Meningokokken-Impfung: Der "Schlagzeilen-Erkrankung" vorbeugen!

Presse-Hintergrundgespräch mit Prof. Dr. Werner Zenz über Meningokokken, Risiko und Schutz - Zusammenfassung

Wien (OTS) - Anlässlich der kürzlich veröffentlichten Jahresdaten 2009 für Österreich und der Verfügbarkeit eines neuen Meningokokken-Impfstoffs gegen 4 der 5 wichtigsten Serogruppen (A, C, W-135 und Y) stand Prof. Dr. Werner Zenz von der Universitätskinderklinik Graz, einer der füh-renden Experten auf dem Gebiet der Meningokokken in Europa und Mitglied des Österreichischen Grünen Kreuzes für Gesundheit, der Presse für Hintergrundinformationen zu dieser heimtückischen Erkrankung zur Verfügung.

Erkrankung

Das Heimtückische an einer Meningokokken-Erkrankung schlägt sich in 2 Aspekten nieder: (1) Sie tritt plötzlich aus völliger Gesundheit heraus auf und (2) schreitet so rasant fort, dass binnen Stunden der Tod eintreten kann oder verheerende Folgeschäden verbleiben können (z.B. Taubheit, amputierte Gliedmaßen, geistige Behinderung, Nierenversagen, Anfallsleiden). - Für Ärzte ergibt sich daraus eine gefürchtete Situation, die Prof. Zenz anhand fotografisch dokumentierter Fallbeispiele veranschaulichte: "Eine seltene Erkrankung, die sehr schwierig zu diagnostizieren ist und nur ein kleines Zeitfenster für eine angemessene Therapie lässt. Laborergebnisse kommen diagnostisch zu spät und man kann neben den charakteristischen Hautblutungen nur von den unspezifischen klinischen Anzeichen ausgehen. - Eine frühzeitige Diagnose ist lebensrettend, aber nicht immer möglich. Jeder dieser Fälle macht dann Schlagzeilen. Die wirksamste Waffe wäre eine universelle Impfung, die gegen alle Stämme schützt - gegen 4 der 5 wichtigsten besteht dazu jetzt die Möglichkeit", so Prof. Zenz.

Serogruppen

Heute sind 12 unterschiedliche Arten (sog. Serogruppen) von Meningokokken-Bakterien bekannt, weltweit die 5 häufigsten sind A, B, C, W-135 und Y. In Österreich sind die Serogruppen B und C vorherrschend. Speziell in der Steiermark hat sich ein besonders aggressiver Stamm etabliert (ST-11 Komplex ET37), der für eine doppelt so hohe Sterblichkeitsrate verantwortlich ist. - "Die aktuellen Daten 2009 zeigen für die Steiermark einen Anstieg und sogar mehr Krankheitsfälle dieses Stamms als in ganz Großbritannien", verdeutlicht Prof. Zenz die Zahlen. - Insgesamt waren 2009 in Österreich 100 Meningokokken-Erkrankungen und 11 Todesfälle zu verzeichnen. Am meisten betroffen waren klassischerweise Kleinkinder (eher B-Fälle) und Jugendliche (eher C-Fälle).

Weltweite Verbreitung

Die Serogruppe A dominiert vorwiegend in Zentralafrika, Asien und Russland, die Serogruppe Y hat sich in den letzten Jahren in den USA und Kolumbien durchgesetzt. Die Serogruppe W-135 ist vor allem in Saudi-Arabien etabliert, von wo aus sie sich durch Mekka-Pilger weltweit verbreitet. In Europa, Kanada, Südamerika und Australien herrschen die Serogruppen B und C vor. Von den 5 Serogruppen ist bekannt, dass sich ihre geografische Verbreitung über die Zeit verändert. Zudem scheinen sie einigen Studien zufolge mit unterschiedlichen Sterblichkeitsraten verbunden zu sein (z.B. eine doppelt so hohe Sterblichkeit für den ET37 ST11-Stamm).

Übertragung

Meningokokken besiedeln eine Zeit lang den Nasen-Rachen-Raum von fast jedem Menschen irgendwann einmal im Leben - bei der Mehrheit unbemerkt und ohne eine Erkrankung auszulösen ("passive Träger"). Bei einigen wenigen treten die Bakterien jedoch in die Blutbahn ein, wo sie dann sehr rasch zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder/und Blutvergiftung (Sepsis) führen. Übertragen werden Meningokokken durch nahen Kontakt zu einem passiven Träger, z.B. beim Küssen, Anhusten oder Anschreien (etwa in der Disco). "Die höchste Trägerrate weisen mit 25-40% Jugendliche aufgrund ihres Sozialverhaltens auf, weshalb sie ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben und der Knotenpunkt der Keimverbreitung sind. - Also eine Altersgruppe, die durchgeimpft werden sollte", so Prof. Zenz.

Schutzimpfung

Gegen Meningokokken stehen 2 Klassen von Impfstoffen zur Verfügung: Die älteren Polysaccharid-Impfstoffe und die moderne Generation der Konjugat-Impfstoffe. Gegen Meningokokken C ("monovalent") stehen in Österreich 2 moderne Konjugat-Impfstoffe zur Verfügung, gegen Meningokokken ACWY ("tetravalent") konnte man bisher nur mit einem Polysaccharid-Impfstoff kurzfristig vorbeugen. Seit April 2010 ist der erste europaweit zugelassene Vierfach-Konjugatimpfstoff auch in Österreich verfügbar (ab 11 Jahre). - "Die Bedeutung dieser Neuheit liegt in der Technologie und deren grundsätzlichen Vorteilen", erklärt Prof. Zenz: "Im Gegensatz zu Polysaccharid-Impfstoffen sind Konjugat-Impfstoffe schon bei Säuglingen ab 2 Monaten hoch wirksam, bilden ein Immungedächtnis, haben eine längere Schutzdauer, können aufgefrischt werden und das passive Trägertum sanieren. Bei hoher Impfrate in der Bevölkerung kann letzteres zum sog. Herdenschutz führen, d.h. dass dann auch Ungeimpfte geschützt sind, weil sie nicht mehr von Trägern umgeben sind. - Solche Erfolge wurden in Ländern mit Meningokokken C-Impfprogrammen erzielt (z.B. Großbritannien, Belgien, Irland, Island, Niederlande, Spanien, Kanada). - Gegen Meningokokken B ist noch kein Impfstoff erhältlich, aber bereits in Entwicklung."

Der neue Vierfach-Impfstoff gegen Meningokokken ACWY (1 Impfung ist ausreichend) hat in direkten Vergleichsstudien gegenüber Polysaccharid-Impfstoffen deutlich bessere Antikörperspiegel erzielt. Zu empfehlen ist er gemäß Österreichischem Impfplan 2010 für Reisende und er kann für beruflich gefährdete Personen, sowie für die empfohlene Jugendimpfung im 11.-13. Lebensjahr verwendet werden. -"Für Jugendliche, die zu reisen beginnen, und Patienten mit Immundefekten stellt der neue Vierfach-Konjugatimpfstoff eine echte Verbesserung dar", schließt Prof. Zenz.

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Vereinigung zur Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsaufklärung
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