- 13.04.2010, 17:36:27
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Marek: Breiter Schulterschluss im Kampf gegen Kindesmissbrauch notwendig
Round Table im Familienministerium zum Thema Kindesmissbrauch als Startschuss für eine nachhaltige Entwicklung
Wien (OTS/BMWFJ) - "Wir wollen in die Zukunft blicken und Schritte
setzen, um Kindesmissbrauch möglichst zu verhindern bzw. sehr
frühzeitig zu erkennen. Es geht dabei um die drei wesentlichen
Bereiche Prävention, Reaktion und Sensibilisierung", betonte
Christine Marek, Staatssekretärin im Bundesministerium für
Wirtschaft, Familie und Jugend, heute, Dienstag, im Anschluss an den
Round Table zum Thema Kindesmissbrauch, zu dem sie gemeinsam mit
Justizministerin Claudia Bandion-Ortner rund 30 Expertinnen und
Experten aus den verschiedensten Bereichen ins Familienministerium
geladen hatte. Marek weiter: "Wir mussten das Rad heute nicht neu
erfinden. Unser Ziel war es, aufbauend auf den bereits entwickelten
Standards sowie den bestehenden Handlungskonzepten in den
unterschiedlichen Bereichen und Ebenen (Bund, Länder, Gemeinden,
Institutionen) aufzubauen."
Unmittelbarer Anlass für diesen Round Table waren die in jüngster
Vergangenheit bekanntgewordenen Missbrauchsfälle, die die
Öffentlichkeit sehr stark beschäftigen. Dabei gehe es aber bei weitem
nicht nur um Fälle in der Kirche allein, sondern auch um Fälle in den
Familien bzw. im familiären und sozialen Umfeld, betonte Marek. Thema
des Round Table seien aber ganz bewusst nicht die Aufarbeitung der
alten Fälle und allfällige Entschädigungszahlungen gewesen. Dennoch
gebe es die Zusammenarbeit und den regelmäßigen Austausch mit
Waltraud Klasnic, der Opferbeauftragten der katholischen Kirche,
gefördert.
Geplante Maßnahmen - Interdisziplinäres Expertengremium
Im Anschluss an die intensiven und sehr konstruktiven Gespräche
mit den geladenen Expertinnen und Experten informierte Marek über die
wichtigsten der gemeinsam erzielten Ergebnisse:
- Das Familienministerium wird ein interdisziplinäres Expertengremium
zur Verbesserung des Kinderschutzes zwischen Medizin und
Jugendwohlfahrt installieren, das im Mai 2010 seine Arbeit aufnehmen
wird. In diesem werden Familien-, Gesundheits- und Justizministerium
sowie die Datenschutzkommission des Bundeskanzleramtes, die
Abteilungen der Jugendwohlfahrt in den einzelnen Bundesländern,
Kinderschutzgruppen, die Ärztekammer und der Hauptverband der
Sozialversicherungsträger eingeladen sein. Ziele sind verbesserte
Kommunikation, Kooperation und Informationsaustausch mit dem Ziel der
Vertrauensbildung, verbesserte Diagnostik durch Aus- und
Weiterbildung der Ärzt/innen und des medizinischen Personals;
Verbesserung der Standards für die Arbeit der Kinderschutzgruppen;
der flächendeckende Einsatz von präventiven Instrumenten wie z.B. ein
Screening-Fragebogen sowie die Evaluierung der Kinderschutzarbeit in
den Kliniken.
- Weiters wurde beschlossen, ein Expertengremium einzuberufen, das
sich dem Thema "Sexueller Missbrauch in geschlossenen Institutionen"
(z.B. Schulen, Heimen etc.) widmen.
- Um den im Zusammenhang mit dem Erkennen von Missbrauch von Kindern
erforderlichen hohen Grad von Sensibilität und Know-How zu erreichen,
wird man weiters an Bildungsministerin Claudia Schmied herantreten,
um für alle Pädagog/innen eine verpflichtende Weiterbildung sowie die
Verankerung des Themas Kindesmissbrauch sowohl in der Aus- als auch
in der Fortbildung zu erreichen. Man wird Unterrichtsministerin
Schmied ersuchen, im Rahmen der Ausbildungspläne entsprechende
Vorkehrungen zu treffen. Für Kindergartenpädagog/innen wird man
gemeinsam mit dem BMUKK - nach dem Vorbild der bereits bestehenden
Unterrichtsmaterialien für Tourismusschulen zum Thema
"Kindersextourismus" - Unterrichtsmaterialien zum Thema
Kindesmissbrauch erarbeiten.
- Als weiteren Schritt kündigte Marek an, die bestehende Hotline der
MÖWE Kinderschutzzentren auszubauen. Diese steht ab sofort unter 0800
80 80 88 - zum Nulltarif aus ganz Österreich - allen Menschen zur
Verfügung, die von psychischer, physischer oder sexueller Gewalt
betroffen waren bzw. sind. Das gelte auch für deren Angehörige und
für alle, die einen Verdacht haben und nicht wissen, wohin sie sich
wenden sollen. Die Hotline ist an allen Werktagen, 10 Stunden
täglich, von 9.00 bis 19.00 Uhr erreichbar. Ganz bewusst ist hier
eine von der Kirche unabhängige Institution beauftragt worden.
- Außerdem wird die erst kürzlich neu aufgelegte Broschüre "(K)ein
sicherer Ort. Sexuelle Gewalt an Kindern" des Familienministeriums an
alle Kindergärten anlässlich der Implementierung des zusätzlichen
Moduls im Bildungsplan für 5-Jährige im Sommer 2010 bzw. September
2010 verteilt.
- Um den Ursachen für Kindesmissbrauch auf den Grund zu gehen und die
entsprechenden Rahmenbedingungen zu verbessern hat das
Familienministerium weiters beim Österreichischen Institut für
Familienforschung (ÖIF) eine Gewaltprävalenz-Studie in Auftrag
gegeben um beispielsweise folgenden Fragen nachzugehen: Wie viel
Gewalt erfahren die Menschen (in der Familie, im sozialen
Umfeld/Nahraum, durch Fremde) in welchen Formen, in welchen
situativen Umständen in welchem Ausmaß? Was für Folgen haben diese
Gewalthandlungen z.B. psychische Störungen, gesundheitliche Probleme
usw.? Ergebnisse werden im 1. Quartal 2011 vorliegen.
"Kinder sind unsere Zukunft: Kinder haben ein Recht darauf, ohne
Missbrauch aufwachsen zu können. Leider werden wir auch im 21.
Jahrhundert Missbrauchsfälle nie zu 100 Prozent verhindern können und
deshalb ist es auch wichtig, dass Kinder bei Missbrauchserfahrungen
von der Gesellschaft aufgefangen und betreut werden. Das gelingt uns
nur mit einem breiten Schulterschluss, zu dem wir heute den
Startschuss gegeben haben", betonte Marek abschließend.
Rückfragehinweis:
Bundesministerium für Wirtschaft,Familie und Jugend Staatssekretariat: DI (FH) Lukas Pohl Tel.: +43 (01) 711 00-5838 Presseabteilung: Dr. Harald Hoyer +43 (01) 711 00-2058 [email protected] www.bmwfj.gv.at
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