• 28.03.2010, 13:14:06
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Schönborn holt Waltraud Klasnic...(3)

"Eindeutig auf Seite der Opfer"

Wien (OTS) - Zur Frage nach den Ursachen von sexuellem Missbrauch
und Gewalt in der Kirche erinnerte Kardinal Schönborn daran, dass
leider überall Gewaltbereitschaft vorhanden sei. Freilich gebe es
keine "bessere Schule" zum Umgang mit Gewalt als das Evangelium:
"Jesus geht konsequent den Weg der Gewaltlosigkeit, er steht
eindeutig auf der Seite der Opfer. Leider hat das seine Gemeinschaft,
die Kirche, oft sträflich vernachlässigt".

Der Zölibat könne gut oder schlecht gelebt werden, er sei aber nicht
die eigentliche Ursache des Missbrauchs, betonte der Kardinal. Wo
Priester Probleme mit der Ehelosigkeit haben und in Beziehungen
leben, werde ernsthaft mit ihnen geredet und vor allem die Frage
gestellt: Wie lebst du mit der Doppelmoral? Diese Doppelmoral sei ein
"Unrecht", auch für die Partnerin des Priesters.

Als Ordinarius für die Katholiken des byzantinischen Ritus in
Österreich sei er auch für verheiratete Priester mit Familie
zuständig, erinnerte Kardinal Schönborn. Er sehe deshalb, dass sowohl
eheloses als auch in eine Ehe eingebundenes Priestertum eine große
Herausforderung sei.

Im Hinblick auf die hierarchische Struktur der Kirche sagte der
Wiener Erzbischof, dass es den Missbrauch geistlicher Macht im
Verlauf der Kirchengeschichte in verschiedener Form gegeben habe und
gebe. Die hierarchische Struktur gehe auf Jesus zurück, der die
Apostel berufen habe. Aber zugleich sei klar, dass die Kirche die
Freiheit fördern und die "emanzipatorische Kraft" des Evangeliums in
den Vordergrund stellen müsse. "Wo dies unterbleibt, ist
Reformbedarf", betonte der Kardinal. Die "entscheidende Reform"
orientiere sich an der Frage: "Entsprechen wir der Botschaft Jesu
Christi"?

Zu den Gewaltvorwürfen gegen den Vorarlberger Bischof Elmar Fischer
wollte sich Schönborn auf Grund der mangelnden Detailinformationen
nicht äußern. Tatsache sei, dass in der Pädagogik ein Umdenken in
Richtung Gewaltfreiheit und ein stärkerer Blick auf die Kinder
erfolgt sei. Zugleich ließ der Wiener Erzbischof keinen Zweifel
daran, dass er diesen Wechsel zutiefst begrüßt: "Gott sei Dank ist in
der österreichischen Gesellschaft endlich etwas anders geworden.
Prügel und g?sunde Watschen sind keine pädagogischen Methoden mehr".
Es sei "töricht", Einstellungen, die vor 40 oder 50 Jahren noch gang
und gäbe waren, heute rechtfertigen zu wollen. Er habe in seiner
eigenen Schul-Laufbahn in der Volksschule und im Gymnasium prügelnde
Lehrer erlebt und sei schon damals über diese Methode und die
Gleichgültigkeit von Vorgesetzten und Eltern zutiefst empört gewesen.
(forts)

Rückfragehinweis:
Erzdiözese Wien, Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation
Tel: 01/51552/3591
E-Mail: [email protected]

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