• 11.04.2010, 19:23:02
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Jungwähler, ihr habt keine Wahl, also nützt sie" (Von Frido Hütter)

Ausgabe vom 12.4.2010

Graz (OTS) - In zwei Wochen werden die Österreicher zur Wahl
gebeten. Das ranghöchste Amt im Staat ist zu besetzen. Für Demokraten
ein Pflichttermin, möchte man meinen.

Nun haben Meinungsforscher Studien veröffentlicht, denen zufolge am
25. März mit einer Wahlbeteiligung - oder sollte man sagen:
Wahlverweigerung - von bis zu 50 Prozent gerechnet werden könne. Zum
Vergleich: Bei den Bundespräsidentschaftswahlen 2004 hatten sich
immerhin noch 71,6 Prozent der Wahlberechtigten zu den Urnen bemüht.

Es gibt zwei Möglichkeiten, bei einer Wahl seine Unzufriedenheit
auszudrücken: Gar nicht erst hinzugehen oder den Wahlzettel
unbeschriftet, also "weiß", in die Urne gleiten zu lassen.

Letzteres ist naturgemäß unbefriedigend, Ersteres unanständig. Allen,
die ihre Wahlmöglichkeit total ignorieren, sei in Erinnerung gerufen,
dass der lange Weg vom Absolutismus zur parlamentarischen Demokratie
mit Blut, Tod und Tränen markiert ist. So eine Errungenschaft darf
man nicht durch Ignoranz aufs Spiel setzen.

Dass man indes in der Stille der Zelle darauf verzichtet, irgendeinem
Kandidaten sein Kreuz zu schenken, ist diesmal schon eher
verständlich. Zum Beispiel, wenn man sich als rechtskonservativ
versteht. Dann hat man die Wahl zwischen einer Dame, die vom eigenen
rechten Parteichef als zu rechts empfunden wird, und einem Herrn,
dessen christliches Engagement selbst der Amtskirche Unbehagen
bereitet. Das mag man als Qual empfinden, Wahl ist das keine.

Also kann man entweder weiß wählen oder dem Amtsinhaber bestätigen,
dass er seinen Job eh ganz gut gemacht hat. Sexy ist das alles nicht.

Nun versetze man sich in die Lage 16-jähriger Erstwähler. Die waren
gerade zehn, als Heinz Fischer sein Amt antrat, können also
vermutlich kaum beurteilen, ob seine Arbeit mit ihrer
Fortsetzungsmöglichkeit honoriert werden soll. Bleiben noch
Rosenkranz und Gehring. Dass eine/r von beiden Jungwähler anspricht,
ist äußerst unwahrscheinlich.

Man kann sich schon jetzt das Gegreine über die angebliche
Politikverdrossenheit der Jugend vorstellen. Was für eine
Verlogenheit: Erst bietet man keine Möglichkeiten, dann beklagt man,
dass sie nicht genutzt würden.

Dennoch: Liebwerte Jungwähler, auf zur Urne. Denn wie sagte Friedrich
Torberg? "Wer sich nicht um Politik kümmert, muss damit rechnen, dass
sich die Politik alsbald um ihn kümmert." Und das ist niemandem zu
wünschen, wie uns die Erfahrung lehrt.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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