- 30.03.2010, 13:52:58
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Missbrauch: Kirchliche Ombudsstellen werden stark genützt
Diözesane Einrichtungen für Opfer im kirchlichen Bereich verzeichneten seit Jahresbeginn insgesamt 566 Kontakte - Wiener Ombudsstellenleiter Wancata: Beweis für Vertrauen in seriöse Betreuung
Wien-Graz, 30.03.10 (KAP) Die kirchlichen Ombudsstellen für Opfer
sexuellen Missbrauchs werden stark genützt. Die Gespräche, die die
dort engagierten Fachleute mit Opfern, Mitwissern und Tätern führen,
sind seit Jahresbeginn in allen neun Diözesen enorm angestiegen:
Seit 1. Jänner 2010 wurden insgesamt 566 Kontakte per Telefon oder
E-Mail verzeichnet, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten
kirchlichen Statistik hervorgeht.
Der Leiter der Ombudsstelle der Erzdiözese Wien, der Psychiater
Prof. Johannes Wancata, sieht hinter diesen Zahlen auch einen
Vertrauensbeweis: Die Betroffenen hätten offenbar das "Gefühl,
adäquat betreut zu werden", so Wancata am Mittwoch im Gespräch mit
"Kathpress".
Wurden im gesamten Jahr 2009 in der personell am besten
ausgestattete Wiener Ombudsstelle 17 Kontakte (davon acht erhärtete
Verdachtsfälle) registriert, so vermeldete Wancata heuer bis dato
mehr als zehn Mal so viele, nämlich 174. Die allermeisten davon, so
Wancata am Dienstag gegenüber "Kathpress", entfallen auf die Zeit
vor 1993 und sind somit höchstwahrscheinlich rechtlich verjährt.
Ähnlich ist die Situation in anderen Diözesen: In Innsbruck meldeten
sich bei der Ombudsstelle seit Jahresbeginn 115 Personen, in Linz
78, in Graz-Seckau 63, in der Erzdiözese Salzburg 55. Es folgen
Eisenstadt mit 29 Kontakten, St. Pölten mit 22, Gurk-Klagenfurt mit
16 und Feldkirch mit 14.
Rund ein Viertel der gemeldeten Fälle beziehen sich auf sexuelle
Übergriffe und auf Gewalttätigkeiten, in knapp der Hälfte der
Kontakte ist eine auch ungenaue Differenzierung jedoch noch nicht
möglich.
Künftig wird die katholische Kirche monatlich Zahlen über die in den
Ombudsstellen verzeichneten Kontakte bekannt geben.
Mehr auf www.kathpress.at (forts. mgl.) rme/pwu/
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