Kinderschutz-Expertin fordert offenen Umgang mit Tabuthema Missbrauch

"Möwe"-Präsidentin Fasslabend sieht in der falschen Reaktion der Kirche auf Missbrauch ein "Spiegelbild" der fehlenden gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Problem

Wien, 08.04.10 (KAP) Zur Enttabuisierung des Problems von sexuellem Missbrauch in der Gesellschaft hat die Präsidentin der Kinderschutzzentren "die möwe", Martina Fasslabend, aufgerufen. "Ich stelle immer wieder fest, dass noch immer eine sehr große Unwissenheit und sehr starke Tabuisierung da ist", sagte Fasslabend am Mittwochabend bei einer Diskussionsveranstaltung des "Verbandes katholischer Publizistinnen und Publizisten" in Wien. Die Bevölkerung müsse stärker über das Problem Missbrauch informiert werden, so Fasslabend: "Nur so kann man in Zukunft früher Hilfe für Opfer leisten und Opfer verhindern."

Die Verjährungsfristen für schweren sexuellen Missbrauch sind für Fasslabend "im Moment ausreichend". Für einen "vorsichtigen" Umgang plädierte sie zudem in Sachen Anzeigepflicht. "Meldepflicht bei der Jugendwohlfahrt ja, Anzeigepflicht erst nach reiflicher Überlegung und nach Abklärung", betonte die "Möwe"-Präsidentin. Durch eine Meldepflicht bei einem begründeten Missbrauchsverdacht könnte die Jugendfürsorge den Fall abklären und dann immer noch entscheiden, ob eine Anzeige erfolgen müsse, so Fasslabend.

Gegen eine Anzeigepflicht für Beratungs- und Ombudsstellen sprach sich indes der Leiter der Ombudsstelle der Erzdiözese Wien, der Psychiater Prof. Johannes Wancata, aus. "Wenn für Ombudsstellen eine Anzeigepflicht entstünde, würden sich viele Opfer überlegen, ob sie sich melden, wenn sie wissen, dass das Ganze am nächsten Tag beim Staatsanwalt liegt", gab Wancata zu bedenken. Anders sei die Situation hingegen bei Arbeitgebern wie Schulen, Sportvereinen oder der Kirche. Würden diesen Verdachtsmomente gegen einen Mitarbeiter bekannt, könne er sich eine Anzeigepflicht vorstellen, so Wancata.

Informationen im Internet: www.ombudsstellen.at

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