- 08.04.2010, 13:11:51
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Kinderschutz-Expertin fordert offenen Umgang mit Tabuthema Missbrauch
"Möwe"-Präsidentin Fasslabend sieht in der falschen Reaktion der Kirche auf Missbrauch ein "Spiegelbild" der fehlenden gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Problem
Wien, 08.04.10 (KAP) Zur Enttabuisierung des Problems von sexuellem
Missbrauch in der Gesellschaft hat die Präsidentin der
Kinderschutzzentren "die möwe", Martina Fasslabend, aufgerufen. "Ich
stelle immer wieder fest, dass noch immer eine sehr große
Unwissenheit und sehr starke Tabuisierung da ist", sagte Fasslabend
am Mittwochabend bei einer Diskussionsveranstaltung des "Verbandes
katholischer Publizistinnen und Publizisten" in Wien. Die
Bevölkerung müsse stärker über das Problem Missbrauch informiert
werden, so Fasslabend: "Nur so kann man in Zukunft früher Hilfe für
Opfer leisten und Opfer verhindern."
Die Verjährungsfristen für schweren sexuellen Missbrauch sind für
Fasslabend "im Moment ausreichend". Für einen "vorsichtigen" Umgang
plädierte sie zudem in Sachen Anzeigepflicht. "Meldepflicht bei der
Jugendwohlfahrt ja, Anzeigepflicht erst nach reiflicher Überlegung
und nach Abklärung", betonte die "Möwe"-Präsidentin. Durch eine
Meldepflicht bei einem begründeten Missbrauchsverdacht könnte die
Jugendfürsorge den Fall abklären und dann immer noch entscheiden, ob
eine Anzeige erfolgen müsse, so Fasslabend.
Gegen eine Anzeigepflicht für Beratungs- und Ombudsstellen sprach
sich indes der Leiter der Ombudsstelle der Erzdiözese Wien, der
Psychiater Prof. Johannes Wancata, aus. "Wenn für Ombudsstellen eine
Anzeigepflicht entstünde, würden sich viele Opfer überlegen, ob sie
sich melden, wenn sie wissen, dass das Ganze am nächsten Tag beim
Staatsanwalt liegt", gab Wancata zu bedenken. Anders sei die
Situation hingegen bei Arbeitgebern wie Schulen, Sportvereinen oder
der Kirche. Würden diesen Verdachtsmomente gegen einen Mitarbeiter
bekannt, könne er sich eine Anzeigepflicht vorstellen, so Wancata.
Informationen im Internet: www.ombudsstellen.at
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