- 26.03.2010, 13:01:23
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Rechenkunst statt Ideologie: Bei "grüner" IT geht es vor allem um die Kosten
Steigende Energiepreise pushen "Green IT" - Umweltschutz ist positiver Nebeneffekt - Expertinnen und Experten diskutierten über aktuelle Entwicklungen

Wien (OTS) - Beim Thema "Green IT" steht die Kosteneinsparung im
Mittelpunkt, nicht der Umweltschutzgedanke. Ein ökologischer Effekt
sei zwar wünschenswert, werde aber von den Unternehmen eher als
zweitrangig angesehen, waren sich Expertinnen und Experten bei einer
Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community gestern,
Donnerstagabend, in Wien einig.
Tatsächlich sei der Hauptgrund für "Green-IT"-Initiativen im
Unternehmen der ökonomische Zwang - also etwa eine Reduktion der
Energiekosten, erklärte Rainer Kaltenbrunner vom Beratungsunternehmen
IDC. Als Treiber für das Thema sieht er einerseits die IT-Abteilungen
selbst und andererseits das Senior Management. Die
Marketingabteilungen würden hingegen an letzter Stelle rangieren.
Klar sei, dass es nicht um Umweltschutz gehe, sondern um eine
effizientere IT-Infrastruktur.
Gegenwärtig könnten fast alle großen Hersteller auf die eine oder
andere "Green IT"-Kampagne verweisen. "Aber ob diese Konzepte
wirklich halten, was sie versprechen, und nicht nur eine grüne
'Marketinghülle' sind, darf bezweifelt werden", so Kaltenbrunner. Vor
der Wirtschaftskrise - als man 135 Dollar pro Fass Öl bezahlt hat -
sei der Hype um "Green IT" bereits groß gewesen, danach deutlich
abgeflacht. "Heuer kommt das Thema wieder stärker aufs Tapet",
erklärte Kaltenbrunner.
Investiert würde aber auch in Österreich vor allem, wenn damit
Kosteneinsparungen verbunden sind bzw. geringere Betriebskosten
erreicht werden könnten. "Green IT" hätte im eigentlichen Sinn keine
Priorität für Kunden. "Keiner würde 'Grün' als Selbstzweck kaufen.
'Grün' ist ein Bonus", gab sich der Experte überzeugt. Was jedoch für
diesbezügliche Angebote spreche, sei die Möglichkeit zur
Positionierung - also sich vom Mitbewerb differenzieren zu können.
Außerdem würden gesetzliche Vorschriften und Sanktionen künftig eine
größere Rolle spielen.
"Green" heißt "Kosten sparen"
"'Green' ist heute nicht mehr eine Frage des guten Willens und
nachhaltigen Wirtschaftens, sondern harter ökonomischer
Anforderungen. 'Green' heißt heute bereits 'Kosten sparen'", sagte
auch Michael Bartz von Microsoft Österreich. Dies sei in der Zeit
nach der Krise, die es von Unternehmen erfordere, mit beschränkteren
Ressourcen in Zukunft mehr zu erreichen, umso wichtiger.
Beispiele dafür gebe es zur Genüge: Durch Videokonferenzen ließen
sich etwa 40 bis 60 Prozent der Kosten einsparen. Zwar brauche es ein
"physisches Minimum an Konferenzen", bei Microsoft würden aber
bereits 80 bis 90 Prozent virtuell durchgeführt. Und durch Änderungen
beim Druckverhalten sei außerdem eine Reduktion von 10 bis 15
gedruckten Seiten auf 1 bis 2 Blatt pro Tag und Mitarbeiter erreicht
worden. Allein durch entsprechende Software könnte man außerdem eine
Senkung des Energieverbrauchs von Servern um 20 Prozent erzielen.
"Operation am offenen Herzen"
Warum der aktuelle Hype nicht so schnell zur Umsetzung kommt, ist
für Barbara Hackner von HP Österreich klar: "Jeder Eingriff in die IT
gleicht einer Operation am offenen Herzen." "Green-IT"-Initiativen
würden jedenfalls aus wirtschaftlichen Gründen gestartet. "Wenn nur
die 'grüne IT' im Vordergrund steht, würde das nicht funktionieren."
Gefragt seien in Österreich derzeit vor allem Vorreiter.
"Erfolgreiche Beispiele sind wichtig, um die Entscheidungsträger zu
überzeugen", so Hackner.
