbischof: "Glaube, Freiheit, Würde sind
die zentralen Begriffe der polnischen Geschichte und der polnischen
Kultur. In dieser Stunde der Trauer und des Mitgefühls empfinden wir
tiefe Dankbarkeit dafür, dass das polnische Volk immer ein so
großherziges Zeugnis für diese Werte gegeben hat und gibt".
Dechant Dariusz Schutzki sagte in seiner zweisprachigen Predigt, die
Grabesruhe des Waldes von Katyn, die Trauer eines jeden Hauses in der
polnischen Heimat, habe in Christus eine "Dimension des
Ostersonntags" erhalten. Der Tod der Opfer von Smolensk müsse ein
"Zeichen zum Nachdenken, zur Umkehr" sein.
Konzelebranten des Kardinals waren u.a. der Apostolische Nuntius,
Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, Kanonikus P. Edward Daniel und
der Seelsorger der polnischen Gemeinde, P. Zygmunt Waz. Unter den
tausenden Wiener polnischen Gläubigen, die sich im Stephansdom
versammelt hatten, trugen viele kleine polnische Fahnen mit
Trauerflor bei sich. An der Spitze der Ehrengäste waren der polnische
Botschafter Jerzy Mardanski, der Zweite Nationalratspräsident Fritz
Neugebauer und der frühere Bundeskanzler Wolfgang Schüssel.
Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Chor "Gaudete" der Wiener
polnischen Gemeinde gestaltet, angefangen vom ältesten polnischen
Osterlied "Zwyciezca smierci". Abgeschlossen wurde der Gottesdienst
mit dem Lied "Gott schütze Polen". Der Dank der polnischen Gläubigen
an Kardinal Schönborn und die Kirche von Wien für das Mitgefühl
angesichts der Katastrophe von Smolensk drückte sich in
langanhaltendem Applaus aus. (ende)
Rückfragehinweis:
Erzdiözese Wien, Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation
Tel. 01/515 52/35 91, E-Mail: [email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | EDW






