- 12.04.2010, 14:12:02
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Ganztagsschule braucht pädagogische Schulhaussanierungen
Wie Schulen für den Ganztagsbetrieb baulich umzurüsten sind
Wien (OTS) - Die Unterrichtsministerin hat den Ausbau der
Ganztagsbetreuung ankündigt und in Wien plant man nach dem
Bürgervotum pro Ganztagsschule die Schaffung eines flächendeckenden
Angebots. Doch für einen erfolgreichen und den kindlichen
Bedürfnissen entsprechenden Ganztagsschulbetrieb reichen politische
Entscheidungen alleine nicht aus. Es müssen nicht nur zahlreiche
organisatorische Fragen geklärt werden, sondern auch die Schulhäuser
für den Ganztagsbetrieb umgerüstet werden.
Schule spielt sich in Österreich - wie auch in den meisten anderen
europäischen Ländern - auch heute noch großteils in den klassischen
Unterrichtsräumen ab: rund 25 Kinder oder Jugendliche in einem Raum,
Zweiertische, oft in frontaler Aufstellung zur Tafel orientiert, für
Vortrags- und so manche Arbeitssituationen recht gut geeignet.
Aber: wenn unsere Kinder den ganzen Tag an diesem Ort verbringen
sollen, brauchen sie neben einer adäquaten Mittagsverpflegung auch
Bereiche, die dem "Zuhause" nahe kommen - wohnliche Erholungsbereiche
und individuelle Rückzugsnischen. Auch Erwachsenen wird kaum
zugemutet, den ganzen Tag in der Gruppe zu verbringen. Diese
Bereiche, die auch der modernen Pädagogik und der Arbeit in
Kleingruppen entgegenkommen würden, fehlen in den meisten Schulen im
Lande.
Unter "Ganztagsschule" werden derzeit noch immer zwei
unterschiedliche Organisationsformen verstanden. Die einen denken an
Vormittagsunterricht und optionale Nachmittagsbetreuung, oft auch nur
für einige wenige SchülerInnen pro Standort. Dafür werden zusätzliche
Freizeiträume gebaut, die sich vor allem in Punkto Möblierung von den
Unterrichtsräumen unterscheiden - zweifelsohne eine Verbesserung
gegenüber dem ganztägigen Aufenthalt im Klassenzimmer, jedoch mit dem
Nachteil, dass die Räume "doppelt" geschaffen werden müssen und
wechselweise leer stehen.
Ganztagsschule im eigentlichen Sinn ist die so genannte
"verschränkte Form", bei der über den Tag verteilt Lern- und
Freizeitphasen wechseln. Dafür müssen die Räume diesen (raschen)
Wechsel ermöglichen und Arbeits- und Erholungsbereiche anbieten;
entsprechende Umstrukturierungen der Schulgebäude sind notwendig. So
genannte pädagogische Schulhaussanierungen wären bei entsprechender
fachlicher Expertise an den meisten Standorten möglich, sofern im
Schulhaus oder am Grundstück entsprechende räumliche Reserven gegeben
sind.
Ganztagsschule bedeutet nicht nur für Kinder, sondern auch für
Lehrerinnen und Lehrer einen deutlich verlängerten Aufenthalt am
Arbeitsplatz; die Schulhaussanierung in Richtung Ganztagsbetrieb muss
auch entsprechende Lehrerarbeits- und -aufenthaltsräume sowie
Bereiche für Team- und Elternbesprechungen umfassen.
In der kindlichen Entwicklung spielt Bewegung eine zentrale Rolle,
weshalb entsprechende Angebote im Ganztagsschulbetrieb nicht fehlen
dürfen. Viel wird in letzter Zeit über gesundheitliche Probleme
unserer Kinder und Jugendlichen gesprochen; der Ganztagsschule wird
künftig auch diesbezüglich eine hohe Verantwortung zukommen. Ein
abwechslungsreiches und vielseitiges Bewegungsangebot über den
klassischen Sportunterricht hinaus muss zur Verfügung gestellt
werden. Schule darf in diesem Zusammenhang nicht auf den Innenraum
beschränkt bleiben, sondern muss auch Outdoorbereiche und den
Aufenthalt an der frischen Luft beinhalten. Im Schulbau, insbesondere
bei ganztägigem Betrieb, muss künftig auch dem Freiraum in Form von
Schulgarten und -hof vermehrt Beachtung geschenkt werden; er ist Ort
für Erholung und Ausgleich, Bewegung und soziales Lernen. Ebenso kann
er Outdoor-Lernraum und Atelier sein.
Beratung in all diesen Fragen bietet das Österreichische Institut
für Schul- und Sportstättenbau, ÖISS, www.oeiss.org
Rückfragehinweis:
Österreichisches Institut für Schul- und Sportstättenbau
DI Karin Schwarz-Viechtbauer, DI Brigitte Rabl
Tel.: +43 1 505 88 99
mailto:[email protected]
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