"Kühle Rechner beginnen zu erkennen, dass energieeffiziente
Technologielösungen für ihr betriebswirtschaftliches Ergebnis
zumindest ebensoviel Power haben können wie für die Umwelt", gab sich
die Managerin überzeugt. "Grün sein" und Kosten sparen sei bisher oft
als klassische entweder-oder-Situation verkannt worden. "Doch heute
können ganz klare Rechnungen aufgestellt werden, was die Reduktion
der Stromrechnung und des CO2-Ausstoßes in Geldwert bedeuten",
erklärte Hackner.
"Es verlangt auch niemand, dass wir nur auf die Umwelt schauen",
ergänzte Elfriede Neuhold von der Telekom Austria. Allerdings werde
der Energieverbrauch im IKT-Sektor weltweit steigen, also auch der
CO2-Ausstoß zunehmen. "Dem muss nachhaltig entgegengewirkt werden,
aus Klimaschutz- und auch aus Kostengründen", so Neuhold. Beispiele
für Einsparungsmöglichkeiten und eine höhere Energieeffizienz seien
die Virtualisierung von Servern oder ausgeklügelte
Klimatisierungskonzepte. "Ein grünes Mascherl reicht nicht, die
Technologien müssen nachweislich energieeffizient sein", sagte
Neuhold.
"Mit klaren Beispielen untermauern"
"Wir machen zu wenig auf die Vorteile von 'Green IT' aufmerksam -
egal ob für Großunternehmen oder KMU", stellte Gerhard Zeiner von SAP
Österreich fest. Die Baubranche würde Heizkosteneinsparungen und Co.
viel mehr herausstreichen. "Das sind Argumente, die man stärker
vorbringen und mit klaren Beispielen untermauern müsste."
Nachhaltigkeit umspanne weit mehr als "Green-IT". "Unternehmen
unterliegen immer stärker Regularien und Marktanforderungen. Außerdem
sind sie gefordert, den Einfluss schwankender Energie- und
Rohstoffkosten durch nachhaltiges Wirtschaften auszugleichen", so
Zeiner. Die Aufgabe der IT sei es, die notwendigen Anwendungen für
Transparenz und die Steuerung von Nachhaltigkeitsaspekten im gesamten
Unternehmen zu schaffen.
Die zunehmende Zentralisierung - durch eine Optimierung der
Serverlandschaft bzw. Virtualisierung - komme inzwischen auch bei
Klein- und Mittelunternehmen an, so Oliver Krizek von Navax
Consulting. Allerdings hätte nicht jeder das notwendige Geld für
aufwendige Investitionen. KMU könnten aber schon durch kleine
Maßnahmen viel erreichen. "Es wird zu wenig transportiert, was man
unter der Überschrift 'Green IT' alles versteht", sagte Krizek. Er
fordert zudem eine Unterstützung seitens der Politik, die auch in
diesem Bereich Anreize zum Energiesparen bieten sollte.
Die Plattform
Soziale Netzwerke, mobiles Marketing und Software als
Dienstleistung: Die IT-Welt dreht sich immer schneller. Die seit neun
Jahren existierende E-Business-Community (EBC) hat es sich daher zur
Aufgabe gemacht, Wissen über aktuelle Themen aus der Branche zu
vermitteln und Geschäftskontakte zu erleichtern.
Veranstaltet von APA-MultiMedia, dem Partner für multimedialen
Content und redaktionelles Outsourcing, bildet die EBC ein
schlagkräftiges Netzwerk für erfolgreiches E-Business. Monatliche
Veranstaltungen, bei denen sowohl Impulsreferate als auch
Fachvorträge und Podiumsdiskussionen Platz haben, bilden die ideale
Plattform für Erfahrungs- und Meinungsaustausch.
Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind:
- Capgemini Consulting Österreich AG www.at.capgemini.com
- CELLULAR GmbH www.cellular.at
- diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc
- economyaustria economyaustria.at
- Hewlett-Packard www.hp.com/at
- Kapsch CarrierCom AG www.kapsch.net
- Microsoft Österreich www.microsoft.com/austria
- NAVAX Consulting AG www.navax.at
- NextiraOne www.nextiraone.at
- SAP Österreich GmbH www.sap.at
- Telekom Austria www.telekom.at
- UC4 Software GmbH www.uc4.com
- WirtschaftsBlatt Verlag AG www.wirtschaftsblatt.at
- Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at
- APA-MultiMedia multimedia.apa.at
Weitere Bilder unter:
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E-Business-Community
Barbara Rauchwarter
Tel.: +43/1/360 60-5700
E-mail: [email protected]
http://ebc.apa.at
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