- 24.03.2010, 12:08:47
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Forschungsrat: Österreichs Aufholprozess nicht gefährden
Vorsitzender Consemüller fordert Sprung zum "Innovation-Leader" durch effizient genutzte Mittel
Wien (OTS) - Der von der Bundesregierung vorgelegte
Budgetrahmenplan für das Jahr 2011 sieht für die Bereiche Bildung und
Forschung ein Minus von 104 Mio. Euro bzw. 1,4 Prozent gegenüber 2010
vor. Wenngleich die hiermit geplanten Einsparungen im Vergleich zu
anderen Bereichen noch moderat ausfallen, wird der damit von der
Bundesregierung eingeschlagene Weg aus Sicht des Rates für Forschung
und Technologieentwicklung sehr kritisch gesehen. Denn Bildung und
Forschung sind für Österreich die Voraussetzungen für die Gestaltung
unserer Zukunft. Gerade in Zeiten dieser Weltwirtschaftskrise muss es
deshalb politisches Programm sein, die Aufwendungen für Bildung und
Forschung zu steigern und nicht zu reduzieren, zumal es in anderen
EU-Ländern dafür gute Beispiele gibt. So hat Dänemark den
Forschungsförderungsfonds von 2009 auf 2010 verdoppelt, Frankreich
legt ein großes Bildungs- und Forschungsprogramm auf und Deutschland
forciert seine Exzellenzinitiative an den Universitäten. "Die
relative Steigerung muss in der nächsten Budgetplanung wieder in eine
absolute Steigerung münden", sagt DI Dr. Knut Consemüller,
Vorsitzender des Rates für Forschung und Technologieentwicklung, zu
den Budgetplänen. "Auch Output-Steigerungen sind möglich und
notwendig, allerdings nur durch wirkliche strukturelle Reformen und
nicht durch Zementierung des Status Quo. Nur so kann Platz für Neues
geschaffen werden", so Consemüller.
Tempo des österreichischen Aufholprozesses nicht verringern
Österreich hat im vergangenen Jahrzehnt in seiner FTI-Performance
einen rasanten Aufholprozess absolviert und zählt heute zu den
Ländern in der Europäischen Union, die sich am dynamischsten
entwickeln. Gleichzeitig fehlt jedoch noch der entscheidende Schritt,
nämlich jener vom "Innovation Follower" zum "Innovation Leader".
"Dieser Entwicklungsschritt steht an", so Consemüller, "denn um
unseren Wohlstand absichern und sogar ausbauen zu können, braucht es
jetzt einen qualitativ spürbaren Sprung nach vorne".
Und der setzt entsprechende Finanzmittel für den Bereich Forschung
voraus, aber auch massive Investitionen im Bereich Bildung, denn "um
den Aufstieg in die Gruppe der 'Innovation Leader' schaffen zu
können, braucht Österreich mehr und vor allem auch besser
qualifizierte Arbeitskräfte", so der Ratsvorsitzende. Als Start zur
Zukunftsgestaltung wird in diesem Zusammenhang der vom
Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung initiierte
Hochschuldialog betrachtet. "Nach den Protesten der Studierenden war
es wichtig, alle Stakeholder zum Informationsaustausch, vor allem
aber zum gemeinsamen Erarbeiten von Lösungsansätzen an einen Tisch zu
bekommen", erklärt Univ.-Prof. Dr. Günther Bonn, Vizevorsitzender des
Rates. "Der nunmehrige Ausstieg der Rektoren aus dem Hochschuldialog
muss mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen werden, aber es ist zu
hoffen, dass in kürzester Zeit wieder alle vereint diesen Dialog
gemeinsam fortsetzen - zu wichtig ist dieses Thema für die
Zukunftsbewältigung unserer Hochschulen", so Bonn.
Wachstumspfad sichern und Gelder effizienter einsetzen
Der Sprung in die Gruppe der "Innovation Leader" setzt auch einen
grundlegenden Wandel in der Ausrichtung der Forschungs- und
Bildungspolitik voraus. "Wir benötigen zwar einen weiterhin
gesicherten Wachstumspfad in der Forschung, doch vor allem auch einen
effizienteren Einsatz der bereits vorhandenen Mittel", erklärt
Consemüller, und weiter: "Es müssen dringend strukturelle und
inhaltliche Schwerpunkte gesetzt und zudem die Forschungsgelder
treffsicherer eingesetzt werden." In diesem Zusammenhang verweist der
Ratsvorsitzende auf die "Strategie 2020" des Rates für Forschung und
Technologieentwicklung, in welcher eine Vielzahl entsprechender
Empfehlungen enthalten sind.
"Europa 2020" zeigt den Weg vor!
Mit dem vor wenigen Tagen veröffentlichten Papier "Europa 2020"
hat die Europäische Kommission eine "Strategie für intelligentes,
nachhaltiges und integratives Wachstum" vorgelegt. Darin wird betont,
dass der Schlüssel zur heutigen und künftigen Wettbewerbsfähigkeit
Europas im Aufbau einer Wirtschaft liege, in der Wissen und
Innovation eine zentrale Rolle spielen. Dies erfordert einerseits
höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung, andererseits aber
auch Maßnahmen, die dafür sorgen, dass Forschungsergebnisse auch
tatsächlich in innovative Produkte und Dienste umgesetzt werden. Noch
im vergangenen Jahr haben sich Bundeskanzler Faymann sowie
Vizekanzler Pröll mehrmals zur Bedeutung von Bildung und Forschung
als "entscheidend für die Zukunft Österreichs" nach der globalen
Finanz- und Wirtschaftskrise bekannt und damit die Notwendigkeit von
"klaren finanziellen Schwerpunktsetzungen für Forschung und
Innovation im Bundesbudget" betont.
Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung fordert die
Regierung daher auf, zu diesem Bekenntnis zu stehen und sich gerade
wegen der schwierigen wirtschaftlichen und budgetären Lage zu klaren
finanziellen und strukturellen Schwerpunktsetzungen in den Bereichen
Bildung und Forschung einzusetzen. "Wenn wir nicht ausreichend in
Bildung und Forschung investieren, büßt Österreich seine
Wettbewerbsfähigkeit ein und verliert in weiterer Folge noch mehr
Arbeitsplätze", warnt Consemüller. "Forschung und Innovation sichern
die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und entscheiden darüber, ob
Österreich sich wieder nach oben orientiert." In diesem Zusammenhang
wiederholt der Rat für Forschung und Technologieentwicklung seine
bereits früher geäußerte Empfehlung nach einer Österreichischen
Bildungs- und Forschungsanleihe.
Rückfragehinweis:
DI Dr. Ludovit Garzik
Geschäftsführer des Rates für Forschung und Technologieentwicklung
Tel. +43 (0)1 713 1414
E-Mail: [email protected]
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