• 12.04.2010, 16:05:10
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KURIER"-Kommentar von Christoph Kotanko: "Wahlzettel, Denkzettel"

Weiß wählen bedeutet: Protest. Auch der ist lupenrein demokratisch.

Wien (OTS) - Die Grünen empfehlen ihren Anhängern, bei der
Bundespräsidentenwahl für den Sozialdemokraten Fischer zu stimmen.
Sie tun das nicht aus voller inhaltlicher Überzeugung, sondern aus
"staatspolitischer Verantwortung" in einer "Sondersituation" - so die
gewundene Erklärung von Parteichefin Eva Glawischnig.
Nun, die Grünen haben diese "Sondersituation" selbst verschuldet,
indem sie sich vor einer eigenen Kandidatur drückten. Alexander Van
der Bellen wäre ein respektabler Bewerber gewesen. Dass er nicht
gewonnen hätte, kann kein Argument fürs Fernbleiben sein. Sollte
nur noch kandidieren, wer positive Umfragen hat? Werden Wahlen
künftig von den Meinungsforschern vorentschieden?
In noch größerer Verlegenheit ist, ebenfalls selbst verschuldet,
die ÖVP. Sie nennt sich staatstragend, tritt aber beim Wettbewerb um
das höchste Amt im Staat nicht an. Es fehlt das Geld, der Mut - oder
beides.
Viele Schwarze, und nicht nur sie, werden diesmal weiß (ungültig)
wählen. Sie verzichten nicht auf das Wahlrecht, diese große
demokratische Errungenschaft. Sie bringen gleichzeitig ihren
Protest gegen das Angebot zum Ausdruck. Das hat keinen Einfluss auf
das Ergebnis - doch es ist ein Zeichen an zögerliche Parteiführungen.

Rückfragehinweis:
KURIER, Chefredaktion
Tel.: (01) 52 100/2601

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