• 13.04.2010, 17:00:01
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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Aufschreien statt wegschauen" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 14.04.2010

Wien (OTS) - Der "Runde Tisch" zum Kindesmissbrauch droht sein
Ziel zu verfehlen. Diverse Gruppierungen und Parteien haben das
gestrige Treffen im Familienministerium genützt, um eigene Interessen
in den Vordergrund zu schieben.

Die Grünen und der Verband für Psychotherapie fordern einen
"Opferfonds", aus dem Therapien finanziert werden sollen. Das BZÖ
verlangt die Einbeziehung des Parlaments, die FPÖ will Opferverbände
dabei sehen.

Die Forderungen sind nicht unberechtigt, gehen aber am Kern vorbei.
Notwendig ist jetzt vor allem, dass Betroffene sich ihrer Opferrolle
nicht mehr schämen, sondern professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
Fast noch wichtiger ist, dass Tätern und möglichen Opfern von
vornherein klar wird, dass es um Verbrechen geht.

Das betrifft auch, aber keineswegs nur das kirchliche Umfeld. Die
meisten dieser Verbrechen spielen sich im engeren oder weiteren
Familienverband ab. Hier ist die Scheu der Betroffenen, der
ahnungsvollen Beobachter und der Mitwisser besonders groß.

Wenn der "Runde Tisch" dazu führt, dass sie alle künftig aufschreien
und nicht wegschauen oder still leiden, wäre schon viel erreicht.

Rückfragehinweis:
Vorarlberger Nachrichten, Chefredaktion, Tel.: 0664/80588382

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