- 28.03.2010, 09:01:01
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"trend": UniCredit-Chef Alessandro Profumo lehnt Bilanzsteuer ab
Profumo warnt vor Belastungen für Banken, die Erlöse einer Steuer sollen in einen Rettungsfonds fließen. Ein Ausgliedern des Österreich-Geschäfts der Bank Austria ist nicht geplant.
Wien (OTS) - Im ersten Interview gegenüber einem österreichischen
Medium seit Beginn der Finanzkrise hat sich der Chef der
italienischen Großbank UniCredit, Alessandro Profumo, skeptisch zur
Lage der Weltwirtschaft geäußert: "Technisch gesprochen ist die
Rezession vorbei und die Wirtschaft wächst wieder. Aber die
Konjunktur ist schwach und muss weiter unterstützt werden", sagt
Profumo in der am Montag erscheinenden Ausgabe des
Wirtschaftsmagazins "trend": "Was mir große Sorgen bereitet, ist die
hohe Arbeitslosigkeit. Das Wachstum ist zu gering, um Jobs zu
kreieren. Außerdem stehen wir vor dem Problem, wie die stimulierenden
Maßnahmen der Regierungen und der Notenbanken zurückgefahren werden
sollen, ohne die Wirtschaft abzuwürgen." Die Konjunkturpakete hätten
jedoch das Schlimmste verhindert: "Immerhin: Die Welt ist nicht
untergegangen. Ich will nicht wissen, was ohne diese Interventionen
passiert wäre." Klar sei jedoch, dass die Last umverteilt wurde: "Es
hat einen Tausch von privaten Schulden zu öffentlichen Schulden
gegeben."
An ein Auseinanderbrechen der Eurozone durch die Probleme
Griechenlands glaubt der UniCredit-Chef nicht: "Im Gegenteil: Die
positive Seite der Krise ist doch, dass wir erkennen, dass wir mehr
Europa brauchen und nicht weniger. Die Probleme können nur gemeinsam
und durch konzertiertes Vorgehen gelöst werden. Wir sehen, dass wir
eine gemeinsame europäische Lösung brauchen, egal wie sie aussieht,
weil einzelstaatliche Maßnahmen in einem globalisierten Finanzmarkt
nicht funktionieren. Das ist sehr gut so. Alleine die Debatte per se
ist gut."
Was die anstehende Regulierung der Bankbranche betrifft, fordert
Profumo vor allem eine bessere Aufsicht: "Das Wichtigste im
Bankgeschäft sind die Reputation und das Vertrauen der Kunden. Die
haben durch die Krise massiv gelitten. Jetzt muss als erstes, durch
eine bessere und glaubwürdige Aufsicht, die Reputation der Banken
wiederhergestellt werden. Die Ideen zu einer gemeinsamen,
europäischen Bankenaufsicht sind daher richtig." Alle Banken
bräuchten weltweit die gleichen Rahmenbedingungen.
Profumo, der auch Präsident des Europäischen Bankenverbandes ist,
warnt vor einer weiteren Erhöhung der Eigenkapitalerfordernisse: "Das
ist ein Punkt, bei dem man wirklich sehr vorsichtig sein muss. Die
Eigenkapitalquoten der Banken sind in den vergangenen Jahren bereits
deutlich angestiegen. Ich glaube, wir brauchen nicht mehr Kapital,
wir brauchen eine bessere Aufsicht. Nur weil ein Flugzeug in einen
Berg fliegen kann, heißt das nicht, dass man das Fliegen verbietet,
sondern dass die Luftraumüberwachung besser organisiert werden muss.
Man kann etwa sagen, Du darfst nicht mehr auf 8000 Metern fliegen,
sondern Du musst auf 12.000 Meter gehen. Dafür brauche ich aber, auf
die Banken übertragen, nicht unbedingt mehr Kapital. Eines ist klar:
Wenn die Eigenkapitalerfordernisse stark steigen, dann schwächt das
die Fähigkeit der Banken, Kredite zu vergeben. Und das ist wiederum
schlecht für die Wirtschaft. Das muss man sich gut überlegen."
Dem Modell einer Bankensteuer auf die Bilanzsumme, wie sie in
Österreich von Kanzler Faymann vorgeschlagen wurde, erteilt der
UniCredit-Chef, der auch dem Aufsichtsrat der Bank Austria vorsitzt,
eine klare Absage: "Am besten wäre es, wenn eine solche Abgabe in
einen europäischen Rettungsfonds fließen würde, aus dem künftig
Rettungsmaßnahmen für in Schieflage geratene Institute bezahlt
werden. Voraussetzung dafür ist aber eine starke koordinierte
Bankenaufsicht, denn es geht nicht, dass sich Länder mit schlechter
Aufsicht dann auf diesen Rettungsfonds verlassen. Das Modell einer
pauschalen Besteuerung der Bilanzsumme ist dagegen unsinnig und
unfair." Er weist insbesondere darauf hin, dass die Bank Austria als
einzige Großbank keine Staatshilfe in Anspruch genommen hat.
Ob eine derartige Abgabe die UniCredit dazu bewegen könnte, die
Osteuropa-Zentrale aus Österreich abzuziehen, lässt Profumo offen:
"Ich glaube nicht, dass die österreichische Regierung etwas Unfaires
beschließen wird."
Den Bank der Regionen Vertrag, der Wien bis 2016 als Zentrum für den
CEE-Raum festschreibt, stellte Profumo außer Diskussion: "Das ist
einfach nichts, worüber ich überhaupt nachdenke. Ehrlich gesagt, weiß
ich nicht einmal genau, wann er ausläuft. Wir sind nicht hier in Wien
wegen eines Vertrages oder einer Verpflichtung, sondern wegen der
ausgezeichneten Mitarbeiter und den hervorragenden Strukturen.
Glauben Sie mir, das ist ganz einfach kein Thema für uns."
Auch einer ab 2011 möglichen Ausgliederung des Österreich-Geschäfts
erteilt der UniCredit-Chef eine Absage: "Das sehe ich nicht. Was uns
interessiert, sind die Zahlen des Österreichgeschäfts. Da geht es uns
um Transparenz. Aber dafür brauchen wir ja keine eigene Gesellschaft.
Wir haben ohnehin schon zu viele Rechtspersönlichkeiten im Konzern.
Wir wollen das eher reduzieren und nicht noch eine weitere
hinzufügen. So eine Ausgliederung macht keinen Sinn."
An der derzeit laufenden Umstrukturierung des österreichischen
Bankenmarktes will Profumo nur als Beobachter teilnehmen.
Akquisitionen seien keine geplant. Auch in Osteuropa wolle man vor
allem organisch wachsen. Schwerpunkt wäre dabei die Türkei.
Den Ruf österreichischer Banken sieht Profumo durch die Hypo-Affäre
nicht belastet: "Das glaube ich nicht. Im Gegenteil: Österreich hat
als Land ein ausgezeichnetes Image und davon profitiert auch die
Reputation der Banken. Der Ruf des österreichischen Bankensystems
ist da sogar eher besser, als der von anderen Staaten."
Rückfragehinweis:
trend Redaktion, Tel.: (01) 534 70/3402
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