- 24.03.2010, 19:57:12
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Besser eine hässliche als gar keine Lösung" (von Stefan Winkler)
Ausgabe vom 25.03.2010
Graz (OTS) - Es gibt ein Bonmot, es stammt von Alfred Polgar
und lautet: "Es hat sich bewährt, an das Gute im Menschen zu glauben,
aber sich auf das Schlechte zu verlassen."
Hätten die Europäer diesen Grundsatz beherzigt, dann wäre ihnen das
ganze griechische Schuldenschlamassel erspart geblieben. Aber die
große Lebenslüge der Eurozone war es, zu glauben, man könne sich eine
Währung teilen, ohne die gleiche Politik zu verfolgen.
Wenn Deutschland als Lehre aus dem ägäischen Fiasko jetzt die Regeln
des Euro-Stabilitätspakts radikal verschärfen will, ist das daher
eine zwar späte aber lobenswerte Einsicht.
Sicher, die tiefen Tubatöne aus Berlin, die Drohung, reuelosen
Schuldensündern künftig EU-Gelder zu streichen und sie als Ultima
Ratio sogar aus der Währungsunion zu verstoßen, haben vor allem einen
Adressaten. Es ist der deutsche Wähler, der in Nordrhein-Westfalen im
Mai zu den Urnen gebeten ist.
Die Landtagswahl in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland
gilt als kleine Bundestagswahl. Mit dem kühlen Kalkül der
Naturwissenschaftlerin ordnet Angela Merkel ihr nun Europa unter.
Deutschland, das über Jahrzehnte hinweg den Zahlmeister Europas gab,
ist nicht länger gewillt, jeden Preis für die europäische Einigung zu
berappen. Das ist neu in der EU und wird von Lissabon bis Warschau
mit einer Mischung aus Wut und Verblüffung registriert.
Sollte sie die wichtigsten Staaten doch noch überreden können, den
Internationalen Währungsfonds in die Rettung des griechischen
Patienten einzubinden, würde Merkel buchstäblich in letzter Minute
das Ärgste vom Gipfel abwenden.
Nichts wäre schlimmer, als wenn Europas Staatenlenker wieder im
Streit voneinandergehen würden.
Sicher, in Washington um Hilfe anzuklopfen, mag das ohnehin schwache
Ego der Europäer nicht unbedingt stärken. Aber auch wenn jetzt der
Eindruck entsteht, dass Europa das eigene Haus nicht zu bestellen
vermag, so handelt es sich doch um den einzig richtigen Weg.
Denn Gemeinschaftshilfen sind in der Eurozone strikt verboten. Im
Fall eines drohenden Staatsbankrotts mag das zwar als widersinnig
erscheinen. Und nichts ist in Krisenzeiten gefährlicher als blinder
Dogmatismus. Aber die Gefahr, dass die hohen Verfassungsrichter in
Karlsruhe ein unsauberes Hilfskonstrukt kassiert hätten, ist zu groß.
Nach dem Gipfel wäre dann vor dem Gipfel. So wird zwar auch über
diesem Gipfel nicht die Ruh sein, die man den Europäern wünschen
möchte, aber die Ungewissheit hätte ein Ende, und das wäre gut
so.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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